Editorial

Online-Werbung: Bravo Google, pfui Yahoo

Es gibt in der Online-Werbung vom Surfer aus gesehen allenfalls ein A, ein B und C nach dem A gibt es nicht.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2002/04

     

Meine bevorzugte Suchmaschine hat ihren Publikumsdienst vor zwei Wochen eingestellt: Bei Northernlight gibt es nur noch "Custom Solutions for your Business" sowie Pay-per-Document-Zugriff auf allerlei Zeitungsarchive und Analystenoutput.


Popup-Fenster: Pfui, Pfui, Pfui!

Dafür erscheint nun sofort nach dem Aufruf der Site, ungefähr gleichzeitig mit der Frustration über den eingestellten Service, ein zweites Fenster. Ich hätte, so versichert mir darin die New York Times, Anrecht auf fünzig Prozent Nachlass bei Abschluss eines Abonnements, Home Delivery inbegriffen. Das interessiert mich erstens nicht, da ich mit Tageszeitungen bereits bestens eingedeckt bin und sich die vergünstigte Hauslieferung wohl kaum vom Big Apple bis ans Rheinknie erstreckt.



Zweitens sind Popup-Fenster schlicht und einfach lästig. Doch sie greifen in erschreckender Weise um sich. Immer mehr Websites, selbst die vormals seriösesten Anbieter versuchen, die bisher missratene Profitabilität durch Einblendung von Popup-Werbung aufzupäppeln.





Yahoo besonders schlimm

Besonders peinvoll ist die ebenfalls erst seit kurzem eingeführte werbliche Ergänzung diverser Yahoo-Angebote. Zwar nicht auf den Seiten der ursprünglichen Suchmaschine, Yahoo Deutschland bleibt weiterhin erfreulich werbearm. Etwas mehr zur Sache geht die US-Engine mit themenspezifisch fokussierten Bannern - die Kategorie Krankenpflege wird durch den Hinweis auf einen möglichen Gewichtsverlust von zehn Pfund bis zum vierten März dank "eDiets" amüsant untermalt.



Wagt man sich aber auf eines der übrigen Yahoo-Angebote, geht es richtig los. Der Aufruf einer von Geocities gehosteten Gratis-Homepage führt nach einigen Sekunden wohltuender Ruhe unweigerlich zur Anzeige eines ziemlich grossen Werbefensters, das zusätzlich zu den ebenfalls grossflächigen Mammut-Bannern erscheint, die sich auf den Kategorien-Suchseiten von Geocities breitmachen - 425 Pixel im Quadrat sind hier keine Seltenheit.




Neben Maxibanner und Superstitial nervt ein Geocities-Besuch mit einer weitere Einblendung, die sich an der linken oberen Fensterecke der eigentlich gewollten Homepage einnistet, nach einiger Zeit sich aber dankenswerterweise wenigstens von selbst minimiert. Das wären insgesamt drei lästige Commercials, die mit dem gewünschten Inhalt wenig zu tun haben.



Nicht minder betroffen sind die Yahoo Groups, nach der Fusion mit eGroups heute neben den MSN-Communities die einzige breit verfügbare Möglichkeit zur Einrichtung von Gratis-Diskussionsgruppen. Hier wird mit einer anderen Werbeform gearbeitet, den sogenannten Interstitials: Beim Message-Abruf erscheint jeweils nach einigen Meldungen die fröhliche Mitteilung, Yahoo Groups sei ein werbefinanzierter Dienst, begleitet von einem nicht zu übersehenden Inserat, das mehr oder weniger zum Thema der Gruppe passt. Es bleibt so lange stehen, bis der Surfer explizit weiterklickt. Unterbrecherwerbung der übelsten Sorte.




Das A der Online-Werbung

Es gibt in der Online-Werbung vom Surfer aus gesehen allenfalls ein A: Die herkömmlichen Banner, solange sie im länglichen 468x60-Pixel-Standard oder einem ähnlich unaufdringlichen Format gehalten sind und sich nicht zu viele davon auf der selben Seite versammeln, werden durchaus geschätzt. Man betrachtet sie kurz, klickt sie bei Interesse an und lässt die Botschaft ansonsten einfach links liegen. Ein Beispiel für unaufdringlichen Bannereinsatz ist das Microsoft-Portal msn.ch.



Ein B und C nach dem A gibt es nicht. Superstitials und Interstitials mag dagegen niemand. Sie drängen sich auf, überschatten die eigentliche Site und generieren auch bei Nichtbeachtung den erheblichen Arbeitsaufwand mindestens eines Mausklicks.




Da erfrischt das Prinzip von Google, das der populäre Suchdienst kürzlich prominent auf seiner US-Startseite publik gemacht hat: "Google does not display popup advertising". Dieses sei
"annoying". Congratulations und Bravissimo! Dass vermeintlich dennoch auch beim Google-Besuch Popups auftauchen, führt der Suchdienst auf drei mögliche Gründe zurück: Entweder habe sich ein Squatter einer Google-ähnlichen URL bemächtigt und man habe irrtümlich statt Google diese eingetippt. Es könne sich auch um eine Restanz von einer anderen, popup-infizierten Site handeln, die sich beim Aufruf des Google-Fensters wieder in den Vordergrund drängt - oder um eine "Zeitbombe", die in regelmässigen Abständen neu generiert wird.


Kommentare
Ich habe von Google und allen die Cookies setzen wollen die Nase gestrichen voll und werde mich dafür einsetzen das dieser Unfug ein Ende nimmt. Was geht Leuten die diese Cookies wollen mein Privatleben an. Ist das demokratisch nur zustimmen zu schreiben und das Ablehnen zu vergessen. Komisch es gibt auch Leute bzw. Firmen die mit Anstand auch das Neinsagen anbieten.
Freitag, 16. Oktober 2020, Evelyn Benyák



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