Wie Windows 7 auf die PCs kommt

Microsofts neues Windows 7 wird demnächst in allen Unternehmen XP und Vista ablösen. Swiss IT Magazine gibt Tipps wann und wie dies am besten geschieht.
30. November 2009

     

Mit Windows 7 steht ein neues Betriebssystem zur Verfügung, das laut Microsoft schnell, zuverlässig, kompatibel und gleichzeitig flexibel ist. Diese Eigenschaften galten oder gelten auch für den Vorvorgänger Windows XP, der heute, acht Jahre nach seiner Lancierung, in Unternehmen weiterhin sehr weit verbreitet ist. Vista hat laut diversen Schätzungen einen Marktanteil um die 20 Prozent, drei Viertel der Unternehmen setzten aktuell weiter auf XP. Doch seine Zeit neigt sich dem Ende zu. Microsoft wird das Betriebssystem nur noch bis 2014 mit wichtigen Security-Updates versorgen, danach ist auch mit dem Extended Support Schluss. Den Mainstream Support, der neben den Security-Updates die kostenlose Bearbeitung technischer Anfragen und nicht-sicherheitsrelevante Hotfixes umfasst, hat man bereits in diesem Jahr eingestellt.


Das sind ja noch ein paar Jahre, könnte man auf den ersten Blick meinen. Die Zeit ist aber knapper, als sie auf den ersten Blick scheint:


? Softwareentwickler werden vermutlich schon vor dem Support-Ende im April 2014 Windows XP nicht mehr unterstützen und kritische Business Software danach nur noch für neuere Plattformen testen und anbieten. Empfohlen wird ein Wechsel bis Ende 2012, wenn nebenbei auch der Mainstream-Support von Vista abläuft.


? Unternehmen benötigen laut den Marktforschern von Gartner in der Regel 12 bis 18 Monate für das Testen und die Planung der Einführung eines neuen Client OS, bis es dann zum endgültigen Deployment kommt, also mehr als ein Jahr.


Es gibt also einige Gründe für Unternehmen mit XP oder Vista sich doch bereits jetzt mit Windows 7 auseinanderzusetzen. Neben diesem zeitlichen Druck gibt es natürlich noch viele weitere Argumente, die für das neue Microsoft-Betriebssystem sprechen. Mehr dazu aber in den anderen Teilen unserer Windows-7-Serie. Wie diverse Studien zeigen, haben Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt. IDC beispielsweise vermeldete vor kurzem, dass bis 2012 knapp 60 Prozent aller Firmenrechner mit Windows 7 betrieben werden. Auch bei Gartner glaubt man an einen schnellen und grossflächigen Umstieg. Das bedeutet: Viele Unternehmen setzen sich heute bereits intensiv mit dem Thema Migration auseinander.




Vor Migration und Deployment

Die Einführung eines neuen Betriebssystems in Unternehmen ist eine zeit- und damit auch kostenintensive Sache. Die tatsächlichen Migrationskosten variieren. Microsoft spricht bei einem Wechsel von XP auf 7 von ähnlichen Grössenordnungen wie beim Umstieg von XP auf Vista. Etwas genauere Zahlen liefert Gartner: Je nach Unternehmen, Organisation und Planung liegen die Kosten gemäss den Marktanalysten bei einem Umstieg von Windows XP auf Windows 7 zwischen 1035 und 1930 US-Dollar pro Client. Bei einer Migration von Vista auf Windows 7 sollen es zwischen 339 und 510 US-Dollar sein. Jede Migration sollte deshalb sorgfältig geplant und professionell umgesetzt werden.


Als erstes gilt es die bestehende Hardware und Software zu inventarisieren, also die bestehenden Rahmenbedingungen kennenzulernen. Fragen, die man im Rahmen dieser Vorbereitung stellen sollte: Wie lange wird meine wichtige Software noch für das alte System angeboten? Ist sie bereits kompatibel mit Windows 7 oder brauche ich dazu den XP-Modus? Wie sieht die Hardware aus und wie wird sie aussehen in 12 bis 18 Monaten, wenn Windows 7 dann zum Rollout bereit ist? Daraus ergibt sich ein «Fahrplan» und die geeignete Vorgehensweise. Fragen nach dem richtigen Zeitpunkt für die Migration und welche Ressourcen dafür erforderlich sind, können geklärt, oder zumindest wichtige Informationen für einen Entscheid darüber gesammelt werden.


Die Migration des Betriebssystems bietet zudem einen willkommenen Anlass, um bestehende Anwendungen, Software und Daten auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. Damit kann man verhindern, dass mehr migriert wird als notwendig ist. Das spart kostbare Zeit und zudem Ressourcen auf den Rechnern.


Nach Abschluss dieser ersten Planungsphase sollte eine Pilotphase mit einem Windows-7-Testsystem aufgebaut werden. Wichtig ist in dieser Testphase der Einbezug verschiedener Abteilungen und Nutzertypen, um möglichst viele Probleme im Vorfeld gleich zu erkennen und wenn möglich auszumerzen. Das verhindert eventuelle spätere Komplikationen.



Software verteilen

Nach einer erfolgreichen Testphase erfolgt dann die Installation des neuen Betriebssys-tems. Wie die abläuft und welche Besonderheiten sich ergeben, haben wir in der letzten Ausgabe erläutert. In Unternehmen, wo mehrere Rechner stehen, stellt sich jedoch die Frage, ob diese manuelle Art der Installation die richtige Lösung ist oder ob man für die Softwareverteilung eine andere ins Auge fassen sollte.


Grundsätzlich gibt es drei Arten, wie man Windows 7 auf die Unternehmens-PCs bringen kann (siehe Tabelle auf Seite 52). Zum einen, wie bereits angesprochen, manuell. Diese Methode eignet sich vor allem für Firmen mit weniger als 100 Clients, mit einem kleinen, ungemanagten Netzwerk und ohne speziell ausgebildetes IT-Team, also mit IT-Generalisten. Windows 7 wird dabei auf jedem PC vor Ort mit der Original-DVD installiert sowie der Client konfiguriert und die Daten mit Windows Easy Transfer migriert. Es läuft also fast alles so ab wie bei einer Installation zu Hause.


Auch direkten Kontakt zu jedem PC herstellen muss, wer die Standard-Image-Methode für das Deployment wählt. Hier wird im Vorfeld jedoch pro Hardwaretyp ein Image mit dem Betriebssystem erstellt, das bereits spezielle Konfigurationen und weitere Applikationen enthält. Dieses Abbild wird dann manuell auf die einzelnen Rechner übertragen. Unternehmen können dazu die Basis-Funktionen des Windows Automated Installation Kit (AIK) für Windows 7 nutzen, wie den Windows Sys-tem Image Manager oder die neuen Features des User State Migration Tool.




Automatisiertes Deployment

Last but not least gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, Windows 7 automatisierter auf die Rechner zu installieren, ohne möglichst viel manuell machen zu müssen. Dazu benötigt man neben dem AIK, das von den Redmondern das Rückgrat eines jeden Deploy-ments genannt wird, weitere Software. Microsoft empfiehlt das Microsoft Deployment Toolkit (MDT) 2010, das extra für Windows 7 neu aufgelegt wurde und das sich um alles kümmern soll. Diese Art der automatisierten Softwareverteilung eignet sich für grössere Unternehmen mit 100 Clients aufwärts. Es können aber durchaus auch weniger sein, gemäss Microsoft mindestens 25. Während bei den anderen beiden Deployment-Möglichkeiten Retail-Medien eingesetzt werden können, so funktioniert die Installation mit MDT 2010 nur mit Volumenlizenzen.


Tools für das automatisierte Deployment von Windows 7 gibt es, neben dem Microsoft-eigenen natürlich einige weitere, beispielsweise von Acronis, Avocent, Baramundi, HP, IBM, Novell oder Symantec. Wir möchten aber anhand der Microsoft-Lösung Deployment Toolkit (MDT) 2010 in groben Zügen kurz erklären, wie ein Deployment grundsätzlich abläuft und welche Voraussetzungen gelten.


Als allererstes muss, nach der Installation des Windows Automated Installation Kit, natürlich das MDT 2010 installiert werden. Es gibt zwei verschiedene Varianten, 32- oder 64-Bit. Weiter ist Windows Powershell vorausgesetzt. Und ganz wichtig: Es läuft nur auf Rechnern mit Windows Vista, 7 oder Server 2008, nicht auf einem XP-Rechner. Man muss also zuerst einen Rechner mit einem der neueren Systeme haben.


In einem zweiten Schritt müssen alle für ein Deployment mit MDT 2010 benötigten Dateien zusammengesucht und in ein Deployment Share integriert werden. Dazu gehören das Betriebssystem, in unserem Fall Windows 7, die benötigten Sprachpakete und Treiber für die Ziel-PCs. Danach wird das Share mit dem zuvor erstellten System-Image ergänzt. Nun ist man fast bereit für die Auslieferung. Zuvor müssen allerdings noch eine neue Task Sequence (Aufgabenfolge) und danach ein Boot-Medium erstellt werden. Mit dieser Boot-Disc geht man dann an den Rechner, wählt den gewünschten Task aus und dann wird Windows 7 beziehungsweise alles im Deployment Share Gespeicherte ausgeliefert. Die Installation ist also nicht vollautomatisch, es braucht noch eine kurze Interaktion mit dem Client, insbesondere wenn auf diesem noch kein Sys-tem vorinstalliert ist. Die Daten auf dem Rechner, der mit Windows 7 ausgestattet werden soll, können übrigens, sofern nötig, im Rahmen des Boot-Vorgangs an eine bestimmte Stelle gesichert werden. Viele weitere Informationen und mehr Details zum MDT 2010 und zur automatisierten Installation findet man in der Bibliothek auf der Technet-Site unter technet.microsoft.com/de-ch/library/default.aspx.


Nun, da Windows 7 auf allen Rechnern installiert ist, möchte man natürlich das Maximum herausholen. Welche Tools und Funktionen hilfreich sind und viele Tipps und Tricks finden Sie in der nächsten Ausgabe unserer Windows-7-Serie, die im Januar erscheint.




(mv)



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