Wie man Mitarbeiter richtig entlässt

Wie man Mitarbeiter richtig entlässt

2. Oktober 2009 - Entlassungen sind eine delikate Angelegenheit, da sich dabei das wahre Gesicht des Arbeitgebers zeigt. Firmen, die etwas auf sich halten, trennen sich darum mit Fairness.
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/10

Paul S. war seit zehn Jahren als Geschäftsführer eines globalen IT-Unternehmens tätig. Er war Mitte 50 und konnte auf eine langjährige und erfolgreiche Karriere zurückblicken. Er gehörte zu jenem Typus Mensch, den man in der Branche gemeinhin als Dinosaurier bezeichnet, und der sich bis jetzt noch über jede Krise hinwegretten konnte. Diesmal aber sollte alles anders kommen.


Es begann damit, dass die Umsätze innert Wochen um fast 30 Prozent einbrachen. Und dann wurde just in dieser Zeit in der Europazentrale auch noch sein Chef entlassen, mit dem er seit Jahren ein enges Vertrauensverhältnis pflegte. Mit dem neuen Vorgesetzten verstand er sich auf Anhieb nicht, hätten die beiden doch gegensätzlicher nicht sein können. Da war Paul S., ein erfahrener Manager, der Entscheidungen gerne aus dem Bauch heraus fällte. Und auf der anderen Seite war da ein technokratischer Jungmanager, für den die Mitarbeiter nichts weiter als ein Kostenfaktor auf einem Spreadsheet waren und die Gewinnmaximierung an erster Stelle stand. Sein Hang zur Effizienzsteigerung zeigte sich auch in der Art, wie er seine Nachrichten verfasste, jeweils nämlich möglichst kurz und sachlich. So dachte sich Paul S. deshalb nichts dabei, als er eines Abends eine dieser knackig formulierten Botschaften in seiner Mail-Box vorfand, die wie folgt lautete: «Bin morgen in Zürich! Bitte alle Termine canceln. Will mit dir den Forecast besprechen!»


Unerwartete Kündigung

Wie abgemacht, erschien sein Chef tags darauf bei ihm im Büro. Doch er kam nicht alleine, sondern zusammen mit der obersten HR-Chefin des Konzerns. Im Bruchteil einer Sekunde wusste Paul S., was nun auf ihn zukommen würde. Die eigentliche Entlassung dauerte schliesslich nur zehn Minuten. Er wurde darüber informiert, dass man ihn auf Grund der schlechten Wirtschaftslage nicht weiter beschäftigen könne. Dann musste er den Badge abgeben und innert zwei Stunden das Büro räumen. Während er seine persönlichen Gegenstände in eine Kiste packte, schwirrten Paul S. tausend Gedanken durch den Kopf. Er fühlte sich gekränkt und gedemütigt wie selten zuvor in seinem Leben. Er überlegte sich, wie er seiner Frau das Geschehene erzählen sollte. Und was sollten bloss seine Nachbarn über ihn denken, wenn sie erfuhren, dass er seinen Job verloren hatte? Er war wütend, dass man ihn wie einen lahmen Gaul vor die Tür spediert hatte, nachdem er noch vor sechs Monaten an einer Geschäftsleitungssitzung von seinem damaligen Chef für sein überdurchschnittliches Engagement in den höchsten Tönen gelobt worden war.

Als er sich erschöpft in seinen Bürostuhl fallen liess, beschlich ihn urplötzlich eine panische Angst. Er war jetzt 55 Jahre alt und hatte sich Stufe um Stufe ohne Studium im Unternehmen hochgearbeitet. Würde das alles genügen, um in der jetzigen Wirtschaftslage wieder einen Job zu finden?

 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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