Wie sich jetzt wohl Peter Sany bei der UBS fühlt

Wie sich jetzt wohl Peter Sany bei der UBS fühlt

17. April 2009 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/05
Von Markus Häfliger

Erst vor gut drei Wochen, genau am 1. April, hat Peter Sany, der ehemalige Chief Information Officer (CIO) der Deutschen Telekom, seine neue Stellung bei der in Schieflage geratenen Grossbank UBS angetreten. Letzte Woche bereits kündigte der neue UBS-Boss Oswald Grübel an der Generalversammlung an, dass er, zur Überraschung der meisten Beobachter, die Axt ansetzen und mit dem grossen Besen auskehren wird.

Klar, ein Informatik-Chef hat heutzutage in jedem Betrieb mit Kostendruck umzugehen. Allerorten wird gefordert, mit dem selben oder gar mit kleinerem Budget mehr aus der IT herauszuholen. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die Bedeutung der IT in Unternehmen zusehends heruntergestuft wurde. Das kann sich in Zeiten der Krise vielleicht ändern, sofern die Verantwortlichen den Wert der Informatik zur Steigerung der Effizienz und zur Verbesserung von Wettbewerbsvorteilen erkennen. Vorläufig sieht es allerdings nicht danach aus: Gerade in schwierigen Zeiten, so höre ich immer wieder aus persönlichen Gesprächen, würde der Druck zunehmen und die IT-Dienste vor allem als Kostenverursacher gesehen.

Peter Sany kann davon bestimmt ein Lied singen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass mit dem letzte Woche angekündigten Stellenabbau auch die IT der Grossbank betroffen sein wird. Weil die IT-Einheiten der einzelnen Unternehmensbereiche zentralisiert werden, müssen überall dort, wo Doppelspurigkeiten eliminiert und Abläufe rationalisiert werden, Mitarbeitende über die Klinge springen. Und auch bei den Informatikdiensten auf Gruppenebene sollen Stellen wegfallen, wie ein Sprecher gegenüber Infoweek bestätigte.

Doch was so einfach tönt, ist in Wirklichkeit eine knifflige und aufwendige Angelegenheit. In der Praxis wird es nämlich in etwa wie folgt ablaufen: Die zentrale Kontrollstelle, die die IT-Budgets der diversen Bereiche unter ihre Fittiche nimmt, wird «von oben» den «Befehl» erhalten, die Summe der Ausgaben («unten rechts») um – nehmen wir mal an –eine tiefe zweistellige Prozentzahl zu kürzen. Die einzelnen «Buchhalter» werden darauf hin mit den Verantwortlichen der Teilbereiche hin- und herdiskutieren und jeder wird versuchen, sein Terrain möglichst zu verteidigen.

Externe Berater werden herbeigezogen und es werden Szenarien ausgearbeitet, wie man kurz-, mittel- und langfristig in den unterschiedlichen Kostenblöcken Geld einsparen kann. Man wird über Auslagerung von Services diskutieren, sich hierbei auch an der Konkurrenz orientieren (die Credit Suisse hat bereits seit längerem Sicherheits- und Infrastrukturdienste ausgelagert), vermehrtes Offshoring ins Auge fassen und allgemein versuchen, bei externen Dienstleistern und Lieferanten, aber auch in den eigenen Reihen Druck zu machen. Ganz zu Beginn der Subprime-Krise hatte die UBS schon einmal die Bestellungen an IBM um ein halbes Jahr herausgezögert, ähnliches könnte sich wiederholen.

Sicher, ein Unternehmen wie die UBS ist laufend dabei, seine Kosten zu optimieren und kann gewisse Szenarien auch «aus der Schublade» ziehen. Gleichzeitig ist ein Koloss dieser Grösse auch sehr schwerfällig, und man kann sich gut vorstellen, wie einerseits die Hektik losgeht und andererseits durch die Art und Weise, wie in solchen Unternehmen Projekte angeschoben werden, das Fortschreiten von Bemühungen auch gebremst werden kann. Ganz zu Schweigen davon, dass jede Zusammenlegung von IT-Diensten selbst einen Kraftakt bedeutet. Peter Sany ist aus meiner Sicht jedenfalls nicht zu beneiden.

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