Windows Server unter der Lupe

Windows Server unter der Lupe

22. Januar 2009 - InfoWeek hat die erste Beta-Version des neuen Server-Betriebssystems Microsoft Server 2008 R2 angeschaut und zeigt die wichtigsten neuen Features.
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/01

Letzten August wurde bekannt, dass die nächste Ausgabe von Windows Server nur ein «Minor Release» sein wird. Deutlich wird das vor allem am Namen, der Windows Server 2008 R2 lautet und nicht etwa «Windows Server 2010» oder in Anlehnung an das neue Desktop-OS «Windows 7 Server». Trotzdem hielt das Microsoft natürlich nicht davon ab, ins Server-Betriebssystem einige neue und grundlegend überarbeitete Technologien einzubauen, um die immer komplexeren und vielseitigeren Anwendungen zu betreiben. Seit der Professional Developers Conference (PDC) letzten Oktober, wo Microsoft Windows Server 2008 R2 erstmals öffentlich vorstellte und mit dem Milestone 3 eine erste Testversion verteilte, weiss man, wohin der Weg führt. Seit kurzem ist auch die erste öffentliche Beta erhältlich (siehe Kasten). Grund genug, uns Windows Server 2008 R2 einmal genauer anzuschauen.



Die erste und grundlegendste Neuerung von Windows Server 2008 R2 findet man bereits in der Liste mit den Anforderungen. Das OS läuft nur noch in Systemen mit 64-Bit-Architektur.Natürlich laufen 32-Bit-Applikationen weiterhin. Mit der 64-Bit-Fokussierung will Microsoft das Maximum aus der Hardware, den High-End-Server-CPUs von AMD und Intel, herausholen. Deren Möglichkeiten blieben bisher oft ungenutzt. Hardware-seitig gibt es eine weitere grosse Neuerung: R2 bietet Support für die Einbindung von bis zu 256 CPU-Kernen in einen einzigen Server. Ausserdem wird erstmals das Second Level Translation (SLT) Feature der CPUs unterstützt. Es vereinfacht und verbessert das Speicher-Management.



Bleiben wir gleich beim Management. In R2 hat Microsoft eine ganz interessante Energie-Management-Funktion eingebaut. Mit dem neuen Betriebssystem lassen sich einzelne Prozessoren, die nicht oder nur wenig gebraucht werden, abschalten. «Core Parking» heisst dieses neue Feature. Wenn es aktiviert wird, überwacht es laufend die verschiedenen Auslastungen im gesamten System. Wenn Core Parking feststellt, dass irgendwo ein Prozessor unterbenutzt oder unwichtig ist, kann das Tool ihn in einen Schlafmodus versetzen. Sollte der Workload unverhofft zunehmen, schaltet das System die schlafenden Prozessoren laut Microsoft in Millisekunden automatisch wieder hinzu. Konkret könnte so in Zeiten mit wenig Auslastung aus einer 64-Kern-Maschine eine 4-Kern-Maschine gemacht und der Stromverbrauch deutlich gesenkt werden. Doch nicht nur Server-Hardware, auch die Storage Area Networks (SANs) sollen mit dem neuen OS in Stromsparmodi versetzt werden können. Zusätzlich steht Administratoren mit Windows Server 2008 R2 die Möglichkeit zur Erstellung von Leistungs-Policies offen, die auch Remote-Management-Interfaces nutzen können.



Ein weiteres, grosses Update des neuen Server-OS betrifft PowerShell. Damit können Administratoren immer wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Das geschieht einerseits mit Command-let-Skripten (cmdlet), die man in PowerShell selbst erstellt oder mit vorgegebenen cmdlets, deren Anzahl mit R2 um 240 erweitert wird. Die erste Version, die mit Windows Server 2008 veröffentlicht wurde, wurde auf vielseitigen Kundenwunsch weiter verbessert. Hier eine kurze Auswahl der Neue­rungen von «PowerShell 2.0»: Ein komplett neues Graphical User Interface (GUI), verbessertes Remote-Management via WS-Management, erweiterte Scripting-Funktionalität, bessere Sicherheits-Features sowie Debugging-Tools.



Diverse Tools und Technologien zur Virtualisierung, dem IT-Thema der Stunde, hielten mit Hyper-V 1.0 bereits in Windows Server 2008 Einzug. In der Nachfolge-Version werden sie mit «Hyper-V 2.0» markant ausgebaut und ergänzt. Eine Neuheit heisst «Live Migration». Administratoren erhalten damit die Möglichkeit virtuelle Maschinen (VMs) ohne Downtime von einem physikalischen Server auf einen anderen zu zügeln. Dabei entstehen für den Anwender keine Unterbrüche mehr, er bleibt verbunden und die Applikationen laufen nahtlos weiter. Möglich macht den VM-Transferin Millisekunden der Einsatz von Windows ­Clustering Services und der Cluster Shared Volumes Technologie. Ausserdem funktioniert Live Migration auch in Zusammenarbeit mit dem System Center Virtual Manager und lässt damit unter anderem die VMs auch nach gewissen Policies migrieren.



Hyper-V 2.0 bietet aber noch mehr. Die Performance wurde deutlich ausgebaut. Eine virtuelle Maschine kann neu bis zu 32 logische Prozessoren nutzen, was im Vergleich zur Vorgängerversion doppelt so viel CPU-Support und -Power entspricht. VMs, die in 32- und 64-Bit unterstützt werden, können ausserdem bis zu 64 GB gross werden. Weiter können in den VM neu virtuelle Harddisks (VHDs) auch ohne Reboot verschoben und von den VHDs selbst aus gebootet werden.



Neben der Hardware-Virtualisierung bietet Windows Server R2 auch neue Möglichkeiten für die Desktop-Virtualisierung. Das Betriebssystem enthält die Virtual Desktop Infrastructure (VDI) Technologie und basiert weiterhon auf den Terminal Services. Diese werden neu «Remote Desktop Services» genannt und bilden in Zusammenarbeit mit der VDI eine zentralisierte Desktop-Delivery-Architektur mit mehr und neuen Funktionalitäten. Als kleines Beispiel dafür nennt Microsoft folgendes: Programme, die virtualisiert auf den Remote-Desktops laufen, können neu zusammen mit den lokal installierten Anwendungen direkt in den Startmenüs angezeigt werden. Ausserdem soll VDI, neben diversen Performance- und weiteren Updates, perfekt mit Windows 7 harmonieren und eine für den Benutzer fast unsichtbare Integration von virtuellen Desktops oder virtuellen Applikationen ermöglichen.



Neben neuen Management- und Virtualisierungs-Möglichkeiten bringt das neue Server-Betriebssystem aus dem Hause Microsoft auch neue Funktionen fürs Remote Computing, also das (mobile) Arbeiten, ausserhalb der Firma. Dieses immer wichtiger werdende Thema fordert heutige IT-Manager. Mit dem neuen Tool «Direct­Acess» (DA), das auf Technologien wie IPsec und IPv6 basiert – sie sind bereits in Windows Server 2008 enthalten – bringen die Redmonder nun eine neue Lösung für den Remote-Zugriff. Das neue Feature erlaubt es Clients – Windows 7 ist hier Voraussetzung –, direkt auf Ressourcen im Intranet zuzugreifen, ohne vorher eine komplexe VPN-Verbindung aufbauen oder eine spezielle Software benutzen zu müssen. Die Verbindung ins Intranet erfolgt mit DA nämlich bereits vor dem Login und bleibt für den User praktisch unsichtbar. Diese Art der Verbindung ermöglicht den IT-Verantwortlichen wiederum das Management externer Clients, auch wenn niemand aktiv eingeloggt ist. Im Unterschied zu einer herkömmlichen VPN-Verbindung werden mit DA zudem die beiden Traffics «Internet» und «Intranet» getrennt übertragen, was die Remote-Acess-Verbindung entlastet. Dass die Lösung auch sicher ist, garantieren diverse Authentifika­tions-Features, die angesprochene IPsec-Verschlüsselung, Zugriffs-Kontrollen und ein Network Access Protection (NAP) Tool.



Die zweite grosse Neuerung für mobile Mitarbeiter und Remote-Access heisst «Branch­Cache». Damit will Microsoft das Problem lösen, dass manchmal nur schlecht oder langsam auf Daten zugegriffen werden kann. Mit BrancheCache, das in Windows 7 und Windows Server 2008 R2 integriert wird, werden die Files neu direkt aus dem sogenannten Branch Office geladen, wenn sie vorher dort bereits einmal angefordert wurden. Sie können entweder von anderen Client-PCs, die dem BranchOffice angeschlossen sind, geholt werden (distributed mode) oder von einem speziell dafür angelegten BranchCache Server geladen werden (hosted mode). Dabei werden sowohl die Datei-Requests als auch die Dateiaktualisierungen laufend analysiert, damit der aktuellste Inhalt geliefert werden kann. Die Vorteile von BranchCache sind ein beschleunigter Zugriff via Remote, da der Weg bis ganz ins Unternehmen wegfällt. Gleichzeitig können so auch gleich eine geringere WAN-Aus-­lastung und Kosteneinsparungen ermöglicht werden.



Last but not least bietet Windows Server 2008 R2 auch einige Neuerungen im Web-Bereich. Microsoft spricht selber vom «bisher besten Web- und Applikations-Server». Das Ziel der Entwicklung und der neuen Features ist es, dass Applikationen schneller laufen und weniger Systemressourcen brauchen. Ein Teil davon sind die Internet Information Services (IIS) in der Version 7.5. Sie beinhalten unter anderem neue Management-Module und ein neues Management-Interface sowie Support für PowerShell cmdlets. Ausserdem wurde IIS 7.5 mit einigen neuen APIs für die Entwicklung von neuen IIS-Erweiterungen ausgestattet. Eine solche, bisherige IIS-Extension wurde neu eingegliedert: Der «Request Filter» (bisher bekannt als URLScan). Er hilft dabei, mögliche gefährliche Requests von Web-Applikationen auf den Server zu verhindern. Windows Server 2008 R2 beinhaltet zudem eine neue Version der FTP Server Services. Zu dessen neuen Features gehört einerseits die volle Integration ins IIS 7.5 Administrations-Interface. Das soll Administratoren die Arbeit erleichtern, da sie nur noch eine Admin-Konsole benötigen. Andererseits hat Microsoft seinem FTP-Server neue Internet-Standards gelernt. FTP over SSL, UTF8 und IPv6 sind nun keine Fremdwörter mehr. Zudem gibt es einige weitere Erweiterungen und Updates.



Windows Server 2008 R2 bietet einige neue Features und fokussiert dabei auf die Trends mobiles Arbeiten, virtualisierte Umgebungen und besseres Management für Energie- und Kosteneinsparungen. Sicher ein guter Weg. Da R2 auf dem Vorgänger Windows Server 2008 basiert und nicht komplett neu entwickelt wurde, dürfte das Betriebssystem auch sehr stabil und schnell laufen. Ob und wann Unternehmen aber tatsächlich umsteigen? Wie aktuelle Umfragen zeigen, setzen heute noch viele auf Windows Server 2003, da das OS stabil läuft – das tut auch 2008. Der Release von R2 ist übrigens 2010 geplant.





(mv)

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