Optimale Rahmenbedingungen für Cloud-Angebote

Fallbeispiel

Optimale Rahmenbedingungen für Cloud-Angebote

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/11
Seite 2

Sicherheit geht vor

Es drehe sich bei diesem Kunden alles nur um die Schweiz, erklären die Cloud-Spezialisten. Egger spezifiziert die Ansprüche des Kunden: "In diesem Fall war der Betrieb in der Schweiz absolut zentral, für Kunden wie diesen ist Security das oberste Gebot. Themen wie Datenschutzgesetze und Compliance-Anforderungen sind bedeutend einfacher in der Handhabung, wenn ein Schweizer Unternehmen sich für eine Cloud in der Schweiz entscheidet. Dann sind 95 Prozent der Herausforderungen schon geschafft." Der Standort alleine löst das Problem jedoch nicht vollumfänglich. Etwa, wenn der Anbieter US-ansässig ist, wie der Fall von Microsoft-Servern in Irland zeigt, in dem die US-Justiz die Herausgabe von Daten auf EU-Boden einforderte. Seit der Verabschiedung des Cloud Acts (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) können US-Firmen von der Justiz zur Herausgabe von Daten gezwungen werden, und dies auch, wenn die Daten in der Schweiz liegen. "Mit einem Schweizer Provider sparen sich Unternehmen dieses Risiko, die restlichen 5 Prozent können vertraglich geregelt werden", erklärt Egger und Hürlimann ergänzt: "Es musste ein Schweizer Unternehmen sein, welches sicherstellen konnte, dass die Daten das Land nie verlassen. Sonst hätten wir den Auftrag nicht bekommen, das war enorm wichtig für den Kunden." Wie die beiden Experten erklären, wäre es für Schweizer Unternehmen durchaus möglich, eine Alternative aus dem Ausland zu wählen, die möglicherweise auch billiger wäre. Im Gegenzug muss ein Unternehmen aber die rechtlichen Abklärungen vornehmen. Im Vornherein abzuschätzen, wie viel Aufwand dies jeweils bedeutet, stellt sich als beinahe unmöglich heraus. "Wir hatten andere Kunden, die für entsprechende Abklärungen über Jahre hinweg Heere von Anwälten engagierten", so Egger, "das sind Aufwände, die im Vorfeld nicht kalkulierbar sind". Im konkreten Anwendungsfall beim Zürcher Finanzdienstleister wäre das alleine schon wegen dem Zeitplan nicht möglich gewesen. "Es lag zeitlich schlicht nicht drin, dass man die juristischen Abklärungen vorweg erledigt", erklärt Hürlimann, "das hätte ja nicht nur die eigenen Firmendaten betroffen, sondern auch sämtliche Kundendaten, welche die Schweiz mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht verlassen dürfen. Weil wir als Schweizer Anbieter rechtlich auf der sicheren Seite waren, befanden wir uns somit in der Lage, sofort loslegen zu können." Netcloud konnte bei diesem Auftrag somit Kriterien erfüllen, welche ein Anbieter aus dem Ausland per Definition nicht abdecken könnte – ein gewichtiger Wettbewerbsvorteil für hiesige Anbieter. Mittlerweile erhalte man auch regelmässig Anfragen von Firmen aus dem Ausland, welche die Schweiz, etwa wegen der politischen Stabilität und Zuverlässigkeit, als optimalen Datenparkplatz sehen, ergänzt Egger.

Standortvorteile

Für den Rechenzentrums- und Cloud-Markt Schweiz sprechen aber noch andere schlagkräftige Argumente. Egger führt zu diesem Thema etwa aus, dass die kurzen Wege durch die geografische Grösse der Schweiz kurze Latenzen zur Folge haben. "Dies führt zu besserer Performance von Cloud-Applikationen. Neben den kurzen Wegen haben wir hierzulande auch eine gute Providerlandschaft und können im Prinzip jede Ecke des Landes erschliessen. Wir haben hier optimale Rahmenbedingungen für Cloud-Angebote." Während für Services wie Colocation und Hosting die geografische Nähe aufgrund von Fahrtwegen sehr relevant sei, so spiele es im Fall von Konsumierung fertiger Cloud-Diensten für den Kunden allerdings keine Rolle, wo sich das Datacenter genau befindet.

Eine Herausforderung für Rechenzentrumsbetreiber und Serviceanbieter in der Schweiz wird der Einzug der Hyperscaler Microsoft und Google in der Schweiz, sind sich Egger und Hürlimann einig. Hier sieht Egger aber einen weiteren entscheidenden Vorteil für Schweizer Anbieter gegenüber den Cloud-Giganten: "Der Cloud Act ist eine bittere Pille für die Hyperscaler. Alle Schweizer Kunden, die sich jetzt freuen, dass die Hyperscaler endlich da sind, müssen die Verantwortung für sensitive Kundendaten extrem ernst nehmen. Wahrscheinlich sind diese Angebote aufgrund dieses Risikos für solche Unternehmen ein No-Go. Das ist eine Nische, welche die Schweizer Anbieter sehr gut füllen können." Nach der Einschätzung von Egger werden trotz allem viele Kunden in die Hyperscaler-­Datacenter einziehen, alleine schon aus preislichen Gründen. "Aufgrund des Kostendrucks werden in der Regel sehr viele Kompromisse eingegangen. Security kostet immer Geld und wird oftmals erst dann ernst genommen, nachdem ­etwas passiert ist." Die Schonung der Unternehmensressourcen wird also dazu führen, dass sich die Hyperscaler-Angebote trotz der Sicherheitsprobleme verkaufen, denken die Experten.
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