Niklaus meint: Sicherheit in Zeiten von Snowden & Co.

Niklaus meint: Sicherheit in Zeiten von Snowden & Co.

6. April 2014 - Von Daniel Niklaus
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/04
Dies müsste eigentlich die einfachste Kolumne sein, die ich je geschrieben habe. Die Snowden-Enthüllungen liefern mehr Stoff, als Hollywood in den nächsten 200 Jahren verarbeiten kann. Zum Beispiel könnte ich darüber schreiben, dass Ueli Maurer mit der besten Armee der Welt vielleicht doch nicht so daneben lag. Als im Mai 2012 ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes (NBD) mit einer Harddisk voll gestohlenem Geheimdienstmaterial aus dem Bundeshaus schlich, konnte eine Weiterverbreitung der Daten nämlich verhindert werden. Die Amis haben dies nicht zustande gebracht. Snowden sammelte und kopierte Geheimdienstdokumente en masse und liess sie veröffentlichen.
Ein anderes Thema für diese Kolumne wäre, das Psychoprofil eines Hackers zu beschreiben. Was motiviert ihn, zu hacken? Ist es Geld, Anerkennung oder geht es um Zivilcourage? Von allem ein wenig. Und manchmal ist es auch einfach nur der Spass an der Sache.
Vielleicht sollte ich eine Empörungskolumne tippen. Über die Amerikaner und mit welcher Dreistigkeit sie ans Werk gingen. Aber wer die veröffentlichten Dokumente zur CIA im Kalten Krieg liest, muss ernüchtert feststellen: Business as usual. Bei den Geheimdiensten hat und hatte man nie Hemmungen, wenn es um die Privatsphäre geht. Irgendwie hat denen niemand gesagt, dass der Kalte Krieg beendet ist. In der Welt der Schlapphüte ist dies aber wohl eine naive Träumerei von Zivilisten und man redet in der Ukraine bereits den nächsten Konflikt hoch. Also eine Kolumne darüber, dass ich eh schon immer alles gewusst habe? Nein, ich hätte nicht in meinen kühnsten Träumen geglaubt, dass die Geheimdienste so schamlos frech sind und sich über sämtliche vorhandenen Gesetze hinwegsetzen. Ich war nicht vermutlich zu naiv, ich war ganz sicher zu naiv.
Nicht naiv will man dagegen in Bern sein. Der Ständerat hat soeben sein OK für den «Bundestrojaner» gegeben. Es heisst vermutlich bald NBD inside. Dabei ignorieren unsere Parlamentarier offenbar die Erfahrungen aus Deutschland, wo der Bundestrojaner in Rekordzeit vom Chaos Computer Club entdeckt wurde. Und wie sich herausgestellt hat, kann das durch den Trojaner entstandene Sicherheitsloch von Kriminellen für deren Zwecke missbraucht werden. Was soll man dazu sagen?
 
Seite 1 von 2

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Was für Schuhe trug der gestiefelte Kater?
Antwort
Name
E-Mail
SPONSOREN & PARTNER