Editorial: Einem geschenkten Gaul…

Editorial: Einem geschenkten Gaul…

9. März 2014 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/03
(Quelle: SITM)
Sie sind laut, alle die wechselwilligen Whatsapp-Nutzer, die ach so entsetzt darüber sind, dass Whatsapp jetzt Facebook gehört. Jetzt seien die Daten nicht mehr sicher, heisst es. Sie würden missbraucht, im Minimum für Werbung zweckentfremdet und aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch für die Jagd auf Sheikh Ach al Whazbinich-Sowichtich missbraucht. Doch jetzt mal ehrlich: Als die Daten noch «nur» Whatsapp gehörten, hat auch keiner gewusst, was damit angestellt wird. Es hat bloss niemanden gekratzt.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will die Datensammelwut von Regierungen und vor allem das, was mit diesen Daten angestellt wird, keinesfalls verharmlosen. Dass aber Internetriesen wie Facebook, Google und Co. all ihre Gratisdienste – und dazu zähle ich auch Whatsapp – nicht aus reiner Nächstenliebe anbieten, ist auch kein Geheimnis. Wir dürfen tolle Dienste wie Gmail, Blogger, Instagram, die Google-Suche, Twitter, Yahoo, Linkedin oder eben auch Facebook und Whatsapp zwar ohne Gebühr nutzen, bezahlen tun wir aber sehr wohl – mit unseren Daten, mit unserem Nutzerverhalten, mit unserer Empfänglichkeit für Werbung. Denn wie heisst es so schön: Gratis scheint nur die Sonne. Und darum: Entweder freuen Sie sich ob der personalisierten, auf sie zugeschnittenen Werbung und hoffen darauf, dass bei der NSA niemand Schweizerdeutsch kann oder sich dafür interessiert, mit wem Sie ein Bier trinken gehen. Oder aber Sie kehren nicht nur Whatsapp den Rücken, sondern gleich allen Gratis-Diensten der grossen Datenkraken. Doch dann können Sie zumindest Ihr Smartphone auch gleich in den nächsten See schmeissen.
Bleibt noch die Frage, warum Facebook Whatsapp für fast unverschämte 19 Milliarden Dollar gekauft hat. Unbestritten ist, dass Whatsapp auf ein enormes Wachstum zurückblicken kann. Whatsapp weist gut vier Jahre nach dem Start seines Dienstes 450 Millionen Nutzer aus. Facebook selbst schaffte in den ersten vier Jahren 145 Millionen, andere Dienste wie Gmail 123, Twitter 54 und Skype 52 Millionen User. Hinzu kommt, dass es sich bei den Whatsapp-Nutzern um eine äusserst aktive Nutzerschaft handelt. 70 Prozent benutzen den Dienst täglich. Ausserdem zählt Whatsapp aktuell eine Million neue User-Registrationen pro Tag und das Nachrichtenvolumen soll heute bereits in der Nähe des globalen SMS-Versands liegen. Doch ob das alles 19 Milliarden Dollar Wert ist?
 
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