Innovationen: Ein Gemeinschaftswerk

Innovationen: Ein Gemeinschaftswerk

4. September 2011 - Mit Innovationen können Firmen sich von der Konkurrenz abheben. Auf der Suche nach Ideen sind sie aber auf Mitarbeiter, Kunden und Partner angewiesen.
von Pierre Ukelo
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/09
Die erfolgreichsten Unternehmen bleiben darum an der Spitze, weil sie sich durch Innovation ständig neu erfinden. Unglücklicherweise gehört Innovation aber nicht zu den Rohstoffen, welche man einfach einkaufen, mittels Maschinen verarbeiten und dann in Regalen lagern kann, bis man sie braucht. Innovation ist ein komplexer und unsicherer Prozess, der die Zusammenarbeit von vielen Gehirnen, das Engagement von Führungskräften sowie den Einbezug der Mitarbeitenden bedarf. In den letzten Jahren haben verschiedene Software-Hersteller Anwendungen auf den Markt gebracht, welche diese Innovationsprozesse unterstützen. Die Marktforscher von Gartner prophezeien beispielsweise, dass diese Anwendungen für das Ideen- und Innovationsmanagement innerhalb von zwei bis fünf Jahren den Massenmarkt erreichen werden. Schon bald werden sie laut den Auguren essenzieller Bestandteil der IT-Landschaft jeder auf Innovation ausgerichteten Unternehmung sein.

Diese Anwendungen befähigen Organisa­tionen, ihr kollektives Wissen auf eine effiziente, effektive und organisierte Art und Weise zu nutzen und einfacher zu multiplizieren. Obwohl alle dieser Software-Hersteller angeben, dass ihre Lösung die beste Möglichkeit darstellt, die kreativen Ideen zu sammeln, zu fördern und die besten Ideen auszuwählen, basieren sie letztlich alle auf dem gleichen Prozess: Auf die Wahl des zu lösenden Problems folgt die Ideenfindung, anschliessend werden die Ideen ausgewertet, und es wird eine Auswahl getroffen. Der letzte Schritt schliesslich umfasst das Ideen-Prototyping und die Implementierung.
Auch wenn die Software-Hersteller grösstmögliche Unterstützung für diese vermeintlich einfachen Schritte anbieten können, wird der Prozess mit Sicherheit scheitern, wenn nicht verschiedene externe Faktoren berücksichtigt werden. Die Erfahrung zeigt, dass die zwei entscheidenden Schlüsselelemente das Management der Community sowie das Commitment der Führungskräfte sind.

Es braucht die Gemeinschaft

Das Management der Community ist ein kritischer Faktor, wenn es darum geht, einen Ideenfindungsprozess erfolgreich zu implementieren. Denn ohne eine Gemeinschaft besitzt die Organisation keine Quelle für Ideen und erhält kein Feedback, um diese Ideen zu verfeinern und um die richtigen auszuwählen. Es gibt drei verschiedene Community-Typen, von denen ein Unternehmen profitieren kann. Diese sollten jeweils je nach Fokus der Innovation ausgewählt werden.
Die erste Gemeinschaft sind die Mitarbeiter. Diese haben das beste Verständnis für die Schwächen der firmenspezifischen Geschäftsprozesse. Sie kennen die internen Probleme und kommen jeden Tag mit den kleinen und grossen Leistungsschwächen und ihren Konsequenzen in Berührung. Die Nutzung einer dedizierten Ideenplattform nützt zum einen bei der Sammlung von Ideen, um solche Probleme zu lösen. Sie hat zum anderen aber auch positive Nebeneffekte, führt sie doch zu einer verbesserten Zusammenarbeit, beseitigt Daten­silos und verstärkt das Engagement innerhalb der Organisation durch Vertrauenssteigerung.
Die zweite Gemeinschaft, welche adressiert werden sollte, sind die externen Partner. Internes Know-how bringt wenig, wenn die gesamte Lieferkette ineffizient arbeitet. Indem man eine Ideenplattform mit seinen Lieferanten und Geschäftspartnern teilt, wird man nicht nur Ideen sammeln, welche den Warenfluss verbessern, sondern auch neue Kommunikationskanäle unter allen Beteiligten in der Wertschöpfungskette öffnen.

Die letzte und zugleich grösste Community ist die Öffentlichkeit. Sie repräsentiert Kunden und Endverbraucher. Natürlich können sich Führungskräfte Sorgen machen, wenn sie die Plattform für alle und damit auch für die Mitbewerber öffnen. Wenn sie aber Produkte herstellen wollen, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen und eine Markenbeziehung mit den Konsumenten etablieren, ist diese Öffnung unvermeidbar. Die Unternehmen sollten eine solche Chance nicht ausser Acht lassen aus Angst davor, dass die Mitbewerber die erhaltenen Ideen kopieren. Wie Jeff Jarvis in seinem Buch «What would Google Do?» sehr elegant erklärt, «ist die Zusammenarbeit mit Kunden die höchste und lohnendste Form der Interaktion. Und zwar dann, wenn einem das Publikum sagt, was es sich in einem Produkt wünscht – schon bevor es hergestellt wurde. Und mit etwas Glück nimmt das Publikum Besitz von dem Produkt, welches gemeinsam entwickelt wurde.»
 
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