Kosten senken durch das Prinzip Wertschätzung am Arbeitsplatz

Kosten senken durch das Prinzip Wertschätzung am Arbeitsplatz

4. Juni 2011 - «Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt!» oder «Die Mitarbeitenden sind unser wichtigstes Gut!» sind gängige Aussagen in vielen Unternehmen. Doch wenn die Angestellten in Unternehmen anonym zu Wort kommen, sucht man vergebens nach Hinweisen, die darauf hindeuten, dass diese Aussagen mehr als nur Lippenbekenntnisse sind. Ehrliche Wertschätzung kann dies ändern.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/06
Thomas Schneider
Die Unternehmensberatung Gallup macht seit mehr als zehn Jahren im deutschsprachigen Raum und weltweit jährlich Umfragen zum Thema «Emotionale Bindung am Arbeitsplatz». Die Ergebnisse sind alles andere als ermutigend. In Deutschland zeigt sich seit zehn Jahren fast das gleiche Bild: Von 100 Mitarbeitern fühlen sich 87 schwach oder gar nicht (13) an das Unternehmen gebunden. In Deutschland führt das zu einer sehr hohen Fluktuationsrate mit Folgekosten von ca. 120 Milliarden Euro. Dies entspricht 430 Verkehrsflugzeugen des Typs A380 oder dem 11 fachen des Bildungsetats Deutschlands! Als es noch eine eigenständige Studie für die Schweiz gab, sah diese jeweils nur geringfügig besser aus als in Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass dies heutzutage immer noch so ist. Besser, aber immer noch alles andere als gut!
Deshalb sollte dieser Tatsache etwas entgegengesetzt werden, damit die Wirtschaft diese Verluste nicht mehr länger hinnehmen muss! Doch was muss getan werden? Warum fühlen sich so viele Menschen nicht mit dem Unternehmen verbunden? Gewisse Unternehmen lassen sich doch alles Mögliche einfallen, nur um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gefallen – neudeutsch heisst das jeweils Incentive-Programm.

Neurobiologie

Gemäss dem Neurobiologen Professor Joachim Bauer zeigen Studien, dass Menschen auf Kooperation angelegte Wesen sind. Glückshormone werden bei Anerkennung und gelingenden Beziehungen ausgeschüttet. Dies, weil Gene in unserem Gehirn auf Sinneseindrücke und Wahrnehmungen entsprechend reagieren. Bei negativen Erlebnissen werden hingegen Stresshormone ausgeschüttet, und es wird mit Aggression, Flucht oder Angst reagiert. Positive zwischenmenschliche Erlebnisse reduzieren krankmachende Symptome wie Stress und fördern dadurch das Wohlbefinden und die Gesundheit. Somit liefert uns die Neurobiologie eine naturwissenschaftliche Erklärung, warum der Mensch Wertschätzung für die emotionale Bindung braucht.
Reicht aber als Zuwendung einmal im Jahr ein Bonus oder ein neuer Geschäftswagen? Sicher nicht. Wie man bei Gallup nachlesen kann, sind es vor allem die Führungskräfte, die für diese fehlende Bindung der Menschen im Unternehmen verantwortlich sind. Es ist ihre gelebte Anerkennung und Zuwendung im Arbeitsalltag, welche uns emotional bindet. Welche Eigenschaften muss ein Vorgesetzter mitbringen, damit emotionale Bindung zu ihm bzw. zum Unternehmen aufgebaut werden kann?
Hier helfen die Studien von Professor Martin Seligman weiter. Er hat die positive Psychologie begründet. Seine Untersuchungen zeigten, dass erfolgreiche und positiv wahrgenommene Menschen ausgeprägte Charakterstärken besitzen. Man ist gerne mit Menschen zusammen, die über solche Eigenschaften verfügen. Somit ist die Entwicklung von Charakterstärken sehr wichtig, wenn man erreichen möchte, dass Menschen sich emotional binden. Führungskräfte müssen also an ihren Charakterstärken arbeiten, um ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ein vorbildlich denkender und handelnder Partner zu sein.
 
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