iPhone 14 Pro im Test: Reif für die Insel

iPhone 14 Pro im Test: Reif für die Insel


Die Kamera

Das dritte grosse Highlight des iPhone 14 Pro ist laut Apple das neu gestaltete Kamerasystem mit seiner 48-Megapixel-­Hauptkamera, bei der vier Pixel in einem virtuellen Pixel zusammengefasst werden – genannt Pixel Binning. Zuallererst fällt aber auf, dass das Kameramodul, bereits beim iPhone 13 Pro nicht dezent, nochmals wuchtiger geworden ist, deutlich mehr aus dem Gehäuse hervorsteht und ausserdem mehr Fläche belegt. Das ist auch der Grund, weshalb iPhone-13-Pro-Hüllen nicht aufs iPhone 14 passen. Und das ebenfalls vorstehende Kameramodul des iPhone 12 Pro wirkt im Vergleich mit dem aktuellsten Modell geradezu filigran.

Der neue 48-MP-Sensor soll mehr Licht erfassen, was insbesondere bei Nachtaufnahmen bessere Bilder entstehen lassen soll. Ausserdem ist es möglich, im RAW-Format die vollen 48 Pixel zu nutzen, während die Bilder ansonsten durch das Pixel Binning auch «nur» 12 Mega­pixel aufweisen. Um zu prüfen, um wie viel besser Fotos mit dem iPhone 14 Pro werden, haben wir uns auf Fotopirsch zusammen mit einem iPhone 13 Pro und einem iPhone 12 Pro gemacht. Je nach Motiv war es dabei echt schwierig, Unterschiede zwischen den gemachten Fotos zu finden. Bei technischen Geräten, Kuchen oder Kaffee, die wir in bei Tages- und künstlichem Licht in einem Kaffeehaus aufgenommen haben, finden wir kaum Unterschiede – abgesehen bei Makro-­Aufnahmen, die das iPhone 12 Pro noch nicht beherrschte. Bei schwierigen Landschaftsaufnahmen (Gegenlicht, Morgennebel) zeigt das iPhone 14 Pro erstmals seine Stärken. Im Vergleich mit den Fotos des iPhone 13 Pro haben die iPhone-14-Pro-Bilder sichtbar mehr Dynamik und Kontrast. Sie wirken ausserdem etwas wärmer. Bei Nachtaufnahmen findet man vor allem Unterschiede, wenn man die Fotos des iPhone 13 Pro und 14 Pro mit denen des iPhone 12 Pro vergleicht, die – wenn auch auf hohem ­Niveau – etwas abfallen. Im Vergleich zum iPhone 13 Pro bringt das iPhone 14 Pro noch einen Ticken mehr Licht auf die Bilder, und erneut wirken die Bild wärmer – die ganz grossen Unterschiede bezüglich Schärfe, Kontrast oder auch Bildrauschen sucht man vergebens. Wo das iPhone 14 Pro sichtbar bessere Nachtaufnahmen schafft ist einerseits bei Aufnahmen mit dem Weitwinkelobjektiv sowie vor allem bei Selfies mit der Frontkamera – die neu übrigens einen Autofokus besitzt. Doch allein die Kamera rechtfertigt kein Upgrade vom iPhone 13 Pro aufs 14 Pro.

Erwähnenswert bezüglich Kamera ist noch der neue Action-Modus bei Videoaufnahmen – eine Art extremer Bildstabilisator, der selbst beim Joggen Videos ohne Wackeln hinkriegt und recht beeindruckend ist, sich allerdings negativ auf die Bildqualität auswirkt.


Hausaufgaben für 2023

Nebst Dynamic Island, dem Always-on-­Display und der neuen Kamera verspricht Apple eine ganze Reihe von weiteren Neuerungen und Verbesserungen für das iPhone 14 Pro. So soll beispielsweise das Display bis zu doppelt so hell sein wie beim iPhone 13 Pro, was sich insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung auswirken soll. Doch ganz ehrlich? Im Vergleich mit dem iPhone 12 Pro war ein gewisser Helligkeitsvorteil sichtbar, doch im Vergleich mit dem iPhone 13 Pro wirkt das Display des iPhone 14 Pro von blossem Auge identisch, auch bei direktem Sonnenlicht und beim Anschauen von besonders hellen Bildern oder beim Abspielen von HDR-Content.

Ein neuer Aufprallsensor soll in der Lage sein, bei einem Autounfall automatisch Alarm zu schlagen, ein Feature, das wir aus verständlichen Gründen nicht getestet haben. Zudem ist das iPhone 14 Pro vorbereitet, in Gegenden ohne Handy­empfang einen Notruf via Satellit zu tätigen – diese Funktion wird hierzulande aber erst später eingeführt, der Zeitpunkt steht noch aus.

Vermisst haben wir beim iPhone 14 Pro in erster Linie zwei Dinge. Erstens: den Abschied vom proprietären und damit nicht länger zeitgemässen Lightning-­Anschluss. Die ganze Welt nutzt USB-C, nur Apple hält an der eigenen Schnittstelle fest – zumindest noch in diesem Jahr. Und zweitens: Das iPhone 14 Pro kann wie sein Vorgänger mit maximal 20 Watt via Kabel beziehungsweise 15 Watt kabellos geladen werden. Das ist ebenfalls nicht mehr zeitgemäss, bieten selbst Mid-range-Android-Geräte heute doch zum Teil die x-fache Ladeleistung, was zur Folge hat, dass gewisse Android-­Handys in weniger als einer halben Stunde vollgeladen sind, während das iPhone in 30 Minuten gerade einmal 50 Prozent des Akkus füllt. Hier muss ­Apple aufs kommende Jahr hin ebenfalls nachbessern.

Von diesen beiden Wermutstropfen abgesehen liefert Apple mit dem iPhone 14 Pro erneut ein State of the Art Smartphone, das bezüglich Fotografie ähnlich wie sein Vorgänger absolut top ist und neue Ansätze rund um die Themen Kamera-­Aussparung und Always-on-­Display liefert. Lohnt sich für Besitzer ­eines iPhone 13 Pro das Upgrade? Natürlich nicht – dazu sind die Unterschiede zu gering, und der Preis ist zu hoch. Selbst Besitzer eines iPhone 12 Pro müssen sich Argumente zusammenklauben, um die mindestens 1179 Franken für das neue Pro-Modell rechtfertigen zu können. Alle, die ein älteres iPhone besitzen, dürfen aber bedenkenlos zuschlagen – sie kriegen ein Smartphone, mit dem sie mindestens für die nächsten drei Jahre wieder in der obersten Liga mitspielen. (mw)
Quicktest
Die Zeiten, in denen man sein Smartphone jährlich ersetzt, dürfte für das Gros der Konsumenten vorbei sein. Mit dem iPhone 14 Pro liefert Apple denn auch wenig Argumente für Besitzer des Vor- oder Vorvorgängermodells zu wechseln. Dazu sind die Neuerungen zu marginal. Wer aber vom iPhone 11 oder älter kommt, wird am iPhone 14 Pro seine Freude haben – und im Vergleich zum nur 250 Franken günstigeren iPhone 14 (ohne Pro-Zusatz) bekommt man immerhin einige Neuerungen geboten – denn beim iPhone 14 gibt es weder das Always-on-­Display noch Dynamic Island, ja noch nicht mal den neuen A16-Chip.

Info/Hersteller: Apple, www.apple.com/ch

Wertung: 5,5 von 6 möglichen Sternen

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