Test Center – Vergleichstest VPN

VPNs aus der Schweiz im Vergleich

VPNs aus der Schweiz im Vergleich

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/07

Kriterien für die Bewertung

In die Beurteilung der Qualität eines VPN-Dienstes fliessen verschiedene Faktoren ein. Einer ist die weltweite Abdeckung: Wie viele Server betreibt der Anbieter in welchen Ländern? Je grösser die Server-Anzahl und je umfangreicher die Länderpalette, desto besser ist der Dienst weltweit nutzbar, was sowohl für Verbindungen aus den entsprechenden Ländern als auch für die Erreichbarkeit von Internet-Diensten in den Ländern gilt. Ein weiteres Kriterium ist die Verschlüsselung sowie die Stärke der für den Schlüsselaustausch genutzten Kryptografie. Bei der Verschlüsselung ist AES-256 heute Standard, alles darunter weist auf suboptimale Sicherheit hin. Bereits erwähnt haben wir die VPN-Protokolle: Während etwa das ältere Tunneling-Protokoll PPTP sich vor allem zur Umgehung von Geoblocking-Sperren eignet, mit der typischen 128-Bit-Verschlüsselung aber heute als unsicher gilt, liefern L2TP/IPsec, OpenVPN und das neuere Wire­guard, das allerdings nur UDP und nicht TCP unterstützt, das nötige Plus an Sicherheit.

Die meisten VPN-Anbieter offerieren zudem einen sogenannten Kill Switch: Bricht die VPN-Verbindung ab, wird ­automatisch der gesamte Internet-Verkehr unterbunden. Damit soll verhindert werden, dass die ungeschützte eigene IP-Adresse publik wird. Der Kill Switch wird jeweils auch kurz aktiviert, wenn man von einem VPN-Server zu einem anderen wechselt.

Aus Nutzersicht ist ferner die erreichbare Geschwindigkeit wichtig, beziehungsweise die Speed-Einbusse, die bei aktiviertem VPN in Kauf zu nehmen ist. Konkrete Messungen sind hier schwierig, die Geschwindigkeit hängt sehr stark vom gewählten VPN-Server und von der Art der zu übermittelnden Daten und Dienste ab. Wir verzichten deshalb auf theoretische Angaben, die mit einem Internet-Speed-Checker zu erlangen wären, und bewerten das Kriterium nur allgemein aufgrund von praktischen Erfahrungen aus dem Test.

Proton VPN: Umfassend schweizerisch

Über den Quick-Connect-Button von Proton VPN wird man mit dem schnellsten Server verbunden. (Quelle: Proton VPN)
Die Firma Proton mit Standort Genf wurde von Ingenieuren des CERN und des MIT gegründet und ist auch für ihren E-Mail-Dienst Proton Mail bekannt. Alle Apps sind Open Source und werden unabhängig auditiert. Beim VPN-Dienst verzichtet Proton auf die älteren Protokolle PPTP und L2TP/IPsec und setzt stattdessen ausschliesslich auf OpenVPN, IKEv2 und Wireguard. Für den Schlüsselaustausch nutzt Proton VPN 4096-Bit RSA. Hardware-seitig sind die VPN-Server durch Disk-Verschlüsselung abgesichert (es handelt sich um dedizierte Server und nicht um virtuelle Instanzen), auch wenn auf den Servern gar keine User-Daten gelagert werden: Proton VPN folgt strikt dem No-Log-Prinzip, bei dem keinerlei Log-Daten vorgehalten werden. Nicht einmal der Anbieter selbst ist so in der Lage, aus Log-Informationen Rückschlüsse auf einen User zu tätigen. Dazu kommt, dass auch DNS-Anfragen über den VPN-Tunnel laufen, womit DNS-­Leaks und eine daraus mögliche Verfolgung der Surf-Aktivität unterbunden werden.

Proton bietet eine kostenlose Version seines VPN-Dienstes an, die jedoch stark eingeschränkt ist. Die Gratis-Variante unterstützt knapp zwei Dutzend Server in den drei Ländern USA, Niederlande und Japan und erlaubt nur eine VPN-Verbindung aufs Mal. Ferner gibt Proton an, damit nur «mittlere» Geschwindigkeit zu ermöglichen. Wer die volle Leistung wünscht, muss ein Plus-Abo abschliessen, das bei Zahlung für zwei Jahre pro Monat mit rund 5 Franken zu Buche schlägt. Beim Ein-Jahres-Vertrag kostet der Monat rund 6 Franken und einen einzelnen Monat gibt es für rund 10 Franken. Mit Proton VPN Plus stehen alle Server offen, was unter anderem den ungehinderten Zugriff auf zahlreiche Streaming-Dienste weltweit ermöglicht, darunter viele verschiedene Netflix-Regionen. Die Geschwindigkeit wird durch ein Feature namens VPN Accelerator optimiert, was besonders bei langen Distanzen Wirkung zeigt. Weitere Features des Plus-Plans sind bis zu zehn gleichzeitige Verbindungen, Support für P2P- und Bittorrent-Dateiaustausch, ein optimal zuschaltbarer Adblocker, Tor over VPN und der Zugriff über das Secure-Core-Netzwerk: Der Traffic läuft über hintereinandergeschaltete Server (Multi-Hopping), wobei der erste Server immer ein besonders gesicherter Secure-Core-Server im Proton-Netzwerk ist. Diese Server stehen in bestens geschützten Rechenzentren in der Schweiz, in Schweden und Island. Secure Core lässt sich in der Proton-VPN-App ein- und ausschalten.

Punkto Installation könnte der Dienst kaum einfacher sein: App herunterladen und installieren, Account erstellen und loslegen. Die App von Proton zeigt als einzige der getesteten Optionen eine symbolische Karte mit den weltweiten Server-Standorten und zeichnet sich generell durch eine übersichtliche, optisch ansprechende Darstellung aus. Mit einem Klick auf den Button «Quick Connect» wird man automatisch mit dem derzeit schnellsten verfügbaren Server verbunden. Apps sind für Windows, MacOS, Linux und Mobilgeräte unter iOS und Android erhältlich. Bei der Zahlung für das Plus-Abo offeriert Proton als einziger Anbieter die Möglichkeit, anonym mit Bitcoin oder sogar mit Bargeld zu zahlen.

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