Test Center – Primebook Circular

Nachhaltig, weil modular

Primebook Circular (Quelle: Prime Computer)

Nachhaltig, weil modular

(Quelle: Prime Computer)
4. Juni 2022 - Laut Hersteller Prime Computer hat man mit dem Primebook Circular das Thema Mobile Computing neu gedacht. Austauschbare Komponenten sollen das Notebook besonders nachhaltig machen. Wir haben das Gerät und das Konzept getestet.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/06
Dass mit dem Primebook Circular nicht einfach ein x-beliebiges Notebook eines gros­sen US- oder asiatischen Herstellers die Testredaktion erreicht hat, fällt bereits beim Auspacken des Rechners auf. So weist ein Siegel auf dem Karton darauf hin, dass es sich hier um ein klimaneutrales Produkt handelt, und nach dem Öffnen der Lasche wird man von einem Kärtchen begrüsst, dass einem zum neuen Notebook gratuliert, mehr Infos zum Thema Nachhaltigkeit bietet und ausserdem die Konfiguration zusammenfasst und – handgeschrieben – zeigt, wer den Rechner assembliert hat. In unserem Fall war es Florian.

Doch das Primebook Circular – das erste Notebook des für seine lüfterlosen Desktops und Server bekannte Schweizer Herstellers Prime Computer – unterscheidet sich nicht nur durch seine handgeschriebene Begrüssungskarte von anderen Geräten, sondern vor allem auch konzeptionell. Laut Prime Computer soll es sich beim Primebook Circular nämlich um den ersten Mobilrechner handeln, der auf dem Prinzip der Circular Modularity basiert. Circular Modularity bedeutet, dass im Rechner leicht austauschbare, rückwärtskompatible, kreditkartengrosse Module verbaut sind, die CPU, GPU, WiFi, RAM und weitere Komponenten enthalten. Ist ein Upgrade gewünscht, kann das betreffende Modul einfach durch ein leistungsfähigeres ersetzt und das alte zurückgeben werden – das dann wiederum in ein anderes, als remanufactured deklariertes Gerät mit neuer Garantie eingebaut wird. So verlängert sich die Gesamtlebensdauer, und es muss nicht bei jedem neuen Leistungsanspruch ein komplett neues Notebook produziert und gekauft werden. Selbstredend ist dieses Konzept auch deutlich nachhaltiger als der regelmässige Ersatz des kompletten Rechners und passt zum Hersteller – schliesslich hat sich Prime Computer die Nachhaltigkeits-Thematik ganz gross auf die Fahne geschrieben.

Anfügen muss man, dass Prime Computer das Konzept nicht in Eigenregie erfunden hat. Auch wenn der Hersteller dies nirgends kommuniziert, deutet alles darauf hin, dass das Primebook Circular auf Intels NUC P14E Laptop basiert – einer Whitebook-Lösung von Intel, die im Herbst 2021 vorgestellt wurde und die mit sogenannten NUC-Compute-Elementen bestückt ist – den modularen Erweiterungen, die Prime Computer für das Primebook Circular anpreist. Möglich also, dass man künftig weitere vergleichbare Rechner anderer (kleinerer) Hersteller sehen wird.
Primebook Circular (Quelle: Prime Computer)
Bezüglich Anschlüsse gefallen HDMI- und Ethernet-Port, allerdings wünschte man sich einen weiteren USB-C-­Anschluss, denn der eine, den es hat, wird zum Laden des Akkus benötigt. (Quelle: Prime Computer)
Das Primebook Circular kommt mit einem Track-Point-Nippel innerhalb der Tastatur und drei Track-Point-Tasten über dem Touchpad sowie einem Fingerabdruck-Scanner rechts unter der Tastatur. (Quelle: Prime Computer)
Die Dicke von 16 Millimetern geht absolut in Ordnung, allerdings ist das Notebook mit 1,6 Kilo bei einer Diagonale von 13,9 Zoll etwas schwer. Dafür ist das Gerät hochwertig verarbeitet. (Quelle: Prime Computer)
Findet man bei Dell, HP, Lenovo und Co. nicht: Ein Begrüssungskärtchen mit dem Namen des Mitarbeitenden, der das Notebook assembliert und getestet hat. (Quelle: Prime Computer)


Nicht so modular wie antizipiert

Das NUC-Compute-Element, das man als Ganzes austauschen kann und auf dem sich nebst CPU und Grafikeinheit auch die I/O-Komponenten, der Arbeitsspeicher und das WLAN-Modul befinden. Für den Tausch muss man allerdings neun Torx-Schrauben lösen und Vorsicht walten lassen. (Quelle: Prime Computer)
Nimmt man das Primebook Circular dann aus dem Karton, unterscheidet es sich in keinster Weise von Geräten anderer Hersteller. Der Rechner kommt im edlen eloxierten Aluminiumgehäuse – ganz business-like in Anthrazit. Den Deckel ziert das Logo von Prime Computer, auf der linken Seite findet man einen Thunderbolt-4-Port (USB-C), über den das Gerät mit Strom versorgt wird, einen USB-3.2-Gen-2-Typ-A-Anschluss, einen ausgewachsenen HDMI-2.0-Anschluss sowie einen Mini-Displayport. Rechts gibt es einen weiteren USB-3.2-Gen-2-Typ-A- sowie einen Audio-Anschluss und ein Kensington-Lock und zudem einen Ethernet-Port, der die Business-Ausrichtung des Rechners unterstreicht. Zu begrüssen wäre derweil ein weiterer USB-C-Anschluss, denn hängt der Rechner am Strom, ist der einzige solche Port besetzt. Kabellos kommuniziert das Notebook übrigens via WiFi 6 und Bluetooth 5.2.

Was man hingegen vergebens sucht, ist der modulare Ansatz, den Prime Computer verspricht. Wir gingen vor dem Test davon aus, dass es seitlich, vorne, hinten oder unten am Notebook verschiedene Einschübe gibt, über die man einzelne Komponenten ganz einfach austauschen kann. Doch so einfach ist das nicht, wie uns Prime Computer auf Nachfrage erklärt (siehe Kasten «Modultausch»). Etwas schade ist dabei nicht nur, dass der Modultausch deutlich komplizierter ist als von uns antizipiert, sondern auch, dass wir diesbezüglich nachfragen mussten – es findet sich in der Verpackung kein Hinweis zum Thema Circular Modularity respektive eine Anleitung zu ebendiesem Modultausch, obwohl dieser Punkt ein wesentliches Verkaufsargument ist.

Geöffnet fallen der Track-Point-Nippel zwischen den Tasten G, H und B auf sowie die drei Track-Point-Buttons zwischen Leerschlag-Taste und Touchpad – das mit 102 x 56 Millimetern übrigens relativ klein ausfällt. An der Vorderseite unter dem Touchpad hat Prime Computer einen LED-Lichtstreifen verbaut, der über Intels NUC Software Studio (kann via Microsoft Store heruntergeladen werden) aktiviert werden kann und dann als Status-Leiste funktioniert – allerdings nur im Zusammenspiel mit Alexa, was ihn für das Gros der hiesigen Nutzer unbrauchbar machen dürfte. Rechts unter der Tastatur gibt es ausserdem einen Fingerabdruck-Scanner, und am oberen Displayrand eine Kamera, die mittels physischem Sichtschutz abgedeckt werden kann. Ebenfalls oben am Display finden sich auch IR-Sensoren für Windows Hello. Zu den Displayrändern ist zu erwähnen, dass diese rund ums Gerät recht schmal sind – seitlich messen wir knapp 5 Millimeter, oben zirka 9 Millimeter. Bevor wir zum Display selbst kommen, noch ein Satz zur Tastatur, die in zwei Stufen hintergrundbeleuchtet werden kann. Bezüglich Tippgefühl hingegen vermag sie nicht vollends zu überzeugen, die Tasten haben für unseren Geschmack etwas zu wenig Widerstand, zudem ist das Tippen eher laut – das haben wir schon besser erlebt.
Modultausch
Entgegen unserer Erwartung im Vorfeld des Tests – geschürt durch Presse- und Marketingmaterial des Herstellers – finden sich am Primebook Circular sichtbar keine Einschübe, über die verschiedene Module ganz einfach ausgewechselt werden können. Vielmehr gibt es das im Text erwähnte NUC-Compute-Element, das man als Ganzes austauschen kann und auf dem sich nebst CPU und Grafikeinheit auch die I/O-Komponenten, der Arbeitsspeicher und das WLAN-Modul befinden. Um dieses Modul beim Primebook Circular zu wechseln, muss man folgendermassen vorgehen:

- Die neun Torx-Schrauben auf der Unterseite des Notebooks lösen. Es sind alle Schrauben sichtbar
- Die Bodenabdeckung vorsichtig entfernen, sie ist noch mit Clips befestigt. Am besten verwendet man ein flaches Plastikutensil, z.B. ein Plektron oder ein iFixit Kit.
- Das Element befindet sich zwischen den zwei Lüftern
- Die vier Kreuzschrauben lösen, mit denen das Element befestigt ist
- Die die zwei SMA-Kabel vorsichtig vom Element lösen, am besten auch wieder mit dem flachen Plastikutensil
- Das Element herausziehen
- Um das Element wieder einzusetzen einfach alle Schritte in der umgekehrten Reihenfolge wiederholen

Bei geöffneter Bodenplatte lassen sich auch der Akku und die M.2 SSD leicht ausbauen, wobei der Akku nur mit Schrauben befestigt und nicht verklebt ist, wie Prime Computer verspricht.
 
Seite 1 von 3

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Wieviele Zwerge traf Schneewittchen im Wald?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER