CIO-Interview: «Wenn ein Digitalisierungs­projekt Erfolg verspricht, wird es gemacht»

CIO-Interview: «Wenn ein Digitalisierungs­projekt Erfolg verspricht, wird es gemacht»

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/06
In welchen Bereichen wird die Digitalisierung denn insbesondere vorangetrieben?
Das passiert sehr vielfältig. Ein Schwerpunkt liegt aber sicherlich auf der Digitalisierung des Vertriebs. Wir haben heute unser etabliertes Geschäftsmodell mit unseren zahlreichen Retail-Standorten, wo Kunden, die den persönlichen Kontakt suchen, optimal bedient werden. Gleichzeitig gibt es aber Kunden, die ihre Mobilitätsbedürfnisse nicht mehr beim Händler erledigen wollen, sondern vom Sofa aus. Ein Kunde soll auch in der Lage sein, in seinem Wohnzimmer innert zehn Minuten ein Auto kaufen zu können – was letztlich noch ein relativ einfaches Geschäft ist, ein Kaufvertrag. Daneben gibt es aber kompliziertere Geschäfte wie das Leasing, das im rechtlichen Sinne ein Kreditvertrag ist und was höhere Anforderungen an Technologie und Prozesse stellt. Doch auch diese Customer Journey wollen wir so einfach und digital wie möglich abbilden, und wir rechnen noch für dieses Jahr mit einem grossen Meilenstein, den wir hier erreichen werden und der für Aufsehen sorgen wird. Ebenfalls ein ­Augenmerk liegt zudem auf der nahtlosen Verbindung des traditionellen und des digitalen Vertriebs. Der Kunde soll digital einsteigen und jederzeit auf den physischen Vertrieb umsteigen können, wenn er das will – also das, was man auf Neudeutsch Omnichannel nennt. Nebst all diesen neuen Themen erscheint es mir aber auch wichtig, das traditionelle Geschäft und die Operational Excellence nicht aus dem Fokus zu verlieren. Auch hier muss es uns gelingen, Prozesse besser zu unterstützen, zuverlässiger und stabiler zu machen und an die steigenden Anforderungen anzupassen.

Sie sind der dritte IT-Verantwortliche von Amag, den wir in den letzten zehn Jahren interviewen durften. Beim ersten Interview 2012 schien die IT bei der Amag in erster Linie ein Kostenfaktor gewesen zu sein. 2016 hatte man es dann geschafft, dem Management klarzumachen, dass dank Investitionen in die IT Innovationen vorangetrieben werden können. Heute erscheint Innovation im Zusammenhang mit der Amag-IT absolut zentral zu sein, oder täuscht dieser Eindruck?
Die eigene Innovationsfähigkeit zu beurteilen, ist nicht ganz einfach, aber ich denke, dass wir schon sehr innovativ unterwegs sind. Das hängt auch mit den Herausforderungen zusammen, die wir als Unternehmen zu bewältigen haben. Nebst der klassischen, digitalen Transformation, die in praktisch jedem Unternehmen eine Rolle spielt, kommen in der Auto­branche weitere Herausforderungen hinzu. Zum ersten durch den aktuell stattfindenden Wechsel in Richtung E-Mobilität, in Richtung Abo-Modelle und in Richtung Shared Economy. Wir sprechen hierbei von gänzlich neuen Geschäftsmodellen, die es gilt, technologisch bestmöglich abzubilden. Und zum zweiten durch neue Player am Markt – Wettbewerber, die nicht aus der klassischen ­Autobranche kommen und neuartige, innovative Lösungen bereitstellen. Dem müssen wir Rechnung tragen, das zeigt allein schon die Tatsache, dass sich das IT-Projektvolumen seit 2018 verdreifacht hat. Wir investieren also drei Mal so viele Mittel in Projekte und Innovationen, während wir versuchen, die Kosten im Betrieb relativ stabil zu halten.

Kosten sind ein gutes Stichwort. 2012 lag das IT-Budget der Amag noch unter 1 Prozent am Gesamtumsatz, 2016 waren es dann 1,4 Prozent. Und heute?
Detaillierte Zahlen möchte ich nicht nennen. Was ich aber sagen kann ist, dass der Personalbestand in der IT sicherlich gewachsen ist – in den vergangenen drei Jahren um rund 20 Prozent. Dass die IT stärker wächst als andere Bereiche, ist in meinen Augen aber eine völlig naheliegende Entwicklung, die in vielen anderen Branchen genauso sein dürfte.

Wie viele Mitarbeitende beschäftigt Amag heute denn in der IT, und wie ist die IT-Abteilung organisiert?
Aktuell beschäftigt Amag rund 150 FTEs im Bereich IT, wobei wir auch unbesetzte Stellen haben, die wir sehr gerne mit qualifizierten Leuten besetzen würden. Eine Einheit kümmert sich dabei um die Themen Sales und Marketing aus IT-Perspektive. Dabei geht es um Themen wie Web Apps, Data Driven Marketing, die Customer Journey und in dem Zusammenhang um unser Angebot an unsere Händler. Dann haben wir ein Team, das sich um das klassische ERP-Geschäft kümmert, wo wir stark auf SAP setzen. Eine Einheit, die wir neu gebildet haben, kümmert sich dediziert um die sich dynamisch entwickelnden Bereiche Leasing und Financial Services. Hierbei setzen wir zunehmend auf eine Microservice-basierte Architektur, indem wir modulare Building Blocks bauen, die dann überall wo nötig eingebunden werden können. Möchte beispielsweise unsere eigene Handelsorganisation Leasing-Komponenten online darstellen, soll sie die entsprechenden Module ganz einfach einbinden können, oder auch wenn sie einen Restwert errechnen oder eine Kreditprüfung machen möchte. Dasselbe gilt auch für neue Geschäftsfelder und Plattformen, die auf diese Building Blocks zugreifen können.

Gibt es weitere Abteilungen?
Eine weitere Einheit kümmert sich um Themen wie Compliance und IT-Prozesse. Dazu gehört beispielsweise auch der Datenschutz, auf den wir hohen Wert legen, aber auch die Verarbeitung und Klassifizierung von Daten. Eine relativ neu gegründete Einheit kümmert sich um das Thema Data und Advanced Analytics – beschäftigt sich also mit dem Thema Künstliche Intelligenz und hat schon einige spannende Dinge entwickelt. Die Abteilung Operational Excellence Customer Processes stellt für die Anwender unserer IT-Lösungen einen möglichst guten Prozess, inklusive Service Desk, im Falle einer Fehlersituation sicher. Und zu guter Letzt kümmert sich ein Team klassisch um die IT-Infrastruktur – sprich um die Netze, Server, Clients und den Bereich Security Operations.

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