Fallbeispiel: Swissgrid testet Wartung mittels AR

Fallbeispiel: Swissgrid testet Wartung mittels AR

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/01

Die Lösung

«Wir hatten also digitalisierte Check­listen und wussten, dass es in der Schweiz Start-ups gibt, die Augmented-Reality-Lösungen entwickeln. Zudem lief bei uns parallel ein Building-Information-Modeling (BIM)-Projekt, in dessen Rahmen wir 3D-Modelle der Unterwerke generieren», so Auger. Das BIM-Projekt stehe zwar noch am Anfang, doch von ein paar wenigen Unterwerken gebe es bereits brauchbare dreidimensionale Modelle. «Wir haben also diese drei Zutaten kombiniert und uns überlegt, wie wir Augmented Reality nutzen können, um die Inspektionen effizienter zu gestalten und die Datenqualität zu verbessern.»

Entstanden ist daraus ein Prototyp auf Basis von Microsofts AR-Headset Hololens. «Die Lösung ermöglicht es dem Dienstleister, der die Inspektion durchführt, durch die Hololens ein übergelagertes 3D-Modell des zu inspizierenden Gerätes zu sehen. Er wird dann durch die Software von einem Checkpunkt zum nächsten geführt und ihm wird jeweils angezeigt, was er genau anschauen muss, wobei wir auch Fotos von Geräten oder Bauteilen sowie weitere Informationen anzeigen können, die ihn bei der Beurteilung unterstützen.»

Die Lösung hat die Abteilung Research & Digitalisation von Swissgrid jedoch nicht im Alleingang entwickelt, sondern hat dafür einen externen Dienstleister an Bord geholt, wie Auger ausführt: «Unser Partner für dieses Projekt war das Start-up Rimon Technologies, ein Spin-off der ETH Zürich. Die Firma ist noch relativ jung und besteht aus sechs Mitarbeitenden.» Der Prototyp funktioniert laut Auger schon sehr gut, das System ist aber noch nicht im operativen Einsatz, sondern wird nach wie vor getestet. «Mit der aktuellen Version der Lösung können mithilfe einer Hololens 300 Checkpunkte innerhalb eines Gebäudes und im Freien inspiziert werden. Die Herausforderung für uns besteht derzeit in der Verknüpfung der von der Hololens generierten Daten mit unserem SAP-System. Dabei geht es um die Einträge, die während der Inspektion in der virtuellen Checkliste gemacht werden, die in unserer Instandhaltungsdatenbank erfasst werden müssen.» Dies wäre gemäss Auger ein grösseres Projekt, für das weitere Ressourcen aufgewendet werden müssen.

Der Entwicklungsprozess

Die Entwicklung des Prototyps begann im Frühjahr 2021 als Nebenprojekt. Dass heute bereits eine funktionierende Lösung besteht, hat laut Auger auch damit zu tun, dass der Prototyp auf einem bestehenden Framework aufbaut, das Rimon intern entwickelt hat. «Für uns hat Rimon aber unter anderem das User Interface konzipiert, eines der zentralen Elemente einer solchen Lösung. So müssen die Textfelder die richtige Grösse haben und auch die Knöpfe müssen alle gut sichtbar sein, das ist alles andere als trivial. Es macht deshalb Sinn, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der auf diesem Gebiet gutes Know-how und Erfahrung hat.» Wichtig sei für Swissgrid auch, dass der Endnutzer bei der eingesetzten Lösung die Inhalte der Check­listen selbst editieren kann. «Vielleicht einmal im Jahr werden gewisse Assets ausgewechselt, und dass wir diese dann zusammen mit den neuen Checkpunkten selbständig und ohne IT-Expertise von aussen in der Lösung anpassen können, ist für uns sehr attraktiv», fügt Auger an.

Auch hat sich im Laufe des Projektes gezeigt, dass die AR-Technologie grosses Potenzial aufweist, wenn es darum geht, Geschäftsprozesse zu digitalisieren. «Wir haben die Lösung mit unseren eigenen Mitarbeitenden und mit denen unserer Dienstleister getestet, und die meisten waren begeistert. Spannend war auch, dass sie immer wieder mit weiteren Ideen auf uns zugekommen sind. Dabei gingen diese oft über den Umfang des aktuellen Projektes hinaus und betrafen beispielsweise Schulungen oder die Bauplanung», so Auger.

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