CIO-Interview: «Die Cloud hilft uns, neue Wege in der Produkt­entwicklung zu gehen»

CIO-Interview: «Die Cloud hilft uns, neue Wege in der Produkt­entwicklung zu gehen»

Artikel erschienen in IT Magazine 2021/12
Welche Services konnten bereits in die Cloud verschoben werden, und nach welchen Kriterien wurde der eine Cloud-Provider ausgesucht?
Eine Auflage an den Provider war, dass dieser Rechenzentren in der Schweiz unterhält und seine Services wenn immer möglich aus der Schweiz erbringt. Weitere Kriterien waren auch die Verbreitung des Providers, seine Angebote über das Hosten unserer Services hinaus oder die Frage, ob der Provider die komplette Verantwortung für die ausgelagerten Services übernimmt. So hat sich relativ rasch ein geeigneter Provider herauskristallisiert. Inzwischen haben wir bereits ­diverse Standard-Services in die Cloud auslagern können und sind beispielsweise aktuell daran, den gesamten Microsoft-­Office-Bereichm inklusive Exchange, Voice-Anwendungen und den File-Sharing-Services global in die Cloud zu verschieben. Daneben hilft uns die Cloud auch, neue Wege in der Produktentwicklung zu gehen.

Können Sie dazu ein Beispiel machen?
Das beste aktuelle Beispiel ist sicherlich Bikedrive Air. Bikedrive Air ist ein E-Bike-Gesamtsystem – bestehend aus einem Motor, dem Akku, der Steuerung, einem Interface am Fahrrad inklusive IoT-Anbindung sowie einer Service-­Plattform und einer App. Der OEM-Kunde des Systems, der das Fahrrad letztlich baut, bekommt von uns nicht nur den Antrieb, sondern auch die komplette Service- und IT-Applikation – ein komplettes System also.

Besteht auch die Möglichkeit, dass als Folge der Cloud-Strategie die On-­Premises-Rechenzentren über kurz oder lang aufgelöst werden können?
Unsere aktuelle IT-Strategie deckt einen Zeitraum von zirka drei bis fünf Jahren ab, und in diesem Zeithorizont sehen wir ganz klar einen hybriden Betrieb. Was darüber hinaus geht, ist heute schwierig zu prognostizieren. Ich denke aber, auch danach werden wir eine hybride Strategie fahren, denn in meinen Augen macht es wenig Sinn, Lösungen, die stark auf die Bedürfnisse eines Unternehmens angepasst wurden, entsprechend weit weg von Standards sind und zahlreiche Schnittstellen benötigen, in einer Cloud betreiben zu wollen. Ich bin aber überzeugt, dass der Anteil an Cloud-Services, den wir innerhalb der letzten zwei Jahre bereits auf gegen 20 Prozent gesteigert haben, irgendwann auf 70 Prozent oder mehr steigen könnte.
Wie viele Mitarbeitende beschäftigt Maxon in der Informatik, und wie sind Ihre Teams organisiert?
Im Rahmen der neuen IT-Strategie gab es diesbezüglich eine grosse Reorganisation, so dass wir heute noch vier Abteilungen zählen, die innerhalb der Gruppe bei Maxon International (Headquarters) angesiedelt sind und für die verschiedenen Tochtergesellschaften zentralisiert und standardisiert Services erbringen. Wir beschäftigen heute rund 60 Leute in der IT, davon sind rund zwei Drittel am Hauptsitz in Sachseln tätig, während sich der Rest auf unsere Standorte rund um den Globus verteilt. Eine der vier Abteilungen trägt den Namen Business Services und Prozessdesign – in ihr versammeln sich die ganzen betriebswirtschaftlichen Systeme inklusive Konfiguration und Support, aber auch die Ressourcen für die Beratung und die Projektleitung. Die Abteilung Solution Architecture und Software Development umfasst alle Kapazitäten rund um das Thema Software-Entwicklung sowie unsere Lösungsarchitekten und ein neu definiertes Team, das sich um das Thema Data Governance und Data Management kümmert – ein zunehmend wichtiges Thema. Die dritte Abteilung kümmert sich um Security und ICT-Services – sprich unsere Rechenzentren, die Cloud-Services, die globalen Netze und das Thema IT-Sicherheit. Und zu guter Letzt gibt es noch die Abteilung ICT-Operations, in der alle Ressourcen rund um Client- und System-Operations, der Helpdesk, die Industrierechnerlandschaft, den Bereich UCC – sprich Teams und Skype – sowie das System- und Service-­Level-Monitoring zusammengefasst sind.

Maxon baut Antriebssysteme für den absoluten High-Tech-Bereich – von der Medizintechnik über die Robotik, die E-Mobilität bis hin zur Raumfahrt. In diesen Lösungen dürfte viel IT stecken. Inwieweit sind Sie respektive Ihr Team in der Produktentwicklung involviert?
Sie sagen es richtig, wir sind ein High-Tech-Anbieter von Antriebssystemen, mit einer internationalen R&D-Abteilung, die Elektromotoren, Getriebe, Steuerungen und vieles mehr entwickelt – unser klassisches Drive-Geschäft. Nun sprechen wir aber in Zukunft immer mehr von Antriebssystemen, und der Begriff System umfasst zunehmend auch Themen wie Software, Services und Internet of Things, und bei diesen Entwicklungen ist die IT-Abteilung von Maxon mit an Bord. Ich habe vorhin über Bikedrive Air gesprochen, bei diesem Projekt liefert die interne IT-Abteilung im Software-Entwicklungsprozess bereits einen wesentlichen Bestandteil der Gesamtlösung. Projekte wie dieses wird es in Zukunft noch mehr geben, unsere Ausrichtung sieht diesen Weg mit mehr Services, Software und mehr IoT-Technologie im Sinne von Gesamtsystemen auch vor.

Wird das auch organisatorisch Konsequenzen haben, indem Sie über kurz oder lang eine Abteilung erhalten, die allein für die Produktentwicklung tätig ist?
Erste Diskussionen in diese Richtung wurden bereits geführt. Im Moment aber sind keine organisatorischen Änderungen geplant, denn am Ende des Tages spielt es aktuell noch keine Rolle, ob ein Software-Entwickler Lösungen für ein IoT-Projekt baut oder für eine interne Prozessoptimierung. Je nachdem, wie rasch der Anteil solcher produktzentrierten Projekte zunimmt, werden wie die Situation sicherlich wieder anschauen müssen.

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