CIO-Interview: «Software-Entwicklung ist ein Handwerk»

CIO-Interview: «Software-Entwicklung ist ein Handwerk»

Artikel erschienen in IT Magazine 2021/06
Wie Sie vorhin sagten, braucht es für die Entwicklung von FinTech-Lösungen kluge Leute mit Spezialwissen. Wo finden Sie diese?
Es ist nicht einfach, die richtigen Leute zu finden, und in der aktuellen Situation ist es doppelt so schwer. Ich hatte schon Fälle, in denen ich Spezialisten persönlich kannte, die für eine bestimmte Stelle geeignet gewesen wären, doch sie scheuten sich aufgrund der Pandemie vor einem Wechsel. Die Leute werden risikoaverser. Die Pandemie macht auch den Einstieg in eine neue Stelle nicht einfach. Ich weiss das aus eigener Erfahrung. Die eigene Organisation aus dem Home Office heraus kennenzulernen ist schwierig. Die ganze Situation ist also für die Rekrutierung von Talenten nicht gerade förderlich. Wir versuchen zwar, die Arbeitskräfte wenn möglich lokal zu bekommen, doch derzeit ist es schwierig, so dass wir versuchen, gezielt über Direktansprache geeignete Kandidaten zu finden.

Hatte die Coronapandemie bisher auch weitere Auswirkungen auf Ihre Arbeit als Leiter der IT?
Wir sind bis jetzt als Firma generell gut durch die Pandemie gekommen. Wir hatten aber auch den Vorteil, dass bei uns bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus fast alle ein Notebook hatten. Die Zahl der Mitarbeitenden, die angesichts des Lockdowns und der Home-Office-Pflicht noch mit einem solchen Gerät ausgestattet werden mussten, hielt sich deshalb in Grenzen und wir konnten das sehr schnell regeln. Einige Hürden gab es aber schon, so zum Beispiel an einem Standort in Deutschland, wo noch eine klassische Telefonanlage in Betrieb war, sodass die Anrufe dort ins Leere liefen, weil die Mitarbeitenden zuhause waren. Aber auch dieses Problem konnten wir relativ schnell lösen. Gleichzeitig haben wir im Zuge der Veränderungen im letzten Jahr aber auch Dinge wie die digitale Unterschrift eingeführt, zum Beispiel für die interne Freigabe der Überstunden. Das würde jetzt, da alle Mitarbeitenden im Home Office sind, mit der Post viel zu lange dauern. Im Grossen und Ganzen sind die Leute also ins Home Office gegangen und konnten dort eins zu eins wie bisher weiterarbeiten.
Wie sieht denn die IT-Infrastruktur aus, die bei Crealogix eingesetzt wird?
Unser Ziel ist es, eine einheitliche, virtuelle Entwicklungswelt zu haben. Wenn ich das durchdekliniere, dann ist an einem physischen Standort nicht mehr viel IT-Infrastruktur vorhanden. Es gibt da ein Netzwerk, physische Arbeitsplätze und Drucker. Das war’s dann auch schon. Heute ist es allerdings so, dass lokal noch sehr viel verbaut ist. Da stehen Server rum und eine eigene Infrastruktur. Das ist historisch bedingt, weil viele Standorte eigenständige Unternehmen waren, die Crealogix über die Zeit aufgekauft hat. Seit einem Jahr arbeiten wir nun daran, diese Umgebungen sukzessive aufzulösen und entsprechend in die Cloud zu transformieren. Auf der anderen Seite haben wir aber auch viele Kunden und Produkte, die noch aus der Zeit vor der Transformationsphase stammen. Und diese pflegen und betreuen wir auch weiterhin.

Wenn Sie von Cloud sprechen, wie nutzt Crealogix diese Technologie? Wir sprechen ja von einer stark regulierten Branche.
Zu dieser Frage gibt es zwei Aspekte: Zum einen betreiben wir IT für unsere Kunden, und wir betreiben IT für uns als Unternehmen. In beiden Fällen sind wir reguliert, aber auf unterschiedliche Weise. Klassisches Beispiel: die Datenhaltung. Wir können die Cloud zwar auch für unsere Kunden nutzen, aber wir müssen einige Aspekte beachten. Wir müssen letztlich im Einzelfall abwägen, was möglich ist. Für einen Schweizer Kunden muss unter Umständen eine Cloud-In­stanz in der Schweiz gewählt werden. Wir müssen also immer wissen, wo die Daten liegen und wo sie verarbeitet werden, und wir müssen sicherstellen, dass keine Unbefugten auf die Daten zugreifen können. Heute geschieht dies noch viel on Premises, aber der Trend geht klar dahin, dass in Zukunft auch die Banken ihre Daten in der Cloud haben werden, auch weil die Cloud-Anbieter viel daransetzen, mit den Regularien, denen die Finanzbranche unterworfen ist, konform zu gehen. Unsere eigene IT wiederum läuft in der Cloud eines Hyperscalers.

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