Home Office: Ein grosser Produktivitäts-Booster

Home Office: Ein grosser Produktivitäts-Booster

Artikel erschienen in IT Magazine 2021/03

Höhere Produktivität zu Lasten der Innovation?

Obschon die Umfragewerte zur wahrgenommenen Produktivität im Home Office zuversichtlich stimmen, darf nicht vergessen werden, dass es immer Mitarbeitende geben wird, die aufgrund der Situation zuhause in ihrer beruflichen Tätigkeit stark eingeschränkt sind. Dies zum Beispiel, wenn aufgrund der Platzsituation kein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung steht oder wenn die familiäre Situation konzentriertes Arbeiten verunmöglicht. Ein angeordnetes Remote-Working nach dem Ende der Corona-bedingten Restriktionen wäre in solchen Fällen kontraproduktiv, weshalb bei künftigen Regelungen der individuellen Situation der Mitarbeitenden Rechnung getragen werden muss.

Die Arbeit zuhause bringt auch zahlreiche Herausforderungen mit sich, die sich unter Umständen erst mittel- und längerfristig negativ bemerkbar machen. Eine der grössten Schwierigkeiten beim Arbeiten in örtlich verteilten Home-Office-Teams ist die Kommunikation untereinander. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die Abstimmung mit Vorgesetzen und das gemeinsame Finden von Ideen funktionieren gemäss der Xing-Umfrage im Home Office deutlich schlechter als im Büro. Kaum überraschend geben denn auch 79 Prozent an, dass ihnen der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit im Home Office fehlt. Dies kann insbesondere die Entwicklung neuer Ideen behindern. Die Frage drängt sich auf, ob eine kurzfristig gesteigerte Produktivität möglicherweise zulasten der längerfristigen Innovationsfähigkeit eines Unternehmens geht.

Verzerrte Wahrnehmung der Arbeitsleistung kann zu Spannungen führen

Bemerkenswert an den Befragungsergebnissen ist auch, dass die wahrgenommene Arbeitsleistung im Home Office stark subjektiv ist. Während 58 Prozent von sich selbst sagen, im Home Office mehr zu arbeiten, so glauben nur 34 Prozent, dass dies bei ihren Kolleginnen und Kollegen der Fall ist. Der fehlende persönliche Kontakt kann zu einer verzerrten Wahrnehmung führen, was Spannungen zur Folge haben kann. Gerade im Home Office sind Führungskräfte deshalb gefordert, eine starke und vertrauensbasierte Unternehmenskultur zu fördern und zwischenmenschlichen Themen genügend Aufmerksamkeit zu schenken, um solche Spannungen zu umgehen und einem Nachlassen der Produktivität über die Zeit vorzubeugen. Ihre nicht ganz leichte Aufgabe ist es, trotz der physischen Distanz ein Gefühl der Nähe zu schaffen, eine positive Arbeitskultur aufrechtzuerhalten und Mitarbeitende weiterhin zu motivieren. Aus diesem Grund werden Führungskräfte vermehrt die Jobs ihrer Angestellten im Remote-­Work-Kontext hinterfragen und Strukturen sowie Arbeitsprofile etablieren müssen, die für Sinnhaftigkeit und Freude bei der Arbeit sorgen. Remote Work heisst auch Remote-Führung, und diese wird für die Mitarbeiterzufriedenheit und die Produktivität längerfristig entscheidend sein.

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