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Test Center – Thinkpad X1 Fold

Das Origami-Tablet-Netbook

Das Origami-Tablet-Netbook

5. Dezember 2020 - Mit dem Thinkpad X1 Fold hat Lenovo einen faltbaren Rechner im Verkauf, der sowohl als Tablet, als kleines Notebook oder auch als All in One verwendet werden kann. Wir haben das Konzept getestet und einige unschöne Designschwächen entdeckt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12

Licht und Schatten

Das X1 Fold ist von Leder umschlossen, beim Öffnen und Schliessen des Geräts schiebt sich die Umfassung vor und zurück. (Quelle: Lenovo)
Aussen ist das X1 Fold in Leder eingepackt, das sich um das Scharnier schmiegt und das sich beim öffnen und schliessen nach vorne und hinten schiebt, was sehr elegant gelöst ist. Geschlossen erinnert das Gerät so an einen edlen, wenn mit bis zu 27 Millimetern auch etwas dicken Notizblock – wir messen an der dicksten Stelle knapp 28 Millimeter.

Allerdings sind wir ob der Lederverpackung respektive dem ganzen Hüllenkonzept nicht nur begeistert. Stein des Anstosses ist der Ständer, der Teil der Leder­ummantelung ist. Man kann einen Teil der Rückseite des Ledercovers nämlich ausklappen, welcher den Rechner dann im Tablet-Modus aufrecht auf dem Tisch hält. Das Ganze hat zwei Schwachpunkte: Zum ersten lässt sich der Winkel des Ständers lediglich im Bereich von rund 70 bis 80 Grad verstellen, flacher geht nicht. Und zum anderen kann das Display mit dem Ständer nur horizontal verwendet werden, nicht aber vertikal – der sogenannte Portraitmodus, der beispielsweise im Zusammenspiel mit Excel durchaus praktisch sein kann, geht nicht. Ebenfalls gestört hat uns, dass man den Ledercoverständer zwar nur an der rechten unteren Seite des Geräts wegklappen kann, dass sich aber die Lederabdeckung an allen Ecken leicht anheben lässt – was dem Schiebemechanismus geschuldet ist. So ist es uns mehrmals passiert, dass wir an der falschen Ecke versucht haben, den Ständer auszuklappen. Kaputtgegangen ist dabei zum Glück aber nichts.


Wenn wir gerade bei Schwächen sind: Bezüglich Anschlüssen sieht es beim X1 Fold ebenfalls eher trist aus. Mehr als zwei USB-Type-C-Ports, wovon einer für das Netzteil gebraucht wird, sucht man vergebens. Vollends unverständlich: Verwendet man den Rechner im aufgeklappten Modus, befindet sich einer der Ports an der Unterseite des Displays, kann also nicht benutzt werden, und wenn am anderen Port das Netzteil hängt, ist man quasi ohne Anschluss unterwegs. In dem Falle muss man definitiv auf den optional verfügbaren USB-C-Portreplikator oder das ebenfalls optionale USB-C-Dock zurückgreifen.

Unlogisch ist für uns ausserdem die Anordnung der Lautsprecher. Lenovo spricht im Datenblatt zwar von einem Dolby-Audio-Speaker-System, doch sind die beiden Lautsprecher an derselben Ecke (im aufgeklappten Gebrauch oben links) verbaut, so dass noch nicht einmal ein Stereoeffekt wahrgenommen werden kann.

Licht und Schatten schliesslich finden sich auch bei der Tastatur. Lenovo bietet für das X1 Fold eine passgenaue Bluetooth-Tastatur (Lenovo Fold Mini Keyboard) inklusive Trackpad an. Diese kann magnetisch auf den unteren Teil des Display gepappt und auch dort belassen werden, wenn das Gerät zusammengefaltet wird. Dabei wird es gleichzeitig geladen, was sehr praktisch ist – optional findet sich zum Laden auch ein Micro-USB-Port. Die Tastengrösse und -abstände entsprechen nicht ganz dem Standardlayout, die Tasten sind zum Beispiel rund 1 Millimeter schmaler als auf unserer MX-Keys-Tastatur von Logitech und liegen zirka einen halben Millimeter enger zusammen. Von der Aussenseite der Taste A bis zur Aussenseite der Taste L misst das Mini-Keyboard so zirka 15,9 Zentimeter, das grosse Logitech-Keyboard 16,8 Millimeter. Für kurze Eingaben mag dies kaum ins Gewicht fallen, wer aber längere Texte im Zehnfingersystem auf dem Fold Mini Keyboard schreiben will, dürfte je nachdem mit den geringeren Abmessungen zu kämpfen haben. Angenehm ist der Druckpunkt der Tasten, gleiches gilt auch für das Trackpad, welches mit je einem deutlichen Druckpunkt in zwei Ecken kommt. Eine wichtige Ergänzung zum Thema Keyboard: Aktuell wird das X1 Fold in der Schweiz mit einer Tastatur im US-Layout ausgeliefert – ist für Herr und Frau Schweizer also faktisch unbrauchbar. Lenovo verspricht aber, daran zu arbeiten, eine Schweizer Tastatur mitliefern zu können.

Performance und Akku

Das X1 Fold lässt sich quasi als 13,3-Zoll-All-in-One verwenden. Leider lässt sich das Gerät mit dem integrierten Ständer nur horizontal, nicht aber vertikal aufstellen. (Quelle: Lenovo)
Ein paar Worte noch zur Leistung des Geräts. Im Inneren des X1 Fold läuft der Fünf-Kern-SoC Intel Core i5-L16G7, der mit einem Grundtakt von 1,4 GHz (Turbo 3 GHz) arbeitet und einen Lüfter braucht, den man allerdings nur beim Booten kurz schnaufen hört. Ebenfalls an Bord sind 8 GB RAM und wahlweise 256 oder 512 GB SSD-Speicher. Im Benchmark-Test mittels PCMark 10 kommt unser Testgerät auf einen Gesamtscore von 2561 Punkte. Damit ist der Rechner definitiv kein Geschwindigkeitswunder und liegt beispielsweise rund ein Drittel hinter dem Asus Expertbook B9, das wir diesen Sommer getestet haben (3360 Punkte) und das sich in dieser Ausgabe in der Ultramobile-Marktübersicht ab Seite 46 findet. Mit Geekbench, dem Benchmark-Tool, mit dem wir auch das neue Macbook Air mit Apple M1-Chip in dieser Ausgabe (S. 44) getestet haben, erreicht der Lenovo-Rechner einen Single-Core-Score von 816 und einen Multi-Core-Score von 1663, während der OpenCL-Score für die GPU bei 5067 Punkten liegt. Auch hier liegt der Lenovo-Rechner recht deutlich zurück. Aber: Für Office-Anwendungen, Präsentationen und das Anschauen von Filmen reichts allemal, und fürs Gaming und Multimedia-Produktionen ist das X1 Fold nun mal nicht gedacht.

Ebenfalls getestet haben wir die Batterie­laufzeit. Beim Testlauf Modern Office von PCMark 10, mit dem der moderne Büroalltag inklusive gelegentlichen Videokonferenzen simuliert wird, erreicht das X1 Fold im Netbook-Modus – sprich mit aufgepappter Tastatur und nur dem hälftigen Bildschirm – eine Laufzeit von 6 Stunden und 2 Minuten: Eher enttäuschend. Im Tablet-Modus mit vollem 13,3-Zoll-Bildschirm hält der immerhin 50 Wh fassende Akku beim Modern-Office-Testlauf interessanterweise länger durch: 6 Stunden 34 Minuten. Und bei der Video-Dauerwiedergabe im Tablet-Modus macht er sogar erst nach 7 Stunden 45 Minuten schlapp.

Abschliessend noch ein Wort zum Preis. In der Schweiz wird das Thinkapd X1 Fold in zwei Versionen verkauft, mit 256 GB Speicher für 3189 Franken und mit 512 GB Speicher für 3299 Franken – jeweils mit Windows 10 Pro sowie inklusive Tastatur. Das ist viel Geld. Aber: Wenn man bedenkt, dass ein Samsung Galaxy Z Fold 2 ebenfalls weit über 2000 Franken kostet, relativiert sich der Preis für das X1 Fold rasch – denn der Nutzen des Falt-Tablet-Netbooks scheint uns doch einiges höher als der eines Falt-Smartphones.

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