Freigabe von Open Source Software in der Schweiz

Freigabe von Open Source Software in der Schweiz

Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12

Open-Source-Freigabe auf Gesetzesebene vorgesehen

Noch vor einigen Jahren wurde politisch und juristisch gestritten, ob auch staatliche Stellen Open Source Software freigeben dürften. Der Stein des Anstosses war das Schweizerische Bundesgericht, das seit jeher sehr klar auf Open-Source-Anwendungen und -Entwicklungen gesetzt hat. So wollte die interne Informatikabteilung auch anderen Gerichten die eigens entwickelte Gerichtsverwaltungs-Software zugänglich machen – ähnlich wie das beispielsweise Swisstopo seit vielen Jahren mit dem Quellcode des Geoportals macht. Nur brüskierte das die Berner Firma Weblaw, da damit ihr Geschäftsmodell torpediert wurde: Sie wollte weiterhin ihre eigene Software an Gerichte verkaufen und argumentierte deshalb, dass sich das Bundesgericht ordnungspolitisch inkorrekt verhalte und im Markt die Privaten konkurrenziere. Die Folge davon waren mehrere politische Vorstösse und juristische Gutachten auf nationaler und kantonaler Ebene. Letztlich führten diese dazu, dass nun den Behörden auf Gesetzesebene die Freigabe von Open Source Software explizit erlaubt wird.

So sieht der Kanton Bern in seinem neuen «Gesetz über die digitale Verwaltung» vor, dass die Freigabe von Open Source Software durch kantonale Stellen explizit erlaubt ist. Und auch das neue nationale «Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben», das im Dezember 2020 endlich in die Vernehmlassung kommen soll, enthält einen entsprechenden Passus. Damit sollen letztlich auch Bundesstellen offiziell Open-Source-Freigaben tätigen dürfen, obwohl dies in der Praxis durch Swisstopo, Meteoschweiz oder die Bundeskanzlei schon lange praktiziert wird.

Tatsächlich ist diese heutige Open-Source-­Tätigkeit der Bundesämter unproblematisch. Gemäss dem «Praxis-Leitfaden Open Source Software in der Bundesverwaltung» dürfen Ämter bereits heute explizit Open Source veröffentlichen, wenn sie bereit sind, die Verantwortung selbst zu tragen – und das sind sie, da sie wie erwähnt davon klar profitieren. Künftig wollen beispielsweise auch das Bundesarchiv und das Bundesamt für Umwelt im Rahmen ihrer Linked-Open-Data-Aktivitäten den neu entwickelten Quellcode als Open Source veröffentlichen, so wie dies bereits in der öffentlichen Ausschreibung des 20-Millionen-Projekts vorgesehen war. Die erwähnten Beispiele zeigen, dass in Zukunft mit noch vielen weiteren Open-­Source-Freigaben durch Behörden und Unternehmen gerechnet werden kann und deshalb das Thema Open Source wohl auch in den nächsten Jahren weiter an Relevanz gewinnen wird.

Neue Entwicklung des OSS Directory

Das OSS Directory zeigt schon seit über zehn Jahren an, welche der über 200 in der Schweiz und Deutschland ansässigen Open-Source-Anbieter für welche der über 800 Open-Source-Lösungen professionelle Dienstleistungen anbieten. Über 400 Kundenreferenzen dokumentieren den Einsatz von Open Source Software in der Wirtschaft und Verwaltung. Nun wird Anfang 2021 das OSS Directory in einem neuen Design und einer vollständig überarbeiteten Technologie-­Grundlage lanciert.
www.ossdirectory.com

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