Daten-Drehscheibe für die Produktion

Daten-Drehscheibe für die Produktion

Artikel erschienen in IT Magazine 2020/11

Dateninseln und Abhängigkeiten vermeiden

Um einen solchen Datenkreislauf entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufzubauen, müssen Daten sowohl vertikal als auch horizontal integriert werden. Bei der vertikalen Integration werden die Daten von Maschinen oder Systemen an zentrale IoT- oder Cloud-Plattformen übermittelt. Das kann beispielsweise die Temperatur und der Vibrationswert mit dem jeweiligen Zeitstempel sein, die regelmässig abgetastet und in einem zentralen System visualisiert oder weiterverarbeitet werden.

Fertigungsunternehmen stehen dabei vor einem Dilemma. Wenn sie in einem Best-of-Breed-Ansatz die IoT-Plattformen ihrer verschiedenen Maschinenhersteller nutzen, können Dateninseln entstehen, die die übergreifende Analyse und Steuerung erschweren. Dabei wird die in Fertigungsumgebungen ohnehin schon bestehende Komplexität zementiert oder noch weiter erhöht – also die typische Spaghetti-Architektur, in der mehrere Datenbanken, Analysewerkzeuge und Applikationen über individuelle Schnittstellen kreuz und quer miteinander verbunden sind. Wenn Unternehmen dagegen zwecks Komplexitätsreduktion nur auf eine oder wenige Cloud-Plattformen setzen, können sie in zu grosse Abhängigkeiten geraten.

Die horizontale Datenvernetzung kann diese Probleme lösen. Dabei werden die Daten nicht an eine zentrale Stelle transferiert, sondern über eine separate Datenschicht miteinander verknüpft. Daher auch der Name Data Fabric, auf Deutsch also Datengewebe oder Geflecht vermischter Datenverbindungen.

Mit einer Data Fabric den Datenkreislauf kontrollieren

Eine Data Fabric vereinigt zum einen verteilte und heterogene Dateisysteme per Abstraktion zu einem einzigen Namensraum (Global Namespace). Ein Produktionsunternehmen erhält damit einen einheitlichen Zugriff auf Daten und Dateien, die auf unterschiedlichste Systeme und beliebig viele Standorte verteilt sein können. Dies ermöglicht ein ganzheitliches Daten-Management, etwa zur Sicherstellung von Zugriffsrechten und anderen Compliance-Anforderungen. Zudem organisiert die Data Fabric den oben beschriebenen Datenkreislauf.

Sie ist also die Drehscheibe, über die Produktionsstandorte, Cloud-Dienste und Partnerunternehmen als Lieferant oder Empfänger von Daten und Analysemodellen in diesen Kreislauf integriert werden.

Mit diesem Ansatz lässt sich somit das Komplexitätsproblem lösen, denn es gibt einen konsolidierten Zugriff auf Daten, und das Zusammenspiel der Anwendungen, Datenquellen und Datenbanken wird über eine einheitliche Datenschicht organisiert. Ausserdem lässt sich damit das Abhängigkeitsproblem lösen, da das Produktionsunternehmen selbst den Kreislauf kontrolliert – und eben nicht externe Plattformen, die Kunden wie eine Spinne in ihr eigenes Netz einbinden. Auch beim Einsatz mehrerer externer Plattformen geht dabei die Einheitlichkeit der Datenarchitektur nicht verloren; ein Produktionsunternehmen kann somit durch eine Multi-Vendor-Strategie seine Abhängigkeit zusätzlich reduzieren, ohne überbordende Komplexität oder Dateninseln fürchten zu müssen.

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