HR-Manager 4.0 - vom Bürokraten zum Enabler

HR-Manager 4.0 - vom Bürokraten zum Enabler

4. Juli 2020 - Den HR-Bereich zu digitalisieren, gelingt zwar nicht von heute auf morgen. ­Dennoch ist die Aufgabe zu bewältigen, wenn Personalabteilungen agil vorgehen und ihre Prozesse schrittweise automatisieren.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/07

Software-Landschaft differenziert sich aus

Der Trend entwickelt sich weg von umfassenden Human-Capital-Management(-HCM)-Plattformen hin zu einer Best-of-Breed-Architektur, die sich aus separaten Lösungen für jeden Aufgabenbereich zusammensetzt. Unternehmen wollen die Software Tools und Microservices auswählen, die ihren Bedürfnissen am besten gerecht werden. Beide Möglichkeiten lassen sich auch kombinieren. Genügt ein bestimmtes Modul der HCM-Suite nicht den Anforderungen, kann das Unternehmen ein entsprechendes Cloud-Tool in die Plattform integrieren. Auf diese Weise profitiert der HR-Bereich von einer einheitlichen Plattform und bildet gleichzeitig alle Prozesse optimal ab. So lässt sich der digitale Reifegrad der HR-Abteilung Schritt für Schritt erhöhen.

Die Vielfalt an Möglichkeiten führt dazu, dass sich die IT-Landschaft ausdifferenziert. Das gilt sowohl innerhalb der einzelnen Organisation (die Anzahl der eingesetzten Lösungen steigt) als auch für die Gesamtheit der Unternehmen (die HR-IT wird individueller). In einem Grossunternehmen, das permanent freie Stellen zu besetzen hat, kann es eine sinnvolle Erleichterung sein, per Algorithmus eine Vorauswahl unter den Bewerbungen zu treffen. Ein mittelständischer Handwerksbetrieb hingegen, der den Fachkräftemangel deutlich spürt, kann es sich nicht leisten, Kandidaten vorschnell abzuweisen. Hier braucht es die persönliche Einschätzung des HR-Managers, der Bewerber anhand des Gesamtbilds auswählt und nicht wie die Software aufgrund starr definierter Merkmale. Unternehmen sollten deshalb die spezifischen Herausforderungen ihres Geschäfts und Umfelds genau reflektieren. Nur so lässt sich sicher entscheiden, wo die Automatisierung durch eine digitale Lösung sinnvoll ist.

Offene Systeme ermöglichen Agilität und Kollaboration

Die Ausdifferenzierung der IT-Landschaft verlangt offene Systeme, die sich ohne grösseren Aufwand integrieren lassen. Es muss sowohl möglich sein, eine On-Premises-Umgebung mit Cloud Tools zu erweitern, als auch, verschiedene Cloud-Lösungen miteinander zu kombinieren. Hierfür braucht es standardisierte Schnittstellen (APIs), um Systeme unkompliziert miteinander zu verknüpfen. Ziel ist es, Prozesse über Systemgrenzen hinweg nahtlos abzubilden. Die Zusammenarbeit im Team und abteilungsübergreifend gestaltet sich dementsprechend agil, flexibel und kollaborativ. Wenn beispielsweise HR-Mitarbeiter an verschiedenen Standorten gemeinsam ein Dokument in einer digitalen Personalakte bearbeiten, können dank einer Schnittstelle auch Informationen aus dem ECM-System direkt in den Arbeitsprozess einfliessen. Es gilt, Tools und Kanäle derart zu vernetzen, dass erstens Daten und Dokumente übergreifend verfügbar sind und sich zweitens neue Informationen schnell verarbeiten lassen. Ist dies erfüllt, verläuft die Ad-hoc-Kommunikation – sei es mit HR-Kollegen, Führungskräften oder Mitarbeitern – wesentlich einfacher und schneller. Nicht zu vergessen ist hier, dass das Etablieren solcher neuen, agilen Prozesse mehr erfordert als die passende IT-Grundlage. Kollaborative Zusammenarbeit kann nur gelingen, wenn die Mitarbeiter die Veränderungen aktiv mittragen. Somit ist es Aufgabe der HR-Leitung, ihr Team entsprechend zu sensibilisieren und zu unterstützen.

In Zukunft bestimmen also nicht mehr die IT-Systeme die Prozesse, sondern die Prozesse geben vor, wie die IT-Architektur aussehen muss. Das bedeutet auch, dass nicht mehr nur die IT-Abteilung die Systemlandschaft aufbaut, sondern auch diejenigen, die sie nutzen. Low-Code- und Headless-Technologien ermöglichen es, dass auch Nicht-ITler nach kurzer ­Einarbeitung Teile einer Software nach ihren Bedürfnissen konfigurieren. So können etwa HR-Manager mithilfe von grafischen Frontend Tools die Benutzeroberfläche einer Anwendung selbstständig erstellen. Die Backend-Struktur bleibt davon unberührt.

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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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