Respekt empfinden und zeigen

Respekt empfinden und zeigen

7. Dezember 2019 - Von Georg Kraus

In vielen Unternehmen ist der Umgangston rauer und teilweise sogar emotional verletzender geworden. Das wirkt sich negativ auf die Identifikation und Motivation der Mitarbeiter sowie deren Leistung aus – zumindest mittel- und langfristig.
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/12

Mitarbeiter mutieren zu Human-Kapital

Schon lange existiert denn auch in den meisten (grösseren, als Holding strukturierten) Unternehmen nicht mehr ein Zusammengehörigkeitsgefühl, wie es sich früher in Begriffen wie die Siemens- oder Bosch-Familie artikulierte. Und in welchen Betrieben nennen sich die Mitarbeiter heute noch stolz wie früher zum Beispiel "Opelaner"? Nur in ganz wenigen Unternehmen ist dies noch der Fall! In den meisten regiert heute – obwohl in ihnen eine bereichs- und funktionsübergreifende Team- und Projektarbeit praktiziert wird – das Einzelkämpfertum; zumindest, wenn es hart auf hart kommt. Jeder ist, überspitzt formuliert, mit dem eigenen Überleben beschäftigt.

Das überrascht zum Teil. Denn die Wirtschaft in der DACH-Region boomte über ein Jahrzehnt – auch wenn aktuell gewisse Konjunktureintrübungen erkennbar sind. Doch noch immer stimmen die Zahlen der meisten Unternehmen. Deshalb könnten die Verantwortlichen an der Spitze eigentlich relaxt sein und die Herausforderungen – vor denen ihre Unternehmen zweifellos unter anderem aufgrund der Digitalisierung stehen – ganz entspannt und systematisch angehen.

Psycho-Druck mindert die intrinsische Motivation

Das tun sie aber nicht. Stattdessen wird der Druck im "Kessel", teils auch getrieben durch die unersättlichen Finanzmärkte, immer weiter erhöht, mit der Konsequenz, dass das Betriebsklima stets rauer wird. Zugleich wird jedoch betont: "Wir brauchen intrinsisch motivierte Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren und sich eigeninitiativ und -verantwortlich für das Erreichen der Ziele des Unternehmens engagieren."

Doch woher sollen diese kommen, wenn die Mitarbeiter zugleich registrieren, dass sie eigentlich nur noch Human-­Kapital sind, das je nach Bedarf auf- und abgebaut sowie eingesetzt wird? Wenn Mitarbeiter diesen Widerspruch spüren, dann gehen sie zu Recht emotional auf Distanz zum Unternehmen, und ihre Handlungsmaxime lautet wie bei den Kapitalgebern: "Wie ziehe ich aus der Beziehung den grössten Profit?"

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