CIO-Interview: "On hat von Anfang an auf die Cloud gesetzt"

CIO-Interview: "On hat von Anfang an auf die Cloud gesetzt"

7. Dezember 2019 - Das Schweizer Unternehmen On produziert Sportartikel. Die IT spielt dabei eine zentrale Rolle. Sämtliche Prozesse in der Firma sind digitalisiert, vom Design über die Produktherstellung bis hin zur Logistik.
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/12
Und wie ist die Infrastruktur von On aufgestellt?
On hat von Anfang an, also schon vor meiner Zeit, ausschliesslich auf Cloud-Technologien gesetzt. Wir haben also keine eigenen Server, die wir selber betreuen müssten. Unsere Daten und Services sind bei allen grossen Cloud-Anbietern gehostet, und wir nutzen IaaS- und PaaS-Modelle. Dass unsere Infrastruktur komplett Cloud-basiert ist, macht unsere Arbeit einfacher und spart Personalkosten. Zentral ist auch die Sicherheit der Infrastruktur, diese wird regelmässig auditiert.

Was beansprucht denn aktuell den Grossteil Ihrer Zeit?
Eines der grössten Themen ist die Skalierung beziehungsweise das Wachstum. On wächst jedes Jahr enorm, was auf der einen Seite schön ist, die Systeme aber auch entsprechend fordert. Als man die Infrastruktur vor einigen Jahren angelegt hat, hat man nicht erwartet, dass das Unternehmen in so kurzer Zeit so schnell wachsen würde. Unsere Wachstumspläne werden regelmässig übertroffen, und wir müssen nun schauen, dass die IT mit dem Wachstum mithalten kann und auch in Zukunft nicht zum Engpass wird. Das heisst, dass wir aufpassen müssen, keine Entscheidungen zu treffen, welche die Skalierung limitieren könnten. ­Ausserdem müssen wir auch in zukünftige Kapazitäten investieren, die sich bereits jetzt abzeichnen. Die IT ist ja bekanntlich wie ein grosses Schiff, man kann den Kurs nicht einfach kurzfristig ändern, man muss diesen mit Vorlauf planen und behutsame Korrekturen vornehmen. Meine grösste Herausforderung ist derzeit, die IT so aufzustellen, dass auch in zehn Jahren noch alles perfekt funktioniert. Ebenfalls ein grosses Thema ist die Systemintegration. Hat man viele Systeme im Einsatz, wird die Kommunikation zwischen diesen zusehends komplex. Man braucht also ein Konzept dafür, wie die einzelnen Systeme untereinander Daten austauschen, und dieses muss mit der Infrastruktur gemeinsam skalieren, damit letztere wartbar bleibt.

Sie haben bereits die Expansion von On in neue Länder angesprochen. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die IT?
Grundsätzlich versuchen wir Systeme einzuführen, die wir global ausrollen können. Wir möchten vermeiden, regional unterschiedliche Systeme betreiben zu müssen. Das haben wir bisher ganz gut geschafft, wir haben tatsächlich weltweit die gleichen IT-Systeme im Einsatz. Und da sie Cloud-basiert sind, nutzen wir jeweils virtuelle Cloud-Umgebungen in den verschiedenen Regionen. Als problematisch kann sich die Gesetzgebung einzelner Länder erweisen, beispielsweise im Bereich der Steuern. China ist in dieser Hinsicht ein sehr komplexer Markt, oder auch Brasilien. Und dann gibt es noch die kulturellen Unterschiede in Bezug auf das Kaufverhalten. In China ist es beispielsweise üblich, alle Bezahlvorgänge mit dem Smartphone und über QR-Codes abzuwickeln, und es werden eine Vielzahl an Chat-Apps und Social-Media-­Apps dafür benutzt. Ohne Google, Facebook, Instagram et cetera ist es ein sehr interessanter Markt mit spezifischen Anforderungen. Für solche Gegebenheiten muss man gewappnet sein und ein Maximum and Flexibilität und Agilität bewahrt haben. Bisher haben wir diese Herausforderungen bei der Einführung unserer Plattformen in neuen Ländern aber immer meistern können.
Wie hoch ist der Stellenwert der IT bei On?
Auch wenn wir Sportschuhe und Sportbekleidung produzieren, weiss jeder Mitarbeiter bei On, dass ein Unternehmen heute ohne moderne und leistungsfähige IT nicht erfolgreich sein kann. IT steckt in jedem Bereich drin, angefangen von Design und Product Development über Manufacturing, Supply Chain, Order Management bis hin zu Marketing, Sales und Business Intelligence. On will die bestmöglichen Sportartikel herstellen, und wir nutzen die IT mit genau diesem Ziel. IT ist bei On ein Enabler und weniger ein Selbstzweck. In meinen Augen ist das enorm wichtig. IT soll dem Business folgen und für Innovation sorgen. Bei On ist die IT um das physische Produkt herum gebaut, sie verbindet die einzelnen Unternehmensbereiche miteinander und öffnet Wege zu Kunden und Partnern. Den hohen Stellenwert der IT sieht man schön anhand unseres Umgangs mit Daten. Als datengetriebenes Unternehmen sammeln und analysieren wir eine Vielzahl von Daten und verwenden diese auch als Grundlage für Entscheidungen, beispielsweise wenn es darum geht, in einem Markt ein bestimmtes Modell einzuführen.

Inwiefern baut die IT von On auf die Kooperation mit Partnern und wie ist die Zusammenarbeit gestaltet?
Wir arbeiten mit vielen Partnern vertrauensvoll zusammen. Wir suchen in der Regel nach solchen, die langfristig mit uns zusammenarbeiten und wachsen wollen. Wir suchen auch nicht notgedrungen nach den grössten Partnern, die Marktführer sind in dem, was sie tun, sondern auch nach innovativen kleinen Partnern, von denen wir den Eindruck haben, dass sie viel Potenzial haben und die auch von ihrer Firmenkultur zu uns passen. Es sind dies Firmen, die offen sind für Experimente und relativ schnell etwas auf die Beine stellen können. Solche Unternehmen sind oft weniger prozessgetrieben, sondern gehen iterativ vor. In einigen Bereichen arbeiten wir aber auch mit grossen Partnern zusammen. So ist für die weltumspannende Logistik ein spe­zia­lisierter Partner unerlässlich, das könnten wir schlecht allein stemmen. Deshalb arbeiten wir in diesem Bereich beispielsweise mit Kühne & Nagel.

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