Digital lernen für die reale Welt

Digital lernen für die reale Welt

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/03

Individualisierung führt zu Coaching-Boom

Parallel dazu begannen in den Unternehmen, die Coachings zu boomen, denn die Praxis zeigte: Insbesondere, wenn es um das Überwinden gewohnter Denk- und Verhaltensmuster, also einen sogenannten Musterwechsel, geht, benötigen die meisten Menschen weiterhin eine persönliche Unterstützung; und beim Versuch, ein verändertes Verhalten im Arbeitsalltag zu zeigen, treten oft so viele Unsicherheiten auf, dass eine individuelle Begleitung sinnvoll ist, damit bei den Mitarbeitern die gewünschte Verhaltenssicherheit entsteht.

Deshalb enthielten fortan die meisten Blended-Learning-Konzepte auch Coaching-Elemente, wobei die Coachings in der Regel Präsenz-Coachings waren. Das heisst, der Coach und der Coachee, so werden die zu coachenden Personen genannt, trafen sich persönlich, denn ein Credo lautete weiterhin: Wenn es darum geht, eine Einstellungs- oder Verhaltens­änderung bei den Mitarbeitern herbeizuführen, ist eine Begegnung von Mensch zu Mensch nötig.

Mobile Endgeräte sind heute Alltagsbegleiter

Seit drei, vier Jahren, seit die Floskel "Digitale Transformation der Unternehmen" in aller Munde ist, findet jedoch auch ein Überdenken dieser Personalentwicklungskonzepte statt – aus vielerlei ­Gründen.

Anders als vor 10, 15 Jahren sind heute die meisten Mitarbeiter der Unternehmen oft bereits "Digital Natives". Das heisst, sie wuchsen mit dem Computer auf und sind es aus der (Hoch-)Schulzeit gewohnt, diesen als Lerninstrument zu nutzen. Zudem haben sich die mobilen Endgeräte – vom Laptop über das Tablet bis hin zum Smartphone – zu einem Alltagsbegleiter entwickelt, beruflich und privat. Und die jungen Mitarbeiter von heute sind es nicht nur gewohnt, sich mit diesen Medien zu informieren und mit ihnen zu kommunizieren, sondern auch ihre (Zusammen-)Arbeit zu planen. Ausserdem nutzen sie im Privatbereich ganz selbstverständlich Apps, um Sprachen zu lernen, und lassen sich durch diese bei Tätigkeiten wie dem Sporttreiben coachen.

Digital Natives wollen mit moderner Technik lernen

Deshalb wirkt es für sie heute oft geradezu anachronistisch, wenn sie im Bereich der betrieblichen Weiterbildung auf diese Hilfsmittel verzichten sollen. "Bei unserer Projektarbeit nutzen wir sie doch auch."

Dies gilt insbesondere dann, wenn sie, wie viele junge Leistungsträger, herausfordernde Jobs haben und in komplexe betriebliche Netzwerke eingebunden sind. Denn dann fällt es ihnen meist schwer, heute zu sagen:
• "In drei, vier Wochen habe ich für ein mehrstündiges Coaching Zeit" oder
• "In zwei, drei Monaten kann ich an einem Seminar, das 200 Kilometer entfernt von meinem Wohnort stattfindet, teilnehmen."

Und wird diesen Mitarbeitern von aussen, also zum Beispiel vom Personalbereich, die Teilnahme an einem Seminar aufoktroyiert, dann sehen sie darin häufig nicht eine Chance, sich zu entwickeln, sondern eine lästige Zusatz-Aufgabe. Entsprechend gering ist ihre Lernmotivation, was sich an ihrem Verhalten zeigt. In den Kaffeepausen hängen sie sofort in einer Ecke an ihrem Handy, um mit Kollegen dringliche Dinge zu besprechen; und in den längeren Pausen verschwinden sie auf ihren Zimmern, um an ihren Laptops wichtige Aufgaben zu erledigen. Entsprechend wenig nachhaltig wirken bei ihnen die in den Seminaren besprochenen Inhalte. Kurz nach Verlassen des Tagungshotels sind sie nicht selten wieder vergessen, weil sie dann im Auto schon wieder via Handy mit Kollegen zum Beispiel darüber parlieren, wo es in ihrem Projekt brennt.

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