CIO-Interview: "Wir dürfen uns keine Fehlentscheide leisten"

CIO-Interview: "Wir dürfen uns keine Fehlentscheide leisten"

1. April 2017 - Blacksocks-Boss Samy Liechti über die Herausforderung, als relativ kleiner E-Commerce-Anbieter mit ­Amazon und Co. mithalten zu müssen, und über schwierige Technologie-Entscheide.
Artikel erschienen in IT Magazine 2017/04
Können Sie noch etwas mehr zum angesprochenen Order-Button erzählen?
Der Button funktioniert mit WLAN und muss vom Kunden via WPS in sein Netzwerk eingebunden werden. Ist das passiert, schickt der Button eine MAC-Adresse, die wir dem Kunden zuordnen können. Der Kunde hat zum Button eine Produktpräferenz hinterlegt, und drückt er den Knopf, wird sofort eine Bestellung ausgelöst, die mittels Lichtsignal beim Kunden bestätigt wird. Die WLAN-Variante ist ein Kompromiss, ursprünglich wollten wir einen Button mit SIM-Karte. Diese Lösung wäre allerdings zu teuer geworden. Die Überlegung hinter dem Button ist, dass der typische Mann in der Regel an Socken oder Unterwäsche denkt, wenn er aus der Dusche steigt – eine Situation, in der er kein Endgerät zur Hand hat. Wir sind nun gespannt, wie viele Bestellungen der Button generieren wird.

Sie haben vorhin erklärt, dass das Frontend den ganzen Rest übernimmt. Können Sie das ausführen?
Als wir von zirka anderthalb Jahren unseren Shop neu gebaut haben, haben wir dies mit dem Anspruch getan, dass der Shop den Kunden kennen soll. Dazu brauchen wir alle verfügbaren Daten – sprich der Shop muss wissen, ob der Kunde bereits einmal bestellt hat, was er bestellt hat, aber auch Dinge wie die Schuhgrösse des Kunden. Denn warum soll der Kunde seine Schuhgrösse angeben müssen, wenn der Shop diese bereits kennt? Solche Daten sammelt der Shop und übergibt sie dem Backend.
Worauf basiert Ihr Frontend, für welche Technologie haben Sie sich bei der Neugestaltung des Shops entschieden?
Hier muss ich etwas ausholen. Wir werden als relativ kleines Unternehmen aus Sicht der Kunden mit den grossen Playern gemessen. Das bedeutet, wir dürfen uns keine Fehlentscheide leisten, schon gar nicht, wenn es um den Neubau der Plattform geht. Kommt hinzu, dass unser Redesign einen mittleren bis grösseren sechsstelligen Betrag gekostet hat. Wenn wir hier nun aufs falsche Pferd setzen, kann uns das das Genick brechen. Entsprechend schwierig war der Technologie-­Entscheid. Wir haben uns nach vielen Gesprächen letztlich für Drupal Commerce entschieden, weil für uns die Verschmelzung von Content und Commerce wichtig war.

Stehen Sie auch heute noch hinter dem Entscheid?
Schwierige Frage. Vielleicht würde ich heute, nachdem wir mit dem System anderthalb Jahre gearbeitet haben, anders entscheiden. Andererseits ist es manchmal besser, sich für etwas zu entscheiden, das beinahe richtig ist, als einen Entscheid zu lange hinauszuzögern. Und es ist wahnsinnig schwierig, abzuschätzen, wie sich eine E-Commerce-Plattform entwickelt. Nehmen wir Magento als Beispiel: Vor nicht allzu langer Zeit galt Magento als die State-of-the-Art-Lösung im E-Commerce, und heute sucht Magento Geld für die Entwicklung der Version 2.0, und niemand weiss, wie es weitergeht. Setzt man zu früh auf eine Lösung, hat man nur Probleme; setzt man zu spät darauf, hat man eine veraltete Umgebung. Das macht es nicht einfach. Was ich oft beobachte ist, dass neue, grössere Player im E-Commerce auf die grossen Lösungen setzen in der Hoffnung, nichts falsch zu machen. Doch gerade dieser Entscheid für grosse Lösungen ist falsch, weil diese Lösungen dermassen unflexibel sind, dass es selten passt.

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