"AI ist von der Firmenkultur abhängig"

"AI ist von der Firmenkultur abhängig"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/03
Welche Voraussetzungen seitens Infrastruktur müssen im Unternehmen gegeben sein, um bei der Archivierung AI einsetzen zu können?
Eine sichere und stabile Infrastruktur ist stets die Voraussetzung für die erfolgreiche Integration von künstlicher Intelligenz. Doch wie viele Digitalisierungsthemen ist auch AI massgeblich von der Firmenkultur abhängig. Vor allem das Topmanagement muss verstehen, was künstliche Intelligenz ist, wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann und wo nicht. Hier geht es einerseits um realistische Erwartungen, aber auch darum, den Tunnelblick abzulegen und neue Geschäftsmodelle zu erkennen. Doch ohne die richtigen Leute im Hintergrund kommt künstliche Intelligenz nicht weit. Das bedeutet nicht, dass jedes KMU eine eigene AI-Abteilung aufbauen sollte, aber die Zusammenarbeit mit dem richtigen Partner ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Eine gute AI-Abteilung besteht meiner Meinung nach aus Experten mit ganz unterschiedlichen Fertigkeiten: Data Scientists, Entwicklern, System Engineers und vor allem Leute, die das Kundenproblem verstehen. Denn häufig zeigt sich bald, dass AI nicht nur für Archivierungslösungen sinnvoll ist, sondern auch im Kundendienst, bei HR oder im Marketing.

Gibt es Inhalte oder Dokumententypen, für die sich AI besonders anbietet, und gibt es Inhalte, wo AI (noch) kein Thema sein kann?
Der Vorteil von künstlicher Intelligenz ist, dass sie selbst unstrukturierte Dateien durchforsten kann. Sie ist nicht nur auf Texte beschränkt, sondern analysiert auch Bilder oder Videos oder Sprachdateien. Die Grenzen von AI liegen vor allem bei unserer eigenen Vorstellungskraft. Bei der Analyse von Texten ist künstliche Intelligenz recht weit fortgeschritten. Auch in Sachen Bilderkennung gibt es grosse Fortschritte. Es existieren bereits Dienste, die nicht nur nach Metadaten suchen, sondern verstehen was beispielsweise ein Labrador ist. Egal ob braun, schwarz oder weiss, sitzend, stehend oder liegend, Welpe oder Senior – die künstliche Intelligenz hat gelernt, was einen Labrador ausmacht und kann ihn unter Milliarden Fotos identifizieren. Ich bin sicher, dass wir in diesem Bereich in den kommenden Jahren noch grosse Fortschritte sehen werden. Auch im Bereich Stimmerkennung wird zurzeit viel entwickelt. Stimmen können beispielsweise bei der Authentifizierung von Personen eine wichtige Rolle spielen. Nehmen wir an, ich habe mein Passwort vergessen und rufe den Kundendienst an: Statt dass ich unzählige Fragen beantworten muss, könnte mein Stimmabdruck zur Identifizierung verwendet werden – der übrigens so individuell ist wie mein Fingerabdruck.
Denken Sie, dass in absehbarer Zeit Lösungen mit künstlicher Intelligenz ab der Stange erhältlich sein werden, die lokal im Unternehmen auf Storage-­Systemen aufgespielt und betrieben werden können? Oder wie kommen diese Systeme in die Unternehmen?
Es gibt bereits viele Algorithmen, die öffentlich zugänglich sind. Insbesondere die grossen Anbieter sind hier führend. Das ist gerade für Firmen mit kleinerem ICT-Budget eine gute Nachricht. Sie können AI-Lösungen relativ einfach und günstig in ihre Infrastruktur integrieren. Zumindest theoretisch. Die Praxis sieht ein wenig anders aus: Damit AI wirklich einen Nutzen bringt, braucht man viele Daten, um das System zu trainieren. Wenn eine AI-Anwendung aber nur Englisch versteht, ist sie beispielsweise für eine Schweizer Brauerei nur schlecht brauchbar. Die Kunden sprechen Schweizerdeutsch, Deutsch, Französisch und Italienisch und somit sind das die Sprachen, die AI kennen sollte. Natürlich ist auch der Kontext entscheidend: Angenommen, ein Bier trägt den Namen «Sahara», dann möchte das Unternehmen natürlich Informationen zum Getränk und nicht zur Wüste haben. Ausserdem entstehen immer wieder neue Produkte – hier muss man die künstliche Intelligenz wiederum trainieren. Kurz: Auch wenn es gewisse Lösungen ab der Stange schon gibt und in Zukunft noch viel mehr geben wird, sind sie nicht immer die beste Wahl.

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