CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die Priorisierung»

CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die Priorisierung»

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/10
Was entwickeln Sie und Ihr Team denn alles selbst?
Unser Onlineshop ist eine komplette Eigenentwicklung. Das ist deshalb nötig, weil ein Standardprodukt unsere Anforderungen schlicht nicht erfüllen könnte. Schliesslich zählen wir rund sieben Millionen Anfragen pro Tag und führen rund 100’000 Produkte, das sind gewaltige Mengen. Im Bereich ERP bauen wir mit Microsoft Navision derweil auf eine Standardlösung. Allerdings gibt es bei uns unzählige spezielle Anforderungen, die wir mit Eigenentwicklungen abdecken. So ist das ERP eine Mischung aus Standardlösung und Eigenentwicklung.

Gibt es denn auf dem Markt keine Shop-Lösung, die Ihren Anforderungen gerecht wird? Eigenentwicklungen entsprechen ja nicht unbedingt dem Zeitgeist, in dem Standardisierung gepredigt wird.
Standardisierung ist wichtig, da gebe ich Ihnen recht. Davon ausgenommen sind aber Bereiche, bei denen man durch eine Eigenentwicklung einen Wettbewerbsvorteil erzielen kann. Im E-Commerce-­Bereich sind die meisten grossen Anbieter mit selbst gebauten Lösungen unterwegs. Diskutieren kann man allenfalls darüber, wie viel man selber entwickeln muss. In den letzten Jahren hat sich dank der Cloud einiges getan, und Bausteine wie ein Content Management System kann man heute ab der Stange nehmen und über Schnittstellen an die eigene Lösung anbinden. Wo immer so etwas möglich ist, versuchen wir das auch.

Sie haben Ihre Stelle Anfang 2015 angetreten. Welche Projekte haben Sie seit Ihrem Start umgesetzt?
In der ersten Woche, in der ich hier war, waren wir von einer DDoS-Atttacke im grossen Stil betroffen. Das war dann gleich der Anlass, sich diesem Problem anzunehmen, was ein umfangreiches Projekt wurde. Allerdings hat sich der Schritt gelohnt, denn bei der letzten grossen DDoS-­Attacke in der Schweiz kamen wir glimpflich davon. Der Angriff auf uns wurde rasch abgebrochen, als die Angreifer gemerkt haben, dass es bei uns nichts bringt. Eine andere grosse und stetige Baustelle ist der Shop, der ständig weiterentwickelt wird und mit dem wir noch einiges vorhaben. Dazu haben wir in jüngerer Vergangenheit unsere Webentwicklungsabteilung massiv aufgestockt und die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt. Die Herausforderung hierbei war, diese Mitarbeiter überhaupt zu finden. Ein weiteres grösseres Projekt in den letzten anderthalb Jahren war die Einführung eines Product Information Management Systems, das uns nun hilft, die Datenqualität auf unseren Produkten zu verbessern und gleichzeitig effizienter zu werden. Denn eine hohe Datenqualität ist die Basis für zahlreiche Funktionen im Shop. Ebenfalls ein Projekt, das im letzten Jahr begonnen hat, ist eine selbstentwickelte Recommendation Engine, wo wir in kleinen Schritten in das Thema Big Data eingestiegen sind und uns nun langsam, aber sukzessive vorarbeiten.
Und welche Projekte stehen nebst der Weiterentwicklung des Shops für die absehbare Zukunft an?
In erster Linie wollen wir nun erstmal die Projekte, die ich angesprochen habe, weitertreiben und konsolidieren. Ins Auge gefasst haben wir für das kommende Jahr zudem einige Projekte, über die wir allerdings noch nicht sprechen können.

Mit wie vielen Mitarbeitern nehmen Sie all Ihre Aufgaben wahr und wie ist das IT-Team strukturiert?
Alles in allem sind wir rund 30 Mitarbeiter in der IT, dazu kommen aktuell vier Lehrlinge. Wie in vielen IT-Abteilungen üblich, sind wir entlang der Systeme strukturiert. Das bedeutet, dass wir ein ERP-Team, ein Web-Team, ein Systeme-­Team, dass sich um die Rechenzentren und Server kümmert, Netzwerkspezialisten sowie einen IT-Support haben. Um diese Teams herum beschäftigen wir Projektmanager, Product Owner und Spezialisten, die sich um die Datenanalyse kümmern und die direkt mir unterstellt sind.

Ist Outsourcing ein Thema?
Outsourcing machen wir bei speziellen Wissensbereichen. Bauen wir zum Beispiel Teile der Netzwerkinfrastruktur um, gehen wir zum Spezialisten. Für komplexe Probleme mit den Webservern holen wir ebenfalls externe Hilfe, und auch das Thema DDoS-Schutz haben wir ausgelagert, das kann man kaum selber stemmen.


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