CIO-Interview: «Ein guter Mittelweg ist der beste»

CIO-Interview: «Ein guter Mittelweg ist der beste»

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/09
Abgesehen vom Cloud-Projekt: Welche Merkmale rund um Ihre IT würden Sie ansonsten noch als wesentlich bezeichnen?
Wesentlich ist sicher, dass wir über eine zentrale IT-Organisation verfügen. Wesentlich ist aber auch, dass wir eine sehr gute Verbindung zur Geschäftsleitung besitzen. Für mich als IT-Leiter ist das einer der grossen Vorteile von Geberit – die enge, zum Teil auch informelle Zusammenarbeit innerhalb des Managements, die es auch ermöglicht, eine homogene IT-Strategie zu fahren, die eng mit der Geschäftsleitung abgestimmt ist und von dieser auch mitgetragen wird. Abgesehen davon ist Geberit traditionell ein SAP-Anwenderunternehmen, wobei wir vor einigen Jahren noch sechs oder sieben SAP-Instanzen betrieben haben, die in den letzten Jahren konsolidiert wurden, so dass es auf Geberit-Seite nur noch zwei Instanzen gab. Durch die Sanitec-Übernahme sind nun aber wieder sechs SAP-Instanzen dazugekommen, plus ein nordisches ERP für Skandinavien und ein russisches ERP für die Ukraine. All diese Instanzen und Systeme werden wir nun in den kommenden Jahren auf eine SAP-Instanz konsolidieren.

Es scheint, als müssten Sie durch die Sanitec-Übernahme die ganze Arbeit doppelt machen.
Nein, so schlimm ist es nicht. Für das Cloud-Projekt beispielsweise waren ursprünglich drei Jahre eingeplant, nun sind es vier – wir verlieren also ein Jahr.
Sie haben angesprochen, dass Ihre IT stark zentral organisiert ist. Können Sie das etwas ausführen?
Bei Geberit wird die gesamte Konzern-IT zentral durch mich und mein Team geführt. Die Mitarbeiter sind aber nicht alle am gleichen Ort. Auch hier gilt, dass wir vor der Übernahme etwas zentraler organisiert waren als heute. Zuvor gab es zwei grosse IT-Standorte, einen hier in Jona mit gut 60 Mitarbeitern, und einen weiteren im deutschen Pfullendorf mit etwa 35 Mitarbeitern. Daneben gab es noch einige Aussenstandorte, Produktionswerke mit jeweils einer guten Handvoll IT-Spezialisten. Durch die Sanitec-Übernahme sind nochmals gut 60 IT-Mitarbeiter hinzugekommen, so dass wir heute global rund 190 IT-Mitarbeiter zählen. Die ehemaligen Sanitec-Mitarbeiter sind aber weiter verteilt – in Polen, Deutschland, Finnland, Schweden, Frankreich und so weiter. So sind wir heute zwar zentral organisiert und geführt, die Mitarbeiter aber sind recht weit verteilt.

Planen Sie, das zu ändern?
Wir schätzen das Know-how der Mitarbeiter als wichtiger ein. Die Konzentraion auf weniger Standorte ist nicht zwingend. Obwohl die Teams teilweise über zwei oder drei Standorte verteilt sind, arbeiten sie sehr gut und effizient zusammen.

Wenn die IT im Wesentlichen zentralisiert ist, wer kümmert sich dann in Ihren zahlreichen Ländergesellschaften um die IT vor Ort?
Unsere grundsätzliche Strategie hierzu lautet, dass man für einen Standort mit mehr als 100 Mitarbeitern einen lokalen IT-Supporter rechtfertigen kann. Allerdings sind die wenigsten unserer Standorte so gross. Bei den kleineren Standorten geschieht das Gros des IT-Supports aus Jona oder Pfullendorf. Wir betreiben einen Helpdesk und bieten Telefon-Support zu Bürozeiten. Ausserdem kaufen wir die Infrastruktur zentral ein und setzen sie auch in der Schweiz oder Deutschland auf, um sie dann an die verschiedenen Standorte zu versenden. Viele kleinere Standorte kommen zudem ohne Server aus, so dass es wenig lokale Infrastruktur zu betreuen gibt.

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Vor wem mussten die sieben Geisslein aufpassen?
Antwort
Name
E-Mail
SPONSOREN & PARTNER