CIO-Interview: «Ein guter Mittelweg ist der beste»

CIO-Interview: «Ein guter Mittelweg ist der beste»

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/09
Wie ist die Implementation der neuen Lösungen dann abgelaufen?
Dazu muss ich etwas ausholen. Das Vertriebsmodell von Geberit ist ein sogenanntes Push-/Pull-Modell. Vereinfacht ausgedrückt sorgen wir bei Sanitärinstallateuren, Architekten oder Endkunden für Nachfrage, diese kaufen aber nicht direkt bei uns, sondern beim Grosshandel, mit dem unser direkter geschäftlicher Kontakt stattfindet. Mit diesem Modell muss unsere CRM-Lösung Funktionen abdecken, die ein klassisches CRM-Tool nicht unbedingt «out of the Box» bietet. Entsprechend war für die Implementation noch einiges an Entwicklung notwendig. Daneben legen wir bei Geberit grossen Wert darauf, dass unsere Systeme gut integriert sind, dass beispielsweise Produkt- oder Kundendaten automatisch mit unserem SAP-System abgeglichen werden. All diese Anforderungen sorgten dafür, dass der Pilotimplementierung, die wir in Österreich ausgerollt haben, rund neun Monate Entwicklungszeit vorausgingen. Und trotz dieser sorgfältigen Vorbereitung verlief beim Start mit dem neuen System nicht alles reibungslos.

Wo lagen denn die Stolpersteine?
Geberit versucht eigentlich nicht, im Bereich IT an vorderster Front bezüglich neuer Technologien mitzuspielen. Mit dem Entscheid, CRM und Collaboration aus der Cloud mit Interfaces zu SAP on-premise zu realisieren, sind wir technologisch aber neue Wege gegangen, und mussten entsprechend Lehrgeld bezahlen. Dinge, die on-premise etabliert sind, gab es als Cloud-Service schlicht noch nicht und sie mussten deshalb mit Work-arounds umgesetzt werden. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Es war nicht möglich, direkt in der Cloud eine E-Mail ins CRM zu schieben. Das funktionierte nur über den Outlook-Client zusammen mit dem CRM-Add-on. Das hatte zur Folge, dass so bereits relativ viel Technologie wieder auf dem PC lief. Unterdessen ist das gelöst. Hinzu kommt, dass wir die Anforderung haben, dass gewisse Mitarbeiter offline arbeiten können. Lotus Notes war für diese Aufgabe natürlich prädestiniert. Mit der Cloud-Lösung aber wurde dies etwas schwieriger und bedeutete, dass auf den jeweiligen PCs ein SQL Server läuft. Solche Geschichten machen alles ein wenig kompliziert, bis alles zusammenspielt.
Aber inzwischen laufen die Systeme?
Inzwischen laufen die Systeme sogar sehr gut. Allerdings mussten wir im letzten Jahr die Prioritäten ändern, als Geberit wie schon erwähnt die Keramikfirma Sanitec übernommen hat. Die Integration von Sanitec und dessen Mitarbeitern war dann dringender.

Wie kommen Sie mit der Integration voran?
Bezüglich Infrastrukturintegration ist das Gröbste inzwischen gemacht. Was die Systeme und insbesondere das ERP angeht, werden wir noch länger beschäftigt sein.

Und was bedeutet das für Ihr Cloud-Projekt?
Nachdem die Systeme in Österreich reibungslos laufen, wäre der nächste Markt, in dem wir die Cloud-Lösungen ausrollen wollten, eigentlich Deutschland gewesen. Wegen der Übernahme mussten wir das Projekt unterbrechen. Im Mai 2016 haben wir die Arbeiten wieder aufgenommen, und im Mai 2017 wird Deutschland live gehen.

Migrieren Sie Land für Land? Immerhin ist Geberit in 42 Ländern tätig, da sind Sie auf Jahre hinaus beschäftigt.
Wir migrieren Land für Land, aber in den kleineren Ländern, in denen es auch mehr Standardanforderungen als in Deutschland gibt, wird der Roll-out dann wesentlich rascher geschehen. Was den Collaboration-Bereich angeht, ist der Wechsel auf Office 365 bereits zu rund 90 Prozent umgesetzt. Beim wesentlich komplexeren CRM-Teil werden wir die Migration wohl bis 2018 abgeschlossen haben.

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