Was kommt nach der Bandbreite

Was kommt nach der Bandbreite

Artikel erschienen in IT Magazine 2015/06

Das Geld liegt unter der Strasse.

In der Telekommunikation liegt das Geld nicht auf der Strasse, sondern unter der Strasse. Die höchsten Kosten entstehen durch den Tiefbau, das Aufreissen von Strassen, das Bauen einer Trassee und das Verlegen von Kabelschutzrohren. Wer da bereits Anlagen hat, ist klar im Vorteil. Neben den Gemeinden sind das in der Regel nur mehr die Energieversorger und Kabelnetzanbieter (die beide oftmals wiederum einer Gemeinde gehören) sowie die Telekommunikationsunternehmen. 1000 Franken pro Meter Trassee sind beispielweise in Altstädten keine Seltenheit. Die höchsten Baukosten pro Nutzungseinheit (Wohnung oder Geschäft) entstehen dann aber auf den letzten 200 Metern, wenn die Kabel von einem Verteilpunkt (Distribution Point) sternförmig in die einzelnen Liegenschaften gezogen werden.
Um Kosten zu senken, werden daher oft genau diese letzten 200 Meter – der «Drop» – nicht mehr mit Glasfasern gebaut. Kabelnetze verwenden hier Coax-Kabel, Telekomanbieter wechseln von Glas auf die bestehenden Kupferkabel. Manche Anbieter werben mit «95 Prozent Glasfaser» – gemeint ist dabei nicht die Gesamtlänge des Netzes, sondern die Länge eines Kabels bis zum Kunden. Aber es sind genau jene letzten 200 Meter (beziehungsweise 5 Prozent), die diese Anbieter dann eben nicht ausbauen.

Konfrontation oder Kooperation?

Swisscom als grösster Anbieter wirkte zu Beginn der FTTH-Entwicklung ratlos, fast hilflos. Schnell hatte man am Swisscom-Hauptsitz in Bern aber die Auswirkungen auf das eigene Geschäft erkannt und begann, sich neu zu positionieren. Neue Abteilungen wurden geschaffen, Technologien evaluiert, Argumentarien entwickelt und letztlich eine Strategie der Kooperationen mit anderen Anbietern verabschiedet. Mit Verspätung, aber dafür mit umso mehr Druck begann auch Swisscom das Thema FTTH für sich zu besetzen und rang letztlich allen grösseren FTTH-Aspiranten eine Kooperation ab. Die Stadtwerke waren darüber wenig erfreut, hofften sie doch, Swisscom als Kunden für ihre Netze gewinnen zu können. Und als nach Jahren der Verhandlungen auch das EWZ mit Swisscom eine Kooperation einging, war allen klar, die Zeit der Alleingänge ist vorbei.
Inzwischen gibt es in allen grösseren Ballungsräumen entweder eine FTTH-Kooperation zwischen Swisscom und einem Energieversorger, oder aber Swisscom baut alleine ein Glasfasernetz. Auch Kabelnetzanbieter wie zum Beispiel GA Weissenstein in Solothurn oder Leucom Stafag im Kanton Thurgau sahen Vorteile in einer Kooperation und bauen inzwischen gemeinsam mit Swisscom an FTTH-Netzen. Aus Angst vor Nachteilen für die Bevölkerung gingen in den letzten Jahren auch immer mehr kleinere Gemeinden Baukooperationen mit Swisscom ein.
Aber ist FTTH immer die richtige Lösung? Inzwischen hat sich der FTTH-Boom etwas gelegt. Als Faustregel gilt, dass Anschlüsse, die mehr als 3000 Franken pro Nutzungseinheit kosten, nicht rentabel betrieben werden können. Hier setzt Swisscom auf andere Technologien wie Vectoring oder zukünftig auch G.Fast. Sowohl Vectoring als auch G.Fast sind Weiterentwicklungen des DSL-Standards, mit denen Bandbreiten im Download bis 100 Mbit/s beziehungsweise 500 Mbit/s ermöglicht werden können. Während Vectoring in der Schweiz bereits ausgebaut wird, befindet sich G.Fast noch in der Erprobungsphase.

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Welche Farbe hatte Rotkäppchens Kappe?
Antwort
Name
E-Mail
SPONSOREN & PARTNER