Innovation versus Effizienz: Mit Best Practices aus dem Dilemma

Innovation versus Effizienz: Mit Best Practices aus dem Dilemma

Artikel erschienen in IT Magazine 2013/05

Radikale Ziele brauchen ebensolche Ansätze


Die Kosten um 20 Prozent und mehr zu reduzieren übersteigt das, was Programme zur Effizienzsteigerung üblicherweise erzielen müssen. Verlangt sind jetzt plötzlich viel radikalere Ansätze. Um bei den Banken zu bleiben, so müssen sich diese sich grundlegend über ihre Prozesse Gedanken machen, möglicherweise gar über ihr gesamtes Geschäftsmodell. Mit diesen Herausforderungen ist der Bankensektor nicht alleine: Vor gewichtigen Entscheidungen steht man auch in der Energiebranche, im Mediengeschäft, im Detailhandel und vielen Bereichen der Industrie.
In solchen Situationen stellt sich bei Unternehmen meist der gleiche Reflex ein. Der Blick richtet sich zunächst auf die Kostenseite. Produktportfolio straffen, Prozesse entschlacken und wo möglich die Wertschöpfungskette durch Outsourcing optimieren. Doch irgendwann ist die Zitrone ausgepresst. Gleiches mit immer weniger zu machen, geht dann nicht mehr. Im Englischen Raum hat sich dafür eine treffende Bezeichnung entwickelt: „MESS for LESS“. Es bleibt nur eine Alternative: Dasselbe grundlegend anders machen. Aber wie soll das gehen?
Anders als die üblichen Kostensparprogramme lässt sich Innovation nicht per Knopfdruck befehlen, auch wenn dies immer wieder versucht wird. Die Massnahmen dazu sind so simpel wie unergiebig. Vom Ideenbriefkasten, über Brainstorming in der Gruppe bis hin zu Innovationsfrühstücken, Workshop-Retraiten und Open Innovation Initiativen: Was herauskommt sind in aller Regel wilde Ideen, deren Implementierung einer Radikalkur mit vorausgehender Schocktherapie gleichkäme. Alle Hoffnung wird dabei auf einen abstrakten Deus Ex-Machina gesetzt. Dieser soll nicht selten aus der IT-Abteilung kommen, welche ja immer wieder mit heilbringenden Technologie-Hypes von sich reden macht - frei nach dem Motto: „Jetzt machen wir Cloud!“.
Abbildung 1: Der Glueware-Ansatz bringt nicht nur Business und IT, sondern auch die Betriebsverantwortlichen an einen Tisch. (Quelle: Swiss ICT Magazin)
Abbildung 2: EINE Sprache - der Glueware-Ansatz führt durch Kommunikation zur Annäherung, und damit auch zu unternehmerischer Flexibilität. (Quelle: Swiss ICT Magazin)


Top-Down-Innovationen scheitern am mittleren Management

Immerhin haben solche Anstrengungen auch einen positiven Effekt, tragen sie doch dazu bei, dass sich Mitarbeiter und Management gegenüber Neuem nicht länger verschliessen können. Doch Offenheit allein genügt nicht, um Innovationen tatsächlich auf den Boden zu bringen. Gerade dies fällt vielen Unternehmen ungemein schwer: Top Down initialisiert, beisst sich die Innovation Task Force im mittleren Management meist die Zähne aus. Dies ist nur allzu menschlich. Denn Innovationen bringen Veränderungen und diese zerstören zwangsläufig Bestehendes. Mühsam erklommene Positionen erscheinen plötzlich als gefährdet und bis anhin wertgeschätzte Kompetenzen werden nicht mehr gebraucht. Dummerweise müssen Innovationen auch noch neben dem bestehenden Tagesgeschäft vorangetrieben werden und dies bedeutet für das ohnehin unterdotierte mittlere Management nur eines: Mehrarbeit, aber sicher nicht mehr Motivation!
Insbesondere in der IT ist das Festhalten an alten Zöpfen ein weitverbreitetes Phänomen. Daran ist die IT-Industrie auch selber schuld. Aus neuen Technologien werden zu gerne Hypes fabriziert, die alles bestehende in Frage stellen und den radikalen Neuanfang propagieren. Dass aber Unternehmen ihre IT-Infrastruktur und Applikationslandschaft nicht einfach so um- oder abstellen können, weil sie darauf immerhin ein operatives Geschäft zu betreiben haben, wird von den IT-Marketiers meist nicht in Erwägung gezogen. Und so kommt es immer wieder zu Mammut-IT-Projekten, die, wenn sie nicht vollkommen in Schieflage geraten, meist erheblich mehr finanzielle Mittel verschlingen und letztlich nicht das halten, was sie mal versprochen haben.

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