Ausbilden und weiterbilden

Ausbilden und weiterbilden

Artikel erschienen in IT Magazine 2011/11

Es braucht bis zu 3000 zusätzliche Ausbildungsplätze

Viele Unternehmen stehen in einem täglich zu bewältigenden Konkurrenzkampf und glauben nicht in der Lage zu sein, daneben noch Kraft und Geld in die Nachwuchsförderung investieren zu können. Überdies sind viele internationale Unternehmen mit dem Berufsbildungssystem der Schweiz nicht vertraut und nicht bereit, in die Ausbildung von Fachkräften zu investieren. Sie übersehen dabei, dass gut ausgebildete ICT-Fachkräfte nicht nur zu den Erfolgsfaktoren der eigenen Unternehmung gehören, sondern auch für den Erfolg des ganzen Innovationsstandorts Schweiz wichtig sind – nebst den offensichtlichen Faktoren wie optimalen staatliche Rahmenbedingungen, tiefen Steuern und hoher Lebensqualität.

Die erwähnten Studien errechnen, dass auf allen Stufen bis ins Jahr 2017 rund 70’000 ICT-Fachkräfte ausgebildet werden müssten. Um nur schon den heutigen Lehrstellenanteil halten zu können, würden fast 1000 Lehrstellen zusätzlich gebraucht. Damit der Fachkräftemangel nachhaltig gedeckt werden kann, wären gar 3000 zusätzliche Lehrstellen nötig (siehe Grafik). Weiter gilt es dafür zu sorgen, dass die Berufsbildung nicht allein von den Schweizer KMU getragen wird. Ziel muss es sein, nicht nur selbst vermehrt Lernende auszubilden, sondern bei grossen ausländischen Unternehmen sich dafür stark zu machen, dass auch sie Lernende ausbilden oder sich in einem Lehrbetriebsverbund engagieren. Notfalls mit politischem Druck.

Lehrstellen alleine reichen aber nicht

Wir müssen also dringend mehr Lehrstellen schaffen. Doch das allein reicht nicht aus, wie ein Blick auf den Bereich Softwareentwicklung zeigt. Pro Jahr werden in der Grundbildung bestenfalls 400 Applikationsentwicklerinnen und -entwickler ausgebildet – um den Faktor 10 zu wenig. Es müssen mehr Ausbildungsplätze für Lehre und Praktika geschaffen werden, aber auch die Förderung von Informatikmittelschulen und von Umsteigerlehrgängen sowie die Motivation von Lehrabgängerinnen und -abgängern für eine höhere Berufsbildung sind gefragt.

- Umsteigerlehrgänge: Seit dem Jahr 2000 führt der Zürcher Lehrbetriebsverband einen zweijährigen Lehrgang als duale Lehre für Erwachsene durch. Angeboten werden Abschlüsse mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Informatik mit Schwerpunkt Applikationsentwicklung oder Systemtechnik. Diese Fachausbildung entspricht genau der Lehre und der Informatikmittelschule. Diese Möglichkeit sollte auch in anderen Kantonen vermehrt angeboten werden.

- Informatikmittelschulen (IMS) ausbauen: Auf diesem schulischen Weg werden Applikationsentwicklerinnen und -entwickler mit kaufmännischer Berufsmaturität ausgebildet. Die IMS sind auch wichtige Zulieferer für die Fachhochschulen. Sie werden in der Regel von Schulen mit gleichzeitiger Handelsmittelschule (HMS) geführt. Da bei Letzteren derzeit ein Überangebot besteht, wäre der Ausbau der IMS für alle Beteiligten eine Erleichterung. Hier sind Politik (Vorstösse) und Firmen (Berufsfeld-Marketing) gefordert. Die IMS umfasst eine dreijährige Vollzeitausbildung, worauf ein Jahr Vollzeitpraktikum in einem Betrieb folgt.

- Höhere Berufsbildung nach der Grundbildung: Betriebe benötigen nicht nur Fachkräfte mit einem Lehrabschluss, sondern auch Absolventinnen und Absolventen mit höherer Berufsbildung oder Hochschulstudium. Im Bereich Applikationsentwicklung hat der ICT-Berufsbildungsverband soeben einen neuen Fachausweis Applikationsentwicklung geschaffen, der 2013 erstmals geprüft wird. Danach steht der Weg zum eidgenössischen Diplom oder an eine Fachhochschule offen.

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