CIO-Interview: «Dann krieche ich selbst unter den Tisch»

CIO-Interview: «Dann krieche ich selbst unter den Tisch»

Artikel erschienen in IT Magazine 2011/06
Können Sie mir etwas zu laufenden Projekten erzählen?
Aktuell sind wir damit beschäftigt, über unsere IT eine Business-Intelligence-Lösung zu krempeln. Ich habe hier mit Webfocus eine schmale, aber sensationelle Lösung gefunden. Das BI soll das Sahnehäubchen des ganzen Systems werden. Ein weiteres Projekt, das im Moment läuft, ist die Einführung von VoIP. Hier arbeiten wir mit der Lösung One Netbase von Swisscom. Wir wollen zum einen die Telefonie umstellen, zum anderen unser schweizweites Netzwerk via IPSS realisieren, um mehr Flexibilität beim Bandbreiten-Management zu erhalten. Wir haben hier bereits den Hauptsitz in Wolhusen sowie zwei weitere Standorte aufgeschaltet und befinden uns aktuell in der Testphase. Für unseren Hauptsitz wird sogar extra eine Glasfaserleitung gezogen. Daneben versuchen wir dauernd, unsere Schnittstellen zu optimieren, um die Arbeit mit externen Partnern weiter automatisieren zu können. Weiter gibt es zahlreiche kleinere Projekte rund ums ERP-System, um die Prozesse zu verbessern. Ein Beispiel eines solchen Projekts, das wir im Juni noch abschliessen, ist die gesamte Export-Abteilung. Wir erfassen hier in Wolhusen Aufträge für rund 25’000 Paar Skis aus 30 Ländern und wir verpacken und verschicken diese Skis auch selber. Früher wurde dies alles von Hand abgewickelt, und nun versuchen wir, diese Prozesse ans ERP anzubinden und mittels MDE-gestützter Erfassung zu optimieren. Ebenfalls in Planung ist zudem, die gesamte Skiproduktion in unser ERP zu integrieren. Wir sind im Moment daran, die entsprechenden Anforderungen zu definieren.

Wie viele Projekte laufen bei Ihnen im Moment?
Aktuell habe ich 20 Informatik-Projekte am Laufen. So sehe ich meine Aufgabe im Moment vor allem als Projektleiter, der koordiniert. Daneben gibt es aber immer wieder kurzfristige Aufgaben, wenn beispielsweise irgendwo ein Anspruch an einen Prozess auftaucht und ich diesen zu erfüllen versuche.

Und was passiert, wenn Sie einmal für länger ausfallen würden?
Diese Frage bin ich vor allem während der letzten zwölf Monate angegangen. Wir arbeiten extern mit zwei Hauptpartnern zusammen, und mir war es wichtig, dass diese beiden Partner miteinander sprechen und ich mein Wissen an diese Partner weitergeben kann. So konnten wir das Wissen extern breit abstützen.

Können Sie mir etwas mehr zu ihren Partnern erzählen?
Auf ERP-Seite ist die Partnerschaft durch die Evaluation des Systems zustande gekommen. Hier arbeiten wir seit 2004 wie erwähnt mit Acommit. Wir haben damals einen Partner gesucht, der mit uns zusammen die Software weitertreiben will. Unser zweiter wichtiger Partner ist Turnkey Services. Ursprünglich haben wir im Bereich Clients mit einer kleinen Firma aus der Region gearbeitet, die dann von Turnkey Services übernommen wurde. Auch hier haben wir inzwischen eine sehr gute Partnerschaft aufbauen können. Unsere Philosophie ist so, dass wir nicht zwingend den günstigsten Partner suchen, sondern langfristige und enge Partnerschaften anstreben.
Wünschten Sie sich nicht manchmal, zumindest ein kleines Team inhouse zur Seite zu haben?
Das wäre teilweise sicher wünschenswert. Doch ich bin in der glücklichen Lage, dass die externen Partner sehr nahe am Unternehmen sind. Sehen sie, wir haben eine kritische Grösse im Unternehmen erreicht. Zum einen ist die Arbeitsbelastung übers Jahr verteilt nicht sehr homogen, es gibt immer wieder Spitzen, jedoch könnte ich einen Mitarbeiter nicht das ganze Jahr voll auslasten. Zum anderen müsste dieser Mitarbeiter solch ein breites Spektrum abdecken, dass es schwierig werden würde, jemand passenden zu finden.

Gibt es Projekte, die Sie eigentlich gerne umsetzen würden, dies aber aufgrund der Gegebenheiten nicht können?
Die gibt es. Das Problem ist aber nicht unbedingt, dass die Kapazitäten fehlen. Vielmehr müssen Projekte in die Unternehmensstrategie passen. Diese sieht zwar Expansion vor, nichtsdestotrotz versuchen wir haushälterisch mit unseren Investitionen umzugehen. Entsprechend müssen Investitionen in Projekte oder auch Ersatzinvestitionen in Hardware sehr fein mit der Unternehmensstrategie abgestimmt werden. Aber klar: Ein Wunschportfolio wäre vorhanden, und dieses ist grösser als das, was wir umsetzen können. Hier müssen Informatikprojekte dann manchmal zurückstehen.

Was reizt Sie besonders bei Ihrem Job hier bei Stöckli?
Auf der einen Seite sicher die Abwechslung – kein Tag ist wie der andere. Ich war lange für einen Konzern tätig, und schätze deshalb heute enorm die kurzen Entscheidungswege, die es bei uns gibt. Die Geschäftsleitung und der ganze Betrieb sind noch immer sehr familiär. Zudem ist man aufgrund der Branche sehr unkompliziert unterwegs, vieles ist sehr persönlich. Und man weiss, für wen und für was man arbeitet.

Und was nervt Sie an ihrem aktuellen Job?
Dass der Tag zu wenig Stunden hat (lacht).

Können Sie noch etwas zu Ihrem Werdegang erzählen?
Ich bin ursprünglich gelernter Buchhalter beziehungsweise Controller und war schon immer IT-affin – wenn auch vor allem Hobby-mässig. Meine Sporen habe ich in der Treuhand-Branche abverdient und war dann für zwei US-Konzerne tätig. Meine letzte Station vor Stöckli war im Ruag-Konzern, wo ich mich unter anderem um den Aufbau und das Restrukturieren von Geschäftsmodellen kümmerte und in diesem Zusammenhang auch in SAP-Projekte gerutscht bin. Dort habe ich auch meine Faszination für solche Lösungen entwickelt.

Eine klassische Informatiker-Ausbildung haben Sie in dem Sinne also nicht.
Ich würde mir auch nie anmassen zu behaupten, etwas von Informatik zu verstehen. Doch ich denke ich weiss, wo die Herausforderungen liegen, und ich verstehe etwas von Geschäftsmodellen und davon, Prozesse zu erarbeiten.

Hilft Ihnen die Tatsache, kein «klassischer» Informatiker zu sein, der vor allem auch die technischen Aspekte sieht, bei ihrer Arbeit?
Aus Sicht meiner Funktion ja. Nehmen wir das Beispiel ERP. Hier ist das technische Wissen über das System zwar sehr wichtig. Noch viel wichtiger ist es aber, aus betriebswirtschaftlicher Sicht Ziele zu definieren. (mw)
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