Wenn Unternehmen ihre WLAN-Infrastruktur modernisieren, richtet sich der Blick häufig zuerst auf neue Hardware. Doch selbst mit aktuellen WiFi-7-Access-Points können stockende Videocalls, langsame Datenraten im Büro oder Verbindungsunterbrüche bei Handscannern weiterhin zum Alltag gehören. Bevor über WiFi 6E oder WiFi 7 gesprochen wird, lohnt sich deshalb der Blick auf die Grundlagen: eine durchdachte Funkplanung, die richtige Platzierung der Access Points und ein zuverlässiges Roaming.
Regulatorien in der Schweiz
Gut zu wissen: WiFi 7 unterstützt Kanalbreiten von bis zu 320 MHz. In der Schweiz hat das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) bisher einen 480-MHz-Block im 6-GHz-Band (5,945 - 6,425 GHz) freigegeben. Dadurch können derzeit entweder ein 320-MHz-Kanal oder beispielsweise drei 160-MHz-Kanäle genutzt werden.
Beim Einsatz externer Antennen (z.B. Richtantennen) muss deren Antennengewinn (Antenna Gain) in die Leistungsberechnung einbezogen werden, damit die zulässige abgestrahlte Gesamtleistung (EIRP) nicht überschritten wird.
Das 6-GHz-Band ist für WLAN als «Low Power Indoor (LPI) WAS/RLAN» mit maximal 200 mW EIRP (23 dBm) ausschliesslich innerhalb von Gebäuden freigegeben. Im Aussenbereich sind lediglich «Very Low Power (VLP) WAS/RLAN»-Installationen mit maximal 25 mW EIRP zulässig.
Quelle: https://www.bakom.admin.ch/de/wlan-rlan
Funkplanung, Platzierung und Roaming
Die Basis jeder leistungsfähigen WLAN-Umgebung ist das RF-Design, beziehungsweise die Funkplanung. Dennoch wird diesem Aspekt häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Passt das Design nicht zur Zielumgebung, können selbst die neusten Technologien ihre Stärken nicht ausspielen. Funktionen wie Multi-Link Operation (MLO), 4096-QAM (WiFi 7) oder etablierte Protokolle wie 802.11k, 802.11v und 802.11r entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn die physikalischen Grundlagen stimmen.
Ein erfolgreiches WLAN-Design berücksichtigt verschiedene Faktoren und Anforderungen:
- Abdeckungsradius: Gesamtfläche, Roaming-Bereiche und sekundäre Bereiche
- Umgebung: Wanddämpfung, Hindernisse, dynamische Bereiche und Deckenhöhen
- Endgeräte: Gerätetypen, Anzahl, Dichte und technische Fähigkeiten
- Netzwerkinfrastruktur: UKV, Switch-Kapazitäten, PoE-Budgets
- Anforderungen: RSSI, sekundäre Abdeckung (Redundanz), Roaming, Bandbreite und Störsignale (Noise)
Wie dieses Design ausgestaltet wird, hängt stark von der jeweiligen Umgebung ab. Ein Standort mit offenen Büroflächen, modernen Notebooks, mobilen Endgeräten und einigen Gastgeräten stellt andere Anforderungen als beispielsweise ein Spital mit abgeschirmten Räumen, WLAN-Telefonen (VoIP) und unterschiedlichsten Medizintechnik-Geräten oder ein Lagerhaus mit teilweise älteren Scannern, hohen Decken und fahrenden Objekten. Eine professionelle Planung umfasst in der Regel eine Begehung vor Ort mit Messungen (AP on a Stick), eine WLAN-Simulation sowie die Aufnahme der spezifischen Anforderungen und eine Analyse der eingesetzten Endgeräte im WLAN-Netz. Ebenso entscheidend sind die Erfahrung des Engineers sowie die Wahl der geeigneten Access Points und Antennentypen. Hohe Decken mit Montagehöhen der Access Points von über sieben Metern oder lange Gänge mit grossen Metallflächen stellen besondere Herausforderungen dar. In solchen Umgebungen sind externe Patch-Antennen oft unverzichtbar, um das WLAN-Signal gezielt auf die Lagerflächen auszurichten. Standardmässige omnidirektionale Antennen können hier zu unzureichenden Signalstärken am Boden, Roaming-Problemen oder Co-Channel-Interferenzen führen.
In jedem Fall sollte sich das WLAN-Design am «Least Capable, Most Important Device» orientieren. Die Antennenleistung und die Standards der Endgeräte können sich stark unterscheiden. Dadurch können das effektiv empfangene Signal (RSSI) und die verfügbare Sendeleistung eines älteren Handscanners deutlich von denen eines neuen Notebooks abweichen.
Für die Planung der Frequenzbänder hat sich vereinfacht folgende Strategie bewährt:
- 2,4 GHz: Legacy-Geräte und IoT
- 5 GHz: Standard-Frequenzbereich für die meisten Clients
- 6 GHz: Moderne Endgeräte und Bereiche mit hoher Client-Dichte
In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, die entsprechenden Endgerätegruppen auf dedizierte SSIDs aufzuteilen. Gleichzeitig sollten die ungenutzten Frequenzbänder konsequent deaktiviert werden. Dadurch lassen sich unnötiger Noise und Management-Traffic reduzieren, was die verfügbare Airtime verbessert. Eine bewährte Best Practice besteht darin, die Anzahl der SSIDs auf maximal drei zu beschränken. Die Zuordnung der Endgerätegruppen erfolgt dabei anhand ihrer Authentisierungsfähigkeiten wie 802.1x, Identity PSK (iPSK) oder Open/OWE (siehe Tabelle).
Jede zusätzliche SSID erhöht zudem den Management- und Broadcast-Traffic (Beacon Frames, Probe Responses, Multicast/Broadcast Frames) in der Luft auf dem Shared Medium. Dies erhöht den Protokoll-Overhead und reduziert die verfügbare Airtime für Nutzdaten. Insbesondere in dichten WLAN-Umgebungen kann dies zu geringerer Kapazität, höherer Latenz und potenziell schlechterer Client-Performance führen.
Nach der Inbetriebnahme der WLAN-Umgebung empfiehlt es sich, eine Post Site Survey, eine WLAN-Messung der Flächen im produktiven Betrieb, durchzuführen und die auf den Endgeräten gemessenen Werte mit den Designvorgaben zu vergleichen. Grobe Abweichungen können so noch angepasst werden.
Wann lohnen sich WiFi 6E oder WiFi 7?
Mit WiFi 6E wurde das WLAN um das 6-GHz-Band erweitert. Dadurch steht deutlich mehr nutzbares Spektrum zur Verfügung, was insbesondere in Umgebungen mit hoher Gerätedichte ein grosser Vorteil ist. Bürogebäude, Schulen, Spitäler oder Hotels profitieren von zusätzlichen Kanälen, einer geringeren Kanalwiederverwendung und weniger Störungen durch benachbarte Funkzellen. WiFi 6E war damit der erste bedeutende Schritt, um die Kapazitätsprobleme vieler überlasteter 5-GHz-Umgebungen nachhaltig zu entschärfen.
Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der Nutzen von WiFi 6E und WiFi 7 nicht unmittelbar und flächendeckend eintritt. Die meisten Unternehmen betreiben heute eine heterogene Client-Landschaft. Neben aktuellen Notebooks und Smartphones sind häufig auch ältere WiFi-4 oder WiFi-5-Endgeräte wie Drucker, Handscanner, Medizintechnik-Systeme, Gebäudeleitsysteme oder andere IoT-Komponenten im Einsatz. Diese Endgeräte profitieren nicht automatisch von den neuen Funktionen. Der eigentliche Mehrwert entsteht schrittweise: Je mehr moderne Endgeräte das 6-GHz-Band und die Funktionen von WiFi 7 unterstützen, desto stärker wird das gesamte WLAN entlastet. Zusätzlich wird auf dem 6-GHz-Frequenzband WPA3 verpflichtend vorausgesetzt. Dadurch profitieren Unternehmen von erweiterten Sicherheitsmechanismen wie SAE (Simultaneous Authentication of Equals), OWE (Opportunistic Wireless Encryption), Forward Secrecy und PMF (Protected Management Frames), die das Sicherheitsniveau gegenüber älteren WLAN-Generationen deutlich erhöhen.
Aus wirtschaftlicher Sicht hat sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verändert. Während WiFi 6E lange Zeit als moderne Zielplattform galt, bieten inzwischen nahezu alle Enterprise-Hersteller Access Points mit WiFi 7 an. Die Preisunterschiede zwischen vergleichbaren WiFi-6E- und WiFi-7-Modellen sind oft gering. Deshalb stellt sich heute weniger die Frage, ob WiFi 7 benötigt wird, sondern vielmehr, ob es Gründe gibt, bei einer Erneuerung der Access Points bewusst auf WiFi 6E zu setzen. WiFi 6E bleibt eine sinnvolle Wahl, wenn eine bestehende Umgebung auf einem einheitlichen Hardwarestandard gehalten werden soll oder entsprechende Hardware zu attraktiven Konditionen verfügbar ist. Besteht bereits eine stabile WiFi-6-Infrastruktur (802.11ax) und gibt es keine neuen dringlichen Anforderungen an das 6-GHz-Band, kann die Lösung bis zum regulären Lifecycle weiterbetrieben werden. Bei der nächsten Erneuerung empfiehlt sich dann der direkte Umstieg auf den jeweils aktuellen WiFi-Standard.
WiFi 7 befindet sich seitens der Endgeräte noch in einer frühen Einführungsphase. Gemäss Daten von Ookla entfielen Anfang 2026 weltweit weniger als 2 Prozent aller gemessenen WLAN-Verbindungen auf WiFi-7-Clients. Für Greenfield-Installationen mit einem Betrachtungshorizont von mehreren Jahren, beziehungsweise einem vollständigen Lifecycle, empfiehlt es sich dennoch, direkt auf WiFi 7 zu setzen. Die Investition schafft zusätzliche Reserven für künftige Endgerätegenerationen. Gleichzeitig sinkt das Risiko, bereits nach wenigen Jahren erneut modernisieren oder vorübergehend eine Mischumgebung aus WiFi-6E- und WiFi-7-Access-Points betreiben zu müssen.
WiFi-7-Spezifikationen
WiFi 7 baut auf den Erweiterungen von WiFi 6E auf und bringt zusätzliche Funktionen mit:
- Multi-Link Operation (MLO)
- 4096-QAM
- Preamble Puncturing
- Bessere Nutzung des 6-GHz-Spektrums
- Unterstützung breiterer Kanäle (bis 320 MHz)
Welche Anforderungen werden an die Infrastruktur gestellt?
Eine Modernisierung der WLAN-Umgebung betrifft nicht nur die Access Points selbst. Um das Potenzial der neuen WLAN-Technologien ausschöpfen zu können, muss auch die zugrunde liegende Infrastruktur betrachtet werden. Insbesondere der Zustand der UKV-Verkabelung sowie die Eigenschaften der Switch-Infrastruktur sollten frühzeitig analysiert werden.
Vor einer Modernisierung empfiehlt es sich deshalb, folgende Punkte zu prüfen:
- Verbaute Kabeltypen (UTP-Kategorien)
- Verfügbarkeit von Multigigabit Switchports (2,5 Gbit/s / 5 Gbit/s / 10 Gbit/s) - inklusive der Uplink-Kapazitäten innerhalb der gesamten Netzwerkinfrastruktur
- Unterstützung von PoE++ / 802.3bt Switchports
- Verfügbare PoE-Budgets auf den Switches
Zwar unterstützen viele vorhandene Cat5e- und Cat6-Installationen bereits Multigigabit-Geschwindigkeiten. Entscheidend ist jedoch der aktuelle Zustand der UKV-Infrastruktur. Kabellängen, Patchfelder, Anschlussdosen oder nicht dokumentierte Verkabelungen können die nutzbare Bandbreite sowie die Unterstützung moderner PoE-Standards beeinträchtigen.
Nicht jeder moderne WiFi-6E- oder WiFi-7-Access-Point benötigt automatisch einen Multigigabit-Uplink. In vielen klassischen Umgebungen reicht ein Gigabit-Port auch künftig aus, da die tatsächliche Auslastung stark von der Anzahl der Clients, den eingesetzten Anwendungen und den effektiven Datenraten der Endgeräte abhängt. In Bereichen mit hoher Gerätedichte, etwa in Schulungsräumen, grossen Sitzungszimmern, Hörsälen, Stadien oder öffentlichen Wartezonen, kann dies jedoch anders aussehen. Hier können Multigigabit-Anschlüsse mit 2,5 oder 5 Gbit/s sinnvoll sein, um ausreichend Kapazitätsreserven für aktuelle und zukünftige Anforderungen bereitzustellen.
Ein weiterer wichtiger Faktor sind die auf den Switches verfügbaren PoE-Standards und PoE-Budgets. Während viele aktuelle Access Points mit PoE+ (30 W) betrieben werden können, benötigen leistungsstärkere WiFi-7-Modelle teilweise bereits PoE++ (60 W), um ihren vollen Funktionsumfang auszuschöpfen. Fehlen die erforderlichen Leistungsreserven und Kapazitäten auf den Switches, können die Access Points nur mit eingeschränkter Antennenzahl, reduzierter Sendeleistung, geringen Uplink-Geschwindigkeiten oder deaktivierten Funktionen betrieben werden.
Neue Access Points reichen nicht
Eine erfolgreiche WLAN-Modernisierung beschränkt sich nicht auf den Lifecycle der Access Points. Entscheidend sind ein durchdachtes WLAN-Design und eine Infrastruktur, die auf die Anforderungen moderner WLAN-Standards abgestimmt ist. WiFi 6E und WiFi 7 bieten grosses Potenzial, entfalten ihre Vorteile jedoch erst in einem sauber geplanten Gesamtkonzept. Wer Endgeräte, RF-Design und Netzwerkinfrastruktur ganzheitlich betrachtet, schafft die Grundlage für eine moderne, leistungsfähige, sichere und zukunftsfähige WLAN-Umgebung.
Der Autor
Aron Urban ist als Professional Network & System Engineer bei
Aveniq tätig und in seiner Rolle für die Weiterentwicklung und den Betrieb moderner WLAN-Infrastrukturen sowie die Konzeption neuer WLAN-Designs verantwortlich. Aveniq ist eine Schweizer IT-Dienstleisterin für Unternehmen und Organisationen mit kritischen Infrastrukturen und primär in den Branchen Finanzdienstleister, Gesundheitswesen, Industrie, Versorger, öffentlicher Sektor und Bildungswesen tätig. Aveniq bietet ihren Kunden unter anderem Lösungen in den Bereichen Netzwerk und WLAN sowie Dienstleistungen für den modernen Arbeitsplatz, Cloud Services, SAP sowie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung und darüber hinaus CAD/PLM-Lösungen und Beratungsdienstleistungen mit Schwerpunkt IT-Infrastruktur, IT-Security und Business Continuity.