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Kolumne: Musk funkt dazwischen

Luzi von Salis beleuchtet das Netzsharing von Sunrise und Salt ­sowie die Rolle von Starlink.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/10



In der Schweiz führen neue Mobilfunkantennen zu Einsprachen und langen Verfahren. Gleichzeitig erwartet die Kundschaft selbst im hintersten Tal lückenlosen Empfang. Funklochromantik endet beim ersten abgebrochenen Call.

Da wirkt die Ende August angekündigte Kooperation von Sunrise und Salt zwingend. Beide prüfen, ihre Infrastruktur in ländlichen Gebieten stärker gemeinsam zu nutzen. Das verspricht bessere Abdeckung, geteilte Kosten, weniger Baugesuche und höhere Wettbewerbsfähigkeit. Weshalb sollen in einem Tal drei Betreiber je einen Mast samt Strom und Datenanbindung finanzieren? Weil Effizienz ihren Preis hat.


Sharing ist nicht gleich Sharing. Es macht einen Unterschied, ob zwei Anbieter nur den Standort nutzen oder auch Antennen, Funktechnik und Netzkomponenten teilen. Mit jedem gemeinsamen Bauteil wachsen Einsparungen und neue Abhängigkeiten. Ein technischer Fehler kann plötzlich zwei Netze treffen. Der Anreiz schwindet offensichtlich, selbst in wenig rentable Regionen zu investieren.

Auf dem Display flackert Sunrise oder Salt. Darunter könnte neu in Randregionen dasselbe Netz arbeiten. Wettbewerb gäbe es dann vor allem bei Preisen, Abos und Werbung. Wie eigenständig sind drei Netze noch, wenn zwei nur noch Teile davon gemeinsam betreiben? Wie viel Anteil müssen sie mindestens selber aufbauen? Und dann funkt noch Musk dazwischen!

Die nächste Antenne steht nicht auf der Alp, sondern fliegt Hunderte Kilometer über uns. Mit «Direct to Cell» lässt Starlink Satelliten wie Funkmasten im All arbeiten. Gewöhnliche Smartphones können sich ohne Spezialgerät oder App mit ihnen verbinden.
Pikant: Salt flirtet nicht nur mit Sunrise, sondern arbeitet bereits mit SpaceX. Im Juli 2025 schickte Salt bei einem Test erstmals in Europa eine SMS über Starlink an ein 4G-Smartphone. Noch war das ein Test. Doch Starlink ist Zulieferer, Partner und potenzieller Konkurrent zugleich. Ganz unabhängig ist der Space-Cowboy nicht. Direct to Cell benötigt Frequenzen und einen lokalen Mobilfunkpartner. Starlink ist vorerst kein viertes Vollnetz, sondern eine Schicht über bestehenden Netzen. Heute ergänzend, morgen vielleicht bestimmend.

Satelliten ersetzen Bodeninfrastrukturen nicht. Ihre Kapazität ist begrenzt, sie brauchen Sicht zum Himmel, und in Gebäuden bleiben Funkzellen unverzichtbar. Für Randregionen ändert sich die Rechnung trotzdem: Bisher hiess es: «Wer baut den nächsten Mast?» Künftig fragt man, ob es ihn noch braucht!


Das ist gleichzeitig Chance und Risiko. Satelliten schaffen bei Katastrophen oder Netzausfällen eine Reserve. Gleichzeitig hängt sie an einem ausländischen Privatunternehmen, das Satelliten, Raketen und Plattform kontrolliert. Die Ukraine und Russland haben erlebt, dass Starlink-Verfügbarkeit eine politische Entscheidung sein kann. Wollen wir unsere Krisenkommunikation vom Gemütszustand eines Tech-Bros abhängig machen?

Die Behörden sollten Sharing ermöglichen, aber Grenzen ziehen. Betreiber müssen eigenständig bleiben, Mindestabdeckungen selbst gewährleisten und gemeinsame Ausfallrisiken offenlegen. Dasselbe gilt für Abhängigkeiten vom Orbit.

Wettbewerb misst sich künftig nicht an der Zahl der Masten, sondern an unabhängigen Datenwegen. Über den nächsten Hügel oder durchs All. Hauptsache, am Ende hält nicht einer allein den Kill-Switch in der Hand.
Luzi von Salis ist Geschäfts­führer der Firma Von Salis ­Engineering und agiert als Interim-­Manager, Konsulent sowie als «Business Troubleshooter» im ICT-Sektor. In seiner Kolumne kommentiert und beleuchtet er aktuelle Themen aus dem ICT-Bereich.
luzi.vonsalis@vseng.ch


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