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CIO-Interview: «Die IT schiesst noch keine Tore»
Quelle: Schweizerischer Fussballverband (SFV)

CIO-Interview: «Die IT schiesst noch keine Tore»

Martin von Schroeder, Direktor Digital Services beim Schweizerischen Fussballverband, spricht im CIO-Interview über die IT-Infrastruktur des SFV, die Modernisierung von Clubcorner, den Einsatz von Daten und KI sowie anstehende Digitalprojekte.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/10



«Swiss IT Magazine»: Die Schweizer Nationalteams haben in den vergangenen Jahren immer wieder sportlich auf sich aufmerksam gemacht. Welchen Anteil haben Sie und Ihr Digital-­Services-Team an solchen Erfolgen? Oder anders gefragt: Wie weit reicht die IT beim SFV bis auf den Fussballplatz?
Martin von Schroeder:
Eigentlich will sich wahrscheinlich jeder eine Scheibe von diesem Erfolg abschneiden. Am Schluss ist es aber so, dass die IT heute noch keine Tore schiesst. Sie muss dafür sorgen, dass die Voraussetzungen für den Erfolg gegeben sind. Die Digitalisierung muss vom Breitenfussball bis hoch zu den Nationalteams administrative Aufgaben so effizient wie möglich gestalten, damit möglichst viel Zeit für die Ausbildung, die Arbeit auf dem Rasen und so für den Fussball bleibt. Unser Beitrag besteht darin, den Leuten den Rücken freizuhalten, damit sie schneller, sicherer und datengetriebener arbeiten können. Gleichzeitig reicht die IT heute tatsächlich bis auf die Ersatzbank. Dort sieht man bei jedem Spiel die Video- und Spielanalysten, die in Echtzeit mit spezialisierten Tools Videos analysieren. So kann der Trainer unmittelbar Einfluss auf das Spiel nehmen. Allerdings sind wir seitens IT hierbei höchstens am Rande involviert. Im Bereich Spielanalyse kommen spezialisierte Cloud Services zum Einsatz.

Sind Sie bei der Evaluation solcher Tools involviert?
Ich bin mit von der Partie, ja. Der Lead liegt aber immer beim jeweiligen Fachspezialisten. Der Chef der Videoanalyse muss beispielsweise die Bedürfnisse erfassen und die Ausschreibung machen. Ich begleite das von der technischen Seite: Gibt es Daten, die wir beisteuern können? Welche IT- oder Datenschutzthemen müssen wir berücksichtigen? Der Schlussentscheid liegt bei solchen Spezialthemen aber im Fachbereich.


Fakt ist, dass die Schweiz innovativer sein muss als andere Länder, um mit den grossen Fussballnationen mithalten zu können. Kann die IT bei dieser Innovation ebenfalls eine Rolle spielen?
Im Wesentlichen kochen dort alle mit Wasser und verwenden mehr oder weniger dieselben Tools. Der Unterschied, den man ausmachen kann, liegt in den eigenen Daten. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Nachwuchsförderung gestalten und sicherstellen können, dass wir die besten Spieler und Spielerinnen mit Schweizer Nationalität auf der ganzen Welt im Auge behalten und niemanden verlieren. Früher war man sich nicht sicher, ob junge Spieler durchs Raster gefallen sind. Heute versuchen wir auch aufgrund von Videos und Daten, die unter anderem auch wir erfassen, Spieler zu finden oder zu beobachten, die sonst vielleicht verloren gegangen wären. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was machen wir als Verband mit unseren eigenen Daten? Dort haben wir eigene Tools, die wir in Zusammenarbeit mit den Fussballspezialisten entwickeln.

Was würden Sie als die wichtigsten Aufgaben Ihrer Direktion bezeichnen?
Die wichtigste Aufgabe ist die Sicherstellung des operativen Betriebs. Einerseits gibt es den klassischen ICT-Servicebereich mit Arbeitsplätzen, Servern, Peripheriegeräten et cetera. Das machen wir für den SFV, die Abteilungen und die 13 Regionalverbände. Wir sind dafür der ICT-Provider. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass alles läuft, die Leute arbeiten können, Support erhalten und die Systeme und Daten sicher sind. Der zweite Bereich ist die Betreuung der Vereine. Wir haben Systeme gebaut, die jeder Schweizer Fussballclub verwenden muss. Dort arbeiten mittlerweile rund 80’000 User mehr oder weniger täglich mit unseren Systemen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir sehr stark daran gearbeitet, Vereinsprozesse zu automatisieren und zu vereinfachen, damit mehr Zeit für die eigentliche Vereinsarbeit bleibt. Gleichzeitig versuchen wir heute noch stärker, den Fussball und insbesondere die Entwicklung der Talente digital zu unterstützen. Fussballspezifische Projekte werden durch unsere ICT-Mitarbeitenden mit erarbeitet, begleitet, getestet und eingeführt. Datengetriebenes Arbeiten gewinnt deshalb an Bedeutung. Neben dem Betrieb und der Weiterentwicklung unserer Applikationen machen wir deshalb zunehmend Datenanalyse; wir haben auch einen Mitarbeiter, der sich dediziert um Business Intelligence kümmert.
Martin von Schroeder
Martin von Schroeder (47) ist seit zehn Jahren für den Schweizerischen Fussballverband (SFV) tätig. Nach Lehre und Berufseinstieg bildete er sich in Wirtschaftsinformatik weiter und erwarb unter anderem einen EMBA. Nach einer Station in der IT-Leitung bei Bern Tourismus und bei Privera stiess er zum SFV. Heute ist er Direktor Digital Services und Mitglied der Geschäftsleitung. Martin von Schroeder ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in der Region Bern. Er selbst kommt sportlich aus dem Handball.
Wie werden die Dienstleistungen, die der SFV für die Vereine erbringt, finanziert?
Wir sehen uns als Dienstleister für den Schweizer Fussball. Der Nutzen steht im Vordergrund. Die Entwicklung von Clubcorner, der zentralen Anwendung im Schweizer Fussball, hat der Verband finanziert. Auch unser internes ERP-System für den SFV, die Abteilungen und Regionalverbände, das unter anderem den Spielbetrieb sicherstellt, dessen Weiterentwicklung und Wartung finanziert der Verband. Weil die ICT aber immer teurer wird und die Anforderungen steigen, haben wir vor zwei Jahren beantragt, bei den Vereinen einen digitalen Zweifränkler pro lizenziertem Spieler zu erheben. Dadurch haben wir einen wiederkehrenden Beitrag, mit dem wir in ICT-Personal, Security und Projekte investieren können. Denn das Geld des Verbands muss in erster Linie in den Fussball fliessen und nicht nur in die ICT.

Was passiert, wenn ein Verein mit einer spezifischen Anforderung auf Sie zukommt?
Wir können nicht jeden Wunsch eines einzelnen Vereins erfüllen. Wir schauen darauf, dass die Mehrheit von einer Entwicklung profitieren kann. Wenn die Mehrheit – ein bisschen schweizerdemokratisch – sagt, dass sie etwas braucht, dann versuchen wir dies zu realisieren. Für die Vereine ist das grundsätzlich kostenlos. Es gibt aber auch Dienstleistungen, die wir verrechnen dürfen. Wir haben beispielsweise Schnittstellen gebaut, damit Vereine auf ihren eigenen Websites Spielresultate abbilden können. Wer diese Daten beziehen will, bezahlt dafür einen Betrag. Damit wollen wir primär kein Geld verdienen, sondern den Betrieb der Schnittstellen finanzieren und wiederum Mittel für Neues generieren.


Wie gross ist letztlich der Budgetdruck?
Im Vergleich zur Privatwirtschaft ist er sicherlich weniger gross. Im Verband besteht aber ein gutes Verständnis dafür, welche Investitionen nötig sind. Gleichzeitig habe auch ich natürlich keine unbeschränkten Mittel. Aber wenn die Spieler richtig gut ausgebildet werden sollen und wir dafür die richtigen Tools brauchen, lohnt sich ein Investment.

Wie ist Ihre Abteilung organisatorisch aufgestellt und wie gross ist Ihr Team?
In der Direktion Digital Services sind es vier Teams. Das kleinste habe ich bereits erwähnt, das kümmert sich um Business Intelligence und besteht aus einer Person. Dann haben wir die Teams ICT Operations & Services und ICT Applications & Services. Operations mit drei Personen umfasst die klassische ICT mit Infrastruktur, Rechenzentren, Services und Standarddienstleistungen sowie First- und Second-Level-Support. Wir verfolgen hierbei eine klare Cloud-First-Strategie, entsprechend sind bei ICT Operations etwa das Azure-Rechenzentrum und die Microsoft-Produkte angesiedelt. Sobald es um Eigenentwicklungen geht, übernimmt das ICT-Application-Team mit sechs Leuten, beziehungsweise rund 5,2 FTEs. Dieses Team kümmert sich um das interne ERP-System, Clubcorner, football.ch, die Clubcorner-App, die Ticker App und um die vielen kleineren Anwendungen, die wir in den letzten Jahren entwickelt haben und betreiben dürfen. Um die eigentliche Entwicklung der Anwendungen kümmern sich externe Partner. Das interne Team ist für Projektmanagement, Requirements Engineering, Change Requests, Testing und Support zuständig, bildet das Bindeglied zwischen den Entwicklern und dem SFV und begleitet die Anwendungen bis zur Einführung und danach im Betrieb. Der Bereich Spielerkontrolle mit fünf Personen schliesslich ist für Transfers und Neuanmeldungen zuständig und kümmert sich beispielsweise auch um den Datenaustausch mit der FIFA. Insgesamt sind wir rund 15 Leute und suchen weitere Mitarbeitende. Die Bedürfnisse wachsen, der Druck nimmt zu und die Geschwindigkeit ebenfalls.
Sie haben es gesagt, Sie betreiben Systeme für den gesamten Schweizer Fussball. Wie komplex ist diese IT-Landschaft?
Die Komplexität ist sehr gross. Wir haben Systeme gebaut, die in Echtzeit miteinander interagieren, damit möglichst wenige manuelle Tätigkeiten nötig sind. Ein Beispiel: Im internen System wird ein Spiel zwischen Team A und Team B erstellt. Danach wird ein Prozess ausgelöst, bei dem ein Schiedsrichter hinzugefügt wird. Im Clubcorner sieht der Verein, wann und wo er spielen muss, und erstellt die Spielkarte digital. Am Match kann der Schiedsrichter die Spielerkontrolle digital auf der Clubcorner-App durchführen. Während des Spiels lassen sich mit der Ticker-App die Tickerfunktionen nutzen. Alles, was dort erfasst wird, ist in Echtzeit in allen Systemen und gleichzeitig im Internet verfügbar. Wir sprechen dabei von über 100’000 Spielen im Jahr. Die Durchgängigkeit der Prozesse ist zwar hervorragend, macht Veränderungen aber herausfordernd. Eine vermeintlich kleine Änderung hat schnell Auswirkungen auf mehrere Systeme und verursacht ent­sprechende Kosten. Deshalb überlegen wir immer wieder, ob diese hohe Integration richtig ist oder ob wir vereinfachen müssen.

Wie kritisch ist die Verfügbarkeit? Fussball findet schliesslich vornehmlich dann statt, wenn andere IT-Abteilungen Feierabend haben.
Sehr kritisch. Wir haben sehr viel in die Stabilität investiert, denn wenn Clubcorner in der Vergangenheit nicht funktioniert hat, wurde es rasch ungemütlich. Inzwischen darf ich aber sagen, dass wir sehr stabil unterwegs sind. Und wenn es mal zu Problemen kommt, haben wir das Glück, Mitarbeitende und Partner zu haben, die den Fussball lieben und die speziellen Umstände kennen.


Ist Fussballbegeisterung ein Auswahlkriterium bei der Wahl der IT-Partner?
Ja, das spielt sicherlich auch eine Rolle. Fussball findet mittlerweile fast 24/7 statt, gleichzeitig kann der Verband keine 24/7-SLAs finanzieren. Deshalb suchen wir Partnerschaften mit Unternehmen, deren Mitarbeitende den Fussball genauso gerne haben wie wir. Und es ist tatsächlich so: Wenn wir am Sonntagmittag mit einem Problem anrufen, wird alles stehen und liegen gelassen, um uns zu helfen. Die geleisteten Stunden bezahlen wir natürlich, aber wir brauchen dafür kein SLAs. Es geht nicht alles über Bürokratie und Verträge, sondern wir können mit Menschen zusammenarbeiten, die den Sinn und Zweck dahinter sehen. Das hilft uns auch bei der Rekrutierung. Man ist nah am Fussball und die Materie ist eine andere als in anderen Branchen. Das ist ein Bonus, wenn es darum geht, gute Mitarbeitende zu finden.

Sie haben Clubcorner schon mehrmals erwähnt. Die Anwendung wurde im Februar grundlegend überarbeitet. Wie gross war dieses Projekt?
Die Reise von Clubcorner begann vor rund 13 Jahren. In den folgenden Jahren wurde die Plattform kontinuierlich ausgebaut und um zahlreiche Funktionen und Verbandsprozesse erweitert. In den letzten Jahren hat sich das Nutzerverhalten stark verändert. Immer mehr Anwender und Awenderinnen greifen heute über das Smartphone auf Clubcorner zu. Deshalb wurde bereits vor einigen Jahren eine App eingeführt, die erste mobile Funktionen abdeckte. Mit dem Wachstum von Clubcorner und den gestiegenen Erwartungen an mobile Anwendungen war jedoch der Zeitpunkt gekommen, die App grundlegend zu überdenken. In einem ersten Schritt haben wir sie komplett neu gestaltet und zusätzliche Funktionen integriert, bei denen wir wussten, dass sie von Nutzern und Nutzerinnen hauptsächlich mobil verwendet werden. Dieses Redesign hat rund ein Jahr gedauert.
Ist das Projekt abgeschlossen?
Nein, wir richten nun den Fokus auf die Webapplikation. Dabei geht es nicht nur um eine optische Modernisierung, sondern vor allem darum, die Nutzer und ihre Tätigkeiten noch stärker ins Zentrum zu stellen und die Prozesse konsequent an ihren Bedürfnissen auszurichten Das ist technologisch herausfordernd. Wir, wie auch unser Entwicklungspartner, haben dabei schon ein paar Mal geschwitzt. Dabei darf man nicht vergessen: Clubcorner ist nicht einfach eine hübsche App, sondern dahinter stehen komplexe Arbeitsprozesse. Deshalb mussten wir entscheiden, was in einem ersten Schritt überhaupt aufs Smartphone gehört.

Was war denn besonders herausfordernd?
Dass ein System funktioniert, davon geht man aus. Umso wichtiger werden UX und UI. Daran misst der User, ob etwas funktioniert. Eine der grossen Herausforderungen ist die heterogene Nutzerbasis. Es gibt Leute, die solche Anwendungen nicht gewohnt sind, und solche, die selbst in der IT arbeiten und Anwendungen bauen. Aber alle müssen Clubcorner bedienen können. Unter anderem auch wegen der Sprachvielfalt versuchen wir nicht mit zu komplexen Begriffen zu arbeiten, sondern wollen gewisse Dinge etwa mit Icons lösen.


Ich möchte auf das Thema Daten zurückkommen. Beim SFV laufen enorme Mengen an Daten aus dem Schweizer Fussball zusammen. Welche Rolle spielen diese heute?
Eine immer grössere. Wir haben Spielbetriebsdaten aus der Breite – Spielpläne, Resultate, Torschützen, Spielzeiten. Dort haben wir die schöne Ausgangslage, dass wir Single Owner dieser Daten sind. Sie fliessen bei uns zusammen und wir können sie entsprechend nutzen, etwa für die Vermarktung – als Einnahmequelle für den Verband, die Regionalverbände und die Abteilungen. Auf der anderen Seite sammeln wir vom Nachwuchs-Spitzenfussball bis zu den Nationalteams andere Daten, beispielsweise Leistungstests und individuelle Spielerdaten. Diese Daten vermarkten wir selbstverständlich nicht, sondern nutzen sie für die Entwicklung des Fussballs und der Spieler und Spielerinnen.

Macht dieser Datenbestand den SFV zu einem attraktiven Ziel für Cyberkriminelle?
Wir achten bewusst darauf, wirklich sensitive Daten wie Gesundheitsdaten aktuell nicht bei uns zu halten, weil dort der grösste Schaden entstehen würden, wenn solche Daten nach aussen gelangen. Natürlich haben wir sehr viele Personeninformationen. Auch diese müssen wir schützen, sie sind allerdings nicht ganz so sensibel. Nichtsdestotrotz haben wir in den vergangenen drei Jahren sehr viel Geld – jährlich einen mittleren sechsstelligen Betrag – und Ressourcen in die Sicherheit unserer Infrastruktur investiert, wir haben beispielsweise einen externen CISO und führen regelmässig Penetrationstests durch.
Sie haben KI in einem Interview Anfang 2025 als wichtiges Thema bezeichnet, gleichzeitig aber auch von viel Hype und Unkenntnis gesprochen. Hat sich Ihre Einschätzung verändert?
Nicht grundlegend, Nein. Bei KI braucht es den richtigen Use Case. Es ist wie bei jedem anderen Tool: Man muss wissen, was man damit machen will, geschult sein und es richtig einsetzen. Dann entsteht ein Mehrwert. Intern haben wir Copilot von Microsoft eingeführt, und Kurse für Mitarbeitende organisiert. Dort ging es unter anderem darum, konkrete Use Cases aus dem Business mit KI zu lösen. Wenn man die Leute an die Hand nimmt und durch die KI- beziehungsweise Copilot-Welt führt, entsteht etwas daraus. Alles andere ist sonst wohl Googeln für Fortgeschrittene.

Wurden beim SFV solche Business Cases für KI gefunden?
KI ist zum Beispiel ein Thema im Zusammenhang mit den teils komplizierten Reglementen im Fussball. Wir würden gerne einen Chatbot schaffen, bei dem ein Funktionär einfach eine Frage zum Reglement stellen kann und die passende Antwort erhält. Allerdings ist das nicht ganz einfach, die Verknüpfungen sind extrem komplex. Dieses Thema behalten wir aber im Auge. Ausserdem versuchen wir, die Entwicklung von Clubcorner KI-gestützt zu unterstützen. Dabei geht es etwa um Mock-ups und darum, die Usability eines Prozesses darzustellen, bevor er in die Entwicklung geht. Ein weiterer Bereich ist der Support, damit ein System bei wiederkehrenden Fragen eine passende Antwort vorschlagen kann. Und im Scouting wird beispielsweise Speech-to-Text wichtiger. Die Maschine soll uns letztlich dabei unterstützen, unsere Ziele effizienter zu erreichen. Dabei stellen sich aber immer auch Fragen zu Compliance, Datenschutz und Datensicherheit. Dieser Spagat zwischen Geschwindigkeit und den Vorgaben ist herausfordernd.


Welche weiteren IT-Projekte stehen beim SFV in den kommenden Monaten an?
Wir wollen eine Schweizer Fussball-App, in einem ersten Schritt für die Resultate entwickeln, damit könnten wir das heutige Matchcenter im Internet ablösen, das auf dem Handy nicht mehr zeitgemäss ist. Eine App eröffnet zudem viele Möglichkeiten, beispielsweise Push Notifications für Spiele, die einen interessieren. Es existieren viele Ideen. Zuerst müssen wir aber eine App schaffen, die gut daherkommt, bedienbar ist und sich konsequent auf den Schweizer Fussball konzentriert. Dann haben wir eine spezielle App für den Nachwuchs-Spitzenfussball geplant. Diese richtet sich an unsere rund 6000 Fussballerinnen und Fussballer, die sich in diesem Förderkanal auf dem Weg in Richtung Spitzenfussball befinden. Damit wollen wir die Zusammenarbeit zwischen Verein, Verband und Spieler verbessern und spezifische Daten erfassen, sammeln und bearbeiten. Ausserdem haben wir in diesem Jahr mit einer Schweizer Top-Spielerinnen- und -Spieler-Datenbank begonnen. Dort visualisieren wir, wo sich Spieler mit Schweizer Nationalität auf der ganzen Welt bewegen und wie ihre Performance aussieht: Wie viele Spiele machen sie? Wie viele Tore schiessen sie? Wir wollen solche Informationen künftig stärker in unserem eigenen SFV-System zusammenführen, damit man sie nicht mehr aus verschiedenen Portalen zusammensuchen muss. Daneben gibt es Themen, die nie weggehen – Security etwa und die Steigerung der Effizienz.

Und wenn wir zwei oder drei Jahre vorausblicken: Welche Bereiche des Schweizer Fussballs möchten Sie mithilfe der Digitalisierung weiter verändern?
Ein zentrales Anliegen lautet, die Sichtbarkeit des Schweizer Fussballs weiter zu erhöhen und sein Bild noch digitaler zu machen. Auf Vereinsseite wollen wir noch mehr Unterstützung bieten. Wir müssen die Vereine fragen: Wo drückt der Schuh? Das müssen uns diejenigen sagen, die täglich mit unseren Systemen arbeiten. Wir sollten das nicht einfach selbst bestimmen. Den Vereinen und Funktionären das Leben weiter zu vereinfachen, bleibt ein grosser Punkt und ist auch ein Auftrag des Verbands. Ein weiterer Fokus ist, die Nationalteams und den Spitzenfussball noch stärker zu unterstützen, damit sie die richtigen Entscheide treffen und mit den richtigen Tools effizient arbeiten können.

Zur Organisation

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) ist die Dachorganisation des Schweizer Fussballs und wurde 1895 gegründet. Er gliedert sich in die drei Abteilungen Swiss Football League, Erste Liga und Amateur Liga sowie 13 Regionalverbände. Dem SFV gehören 1345 Vereine mit fast 18’100 Teams und rund 369’000 lizenzierten Spielerinnen und Spielern an. Neben dem Spielbetrieb verantwortet der Verband unter anderem die Nationalteams und die Nachwuchsförderung. Sitz des SFV ist das Haus des Schweizer Fussballs (Bild) in Muri bei Bern.


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