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CloudOps für KMU: Bestehende IT nutzen und konsistent erweitern

Für KMU sind Cloud Operations (CloudOps) häufig nicht die erste Priorität oder überhaupt ein bekanntes Thema. Doch schon wirtschaftliche Gründe sprechen dafür. Für KMU erfordern sie aber einen eigenen Weg.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/06



Kleine und mittelgrosse Unternehmen bis 250 Mitarbeiter haben in der Schweiz einen Anteil von 99,7 Prozent. Die hiesige Wirtschaft wird damit, wie übrigens in den meisten Ländern, weitgehend von KMU getragen. Gleichzeitig unterliegen sie auch in der Schweiz mit ihren vielen alteingesessenen Traditionsunternehmen einer hohen Dynamik. Im Schnitt sind Einzelunternehmen, die 55 Prozent der hiesigen KMU stellen, zwölfeinhalb Jahre alt. Bei GmbHs liegt dieser Wert bei neun Jahren, bei AGs bei knapp 20 Jahren. Die Hälfte aller neuen Firmen scheidet innerhalb von fünf Jahren wieder aus dem Markt aus.

In diesem Umfeld sind Cloud Operations (CloudOps) häufig nicht die erste Priorität oder überhaupt ein bekanntes Thema, sobald die Anforderungen über cloudbasierte Endnutzerwerkzeuge wie Anwendungen für Büroaufgaben, Inventarverwaltung, Logistik, die Buchhaltung oder einen Webshop hinausgehen. Bereits die relativ hohe Frequenz von Geschäftsgründungen und -aufgaben, regelmässige Wechsel des Geschäftsfeldes sowie die enge Bindung an einen Gründer beziehungsweise Eigentümer stellen Hürden dafür dar, komplexe und zu einem gewissen Grad abstrakte Strukturen und Prozesse zu etablieren, wie es CloudOps vorsehen.


Dazu kommt der stark operative Fokus von KMU; vielfach werden CloudOps als optionale Ergänzung eingestuft, wenn alles andere erst einmal läuft, nicht als Basis aller Cloud-Aktivitäten. KMU verfolgen oft einen Ad-hoc-Ansatz und übernehmen cloudbasierte Tools und Services vielfach erst, wenn diese notwendig oder allgemein üblich werden. Langfristig führt das jedoch zu Inkompatibilitäten und unzureichender Transparenz in Bezug auf Tools und Teams, zu einer Zunahme von potenziellen Schwachstellen sowie zu höheren Kosten. Nicht zuletzt wird das Innovations- und Wachstumspotenzial des eigenen Unternehmens nicht ausgeschöpft – eventuell mangels Daten nicht einmal erkannt.

Betriebswirtschaftlichen Vorteile der Cloud nutzen

Der CloudOps-Ansatz ist dagegen strategisch ausgerichtet und proaktiv. Er umfasst nicht nur den operativen Betrieb von Cloud-Anwendungen, sondern beschreibt ein ganzheitliches Konzept: Strategien, Werkzeuge und Prozesse, um Cloud-Infrastrukturen und -Diensten bereitzustellen, zu verwalten, abzusichern und zu optimieren. Es soll einen kurzfristigen, opportunistisch oder technisch getriebenen Aktionismus verhindern und darauf hinwirken, über alle Cloud-Aktivitäten auf Basis der unternehmerischen Ziele zu entscheiden. CloudOps haben das übergreifende Ziel, die betriebswirtschaftlichen Vorteile der Cloud für das Unternehmen und nach dessen Bedarf zu nutzen, sind also nie Selbstzweck.

Aus Führungssicht umfasst CloudOps sämtliche erforderlichen Managementaufgaben, um eine Cloud-Umgebung wie vorgesehen aufrechtzuerhalten und die damit verbundenen Aufgaben zu automatisieren. Drei Hauptziele haben die Teams dabei zu verfolgen:


• Orchestrierung: Die Koordinierung automatisierter Cloud-Managementaufgaben in umfassenden Workflows, unter anderem durch Provisionieren, Koordinieren sowie Migrieren von Infrastruktur, Anwendungen, Workloads und Daten in die Cloud.

• Operationalisierung: Die täglichen Aufgaben, die dafür sorgen, dass die IT-Systeme im Unternehmen wie vorgesehen funktionieren, unter anderem durch Monitoring, Fehlererkennung und -beseitigung, Wartung sowie Optimieren der Konfiguration.

• Governance: Das Definieren, Implementieren und Überwachen eines Frameworks von Regeln und Richtlinien, um Cloud-Operationen zu steuern und die Arbeitsweise der Mitarbeiter des Unternehmens in der Cloud-Umgebung zu regeln.

KMU sollten sich schon aus wirtschaftlichen und arbeitsorganisatorischen Gründen mit CloudOps beschäftigen. Dazu gehören die wachsende Bedeutung digitaler Produkte und Vertriebswege, die interne und externe Zusammenarbeit auf Cloud-Plattformen sowie der Einsatz von Automatisierung und KI zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung. All diese Anwendungen laufen heute zumindest teilweise (hybrid) oder ganz in der Cloud. Daneben eignen sich CloudOps dafür, eine historisch gewachsene, inzwischen nicht mehr geeignete oder überholte Unternehmens-IT zu korrigieren und auf eine zeitgemässe Plattform zu überführen. Das ist vielfach bereits notwendig, um den aktuellen rechtlichen Anforderungen zu genügen, Mitarbeiter- und Kundendaten sowie Betriebsgeheimnisse zu schützen.

Im Prozess keine neuen Silos schaffen

Ein häufiger, allerdings nicht empfehlenswerter Ansatz ist hier, CloudOps zunächst nur für ausgewählte Unternehmensbereiche oder Einzelprojekte anzuwenden. Dieser Ansatz nimmt seinen Anfang oft im Produktmanagement, wenn die vorhandene IT nicht mehr den aktuellen Anforderungen genügt. Beispiel: Eine Bank, die ihre neue Finanz-App für junge Kunden auf separater Infrastruktur entwickelt und betreibt, weil sie die Modernisierung ihrer Bestands-IT und die Migration ihrer Geschäftsdaten und -prozesse scheut. Dieser Ansatz erlaubt zwar, im ausgewählten Einzelfall innerhalb von wenigen Monaten voranzukommen, weil die Abhängigkeiten gering sind. Das schafft jedoch neue Silos und macht das spätere Zusammenführen zu einem schwierigen mehrjährigen Projekt oder ganz unmöglich.


Da KMU schon von ihren Ressourcen her typischerweise gar nicht in der Lage sind, ihre Bestands-IT in einem Schritt hinter sich zu lassen, und ein kompletter Wechsel in die Cloud sowieso meist weder machbar noch sinnvoll ist, empfiehlt sich ein anderer Ansatz: Die bestehenden Möglichkeiten nutzen und erweitern, das aber konsistent. Die Strategie- und Konzeptelemente von CloudOps geben hier den Rahmen und die Richtung vor, so dass die Einzelmassnahmen über die Zeit zusammenlaufen. Das erlaubt KMU, sich entsprechend ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Das scheint anfangs zwar der langsamere, umständlichere Weg als eine Lösung auf der grünen Wiese, ist auf lange Sicht aber der schnellere und effektivere. Er ermöglicht zudem allen Beteiligten im Unternehmen und ausserhalb, sich fachlich und organisatorisch mitzuentwickeln.

Von On-Premises-Anwendungen zu Plattform-Engineering

Der Einsatz von CloudOps reduziert den Bedarf an teuren, zudem oft kaum verfügbaren Spezialisten beziehungsweise sofortigen Weiterbildungen für das ganze Team. Neue Fähigkeiten und Erfahrungen mit der Cloud können stattdessen, basierend auf dem Vorhandenen, nach eigenem Bedarf und den Möglichkeiten schrittweise aufgebaut und erweitert werden. Dazu gehört die Evolution von On-Premises-Anwendungen in Richtung Plattform-Engineering mit ausreichender Standardisierung und Offenheit (z.B. auf Red Hat OpenShift), die die spätere Verlängerung in die Cloud vorbereitet und erleichtert. Ein weiterer empfehlenswerter Strang in dieser Evaluation ist die Modernisierung von VMs zu Containern (z.B. mit Kubernetes). Sie ermöglicht durch die Paketierung von Anwendungen und Abhängigkeiten, dass diese zukünftig konstant auf jedem System laufen – lokal, hybrid oder ganz in der Cloud.


Hierbei handelt es sich nicht um eine neue Version des alten End-to-End-Versprechens proprietärer Anbieter, das sich schon in der Vergangenheit selten einlösen liess. Die Realität der meisten Unternehmen ist heute die hybride Cloud, oft als Multi-Vendor-Cloud ausgestaltet, mit einer Vielzahl von Anwendungen verschiedener Anbieter. Insbesondere im KI-Bereich ist die Dynamik hoch, was aktuell bevorzugte Anbieter und Lösungen angeht. Der Ehrgeiz einer Cloud­Ops-Strategie sollte daher nicht darin liegen, sich möglichst wieder an einen, nun hoffentlich geeigneten Anbieter binden zu wollen, sondern sich digitale Souveränität zu schaffen: Die Möglichkeit, durch Standardisierung und Offenheit immer nach eigenem Bedarf auswählen und auch wechseln zu können. Praktisch alle Hyperscaler und ebenso die meisten regionalen Cloud-Anbieter unterstützen offene Plattformen, teilweise auch als Managed-Platform-Angebote im Pay-as-you-go-Modell (z.B. bei AWS, Microsoft, Google und IBM). Das bedeutet, dass sie sie im Rahmen eines kommerziellen Angebotes verwalten und warten, während sich das KMU als Kunde auf seine Anwendungen und Daten konzentrieren kann, aber immer auch in der Lage ist, leicht wieder zu wechseln. Auch lokale Anbieter, oft selbst KMU, wie VSHN bieten diesen Ansatz an (siehe Box). Sie sind eine interessante Option, wenn digitale Souveränität ein Fokusziel der eigenen CloudOps ist.

KI-Einsatz schrittweise weiterentwickeln

Die schrittweise Evolution im Rahmen einer übergreifenden CloudOps-Strategie sollte sich auch auf KI-Anwendungen erstrecken, die KMU im Normalfall technisch und finanziell überfordern, sobald es um mehr als um den individuellen Einsatz von generativer KI für Recherchen und Texterstellung geht. Chatbots sind hier der typische niedrigschwellige Einstieg, um den Mitarbeiterbedarf im Kundenservice zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Anfangs vielleicht sogar mit manuell eingepflegten Fragen und Antworten gestartet, kann der nächste Schritt darin bestehen, ihre Zahl und Qualität durch den Zugriff auf interne Dokumente und Datensätze sowie ein kompaktes eigenes Small Language Model (SLM) zu verbessern. Oft zeigt sich dann als Hürde, dass Daten bisher unstrukturiert, abgeriegelt in PDFs oder in zweifelhafter Qualität vorliegen, was den nächsten Evolutionsschritt erlaubt. Hier erschliesst CloudOps neben externer Speicher- und Rechenleistung sowie Zugriff auf leistungsstarke LLMs die Möglichkeit, jeden Bereich im Unternehmen neu und effizienter auszurichten.

Generell sollten CloudOps die gewünschten Ziele, Standards, Prozesse und Wege dahin definieren – mindestens für das gesamte Unternehmen, besser für das weitere Umfeld (Partner, Kunden). Wenn sie alle dieselben Standards und Fähigkeiten nutzen, man sich also im selben, möglichst offenen Ökosystem bewegt, reduziert das die Abhängigkeit von neuen oder heute veralteten Spezialkenntnissen. Gelegentliche schnelle Erfolge mit Einzelprojekten sollte man durchaus suchen, um neue Technologien zu verstehen und direkt nutzbringend einzusetzen, was alle Beteiligten motiviert. Aber das muss immer im Rahmen der Gesamtstrategie erfolgen, um sich nicht neue Probleme zu schaffen, was Sicherheit, Kompatibilität und Nachhaltigkeit der Lösung angeht.


CloudOps führt damit Unternehmensbereiche und Teams zusammen, die bisher mit unterschiedlichen Lösungen und Werkzeugen gearbeitet haben, und sorgt durch eine einheitliche Budgetierung und Beschaffung für Kostentransparenz und -kontrolle. Eine standardisierte, unternehmensweit einheitliche Entwicklerplattform setzt von Anfang an und für alle die Leitplanken, ohne dass sich das Unternehmen selbst um die Basisinfrastruktur kümmern müsste. Das erleichtert es auch, sicherheitsbezogene und regulatorische Anforderungen in jede Projektphase zu integrieren und damit sicher zu erfüllen. Die standardmässige Ergänzung zum Beispiel von Kubernetes zur Containerisierung stellt sicher, dass Anwendungen nicht versehentlich in Umgebungen bereitgestellt werden, für die sie nicht gedacht oder geeignet sind. Das KMU kann sich dagegen darauf konzentrieren, was seine Existenz im Markt überhaupt ausmacht: Kundenbedürfnisse besser verstehen und adressieren, anstatt Rechenzentren zu warten, Server zu installieren und an Firewalls zu arbeiten. Eine komplette Umstellung der gesamten IT-Abteilung auf einmal ist mit CloudOps weder notwendig noch empfehlenswert; stattdessen lassen sich die Kosten zeitlich verteilen und die Vorteile schrittweise nutzen.

Fallstudie Health Info Net: Von statischen physischen Servern in die ­Multi-Vendor-Souveräne-Cloud

CloudOps beginnt mit einer übergreifenden Strategie und umfasst in der Umsetzung die Bereiche Orchestrierung, Operationalisierung und Governance. Wie solch ein Projekt für ein KMU aussehen kann, zeigt die Migration des Unternehmens Health Info Net (HIN) in die Cloud.

Das Unternehmen: Health Info Net (rund 95 Mitarbeiter) mit Sitz in Wallisellen (Bild) wurde 1996 auf Initiative des Berufsverbandes der Schweizer Ärzte sowie der Ärztekasse gegründet. Sie stellt digitale Kommunikationslösungen für das Gesundheitswesen bereit, darunter für die Verwaltung von Patientendaten, die Dokumentation von Behandlungen, die Ausstellung von Rezepten und die Berichterstattung an Versicherungen und Behörden.


Die Herausforderung: Die bestehende IT-Infrastruktur von Health Info Net (HIN) stiess mit der Weiterentwicklung der regulatorischen und technologischen Anforderungen an ihre Grenzen. Dies erschwerte es zunehmend, Entwicklungsprozesse zu skalieren und neue Dienste im erforderlichen Tempo einzuführen. Zudem waren Compliance-Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig hohe Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit zu gewährleisten.

Die CloudOps-Strategie: HIN beschloss, ihre Infrastruktur und Prozesse grundlegend zu verändern und von statischen physischen Servern auf die Multi-Vendor-Souveräne-Cloud zu wechseln. Um die DSGVO einzuhalten und die genutzten Daten vor dem Zugriff von US-Behörden (US-Cloud-Act von 2018) zu schützen, entschied sich das Unternehmen für einen europäischen Cloud-Anbieter anstelle eines global tätigen Hyperscalers.

Die Umsetzung: HIN ging eine Partnerschaft mit dem Zürcher Managed-Service-Provider VSHN ein, um eine moderne, Cloud-native Container-Plattform zu entwickeln und zu implementieren, die auf zwei Schweizer Private Clouds läuft: Cloudscale und Exoscale. Das vermeidet die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter, erhöht die Ausfallsicherheit des Systems und stellt sicher, dass sensible Daten in der Schweiz verbleiben.

Die Plattform: Mit Red Hat OpenShift wählte HIN eine Kubernetes-Plattform der Enterprise-Klasse für die Entwicklung, Bereitstellung und Verwaltung containerisierter Anwendungen in Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen. Ein Kriterium war die notwendige Mandantenfähigkeit. VSHN bietet Red Hat Open­Shift als Managed Service mit 24/7-Support und 99,99 Prozent Verfügbarkeit. Dorthin migrierte HIN in zwei unabhängige Cloud-Umgebungen.

Tools und Methoden: Die Plattform ergänzte HIN mit GitLab für die Codeverwaltung, Argo CD für Continuous Integration/Continuous Delivery (CI/CD), DNS, Terraform und Automatisierung. Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf Praktiken wie Zero-Touch-Bereitstellung, Privacy by Design, Cluster Mesh für Disaster Recovery und Hochverfügbarkeit sowie eine Defense-in-Depth-Strategie (DiD).

Die Migration: Die Containerplattform von HIN war innerhalb von anderthalb Tagen einsatzbereit. Nachdem die Sicherheitsprozesse implementiert waren, wurden die Anwendungen über die folgenden zwölf Monate migriert. Zuerst zügelten Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM), Disaster Recovery und Replikation sowie Anwendungsfirewalls. In einer zweiten Phase folgten die kundenseitigen Anwendungen.

Das Ergebnis: Durch die Migration auf Red Hat OpenShift als Managed Service und in die Cloud hat HIN seine IT-Infrastruktur modernisiert und kann die sich wandelnden Bedürfnisse von Gesundheitsdienstleistern besser unterstützen. So sind kommende Anforderungen wie eine Zero-Trust-Architektur bereits eingeführt. Die Entwicklungszyklen haben sich verkürzt, die Automatisierung hat manuelle Prozesse reduziert sowie Zuverlässigkeit und Stabilität verbessert. System-Upgrades haben keinen Einfluss mehr auf bestehende Workloads.

Der Autor

Francis Werquin ist Senior Manager Cloud Services EMEA beim Open-Source-Spezialisten Red Hat. Das Unternehmen ist in der Schweiz in Zürich und Neuchâtel präsent.


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