CIO-Interview: «KI transformiert alle Stufen unserer ­Industrie»
Quelle: Axa Schweiz

CIO-Interview: «KI transformiert alle Stufen unserer ­Industrie»

Kathrin Braunwarth, seit rund neun Monaten Head of DTI bei Axa Schweiz, verrät im Gespräch, wie ihr Start in neuer Rolle war, was für die IT-Arbeit im Versicherungswesen entscheidend ist und warum KI ein so grosses Potenzial hat.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2024/06

     

«Swiss IT Magazine»: Frau Braunwarth, wie sind Sie in die IT gelangt? Zufall oder
Vorsatz?
Kathrin Braunwarth:
Ich fange mal ganz vorne an. Ich habe ursprünglich ein BWL-Studium begonnen. Im ersten Semester stand modellieren und programmieren mit Java im Curriculum. Das hat mich total begeistert. Ich fand diese Art zu denken und zu modellieren toll. So toll, dass ich mich an der Uni Augsburg parallel zu BWL für einen neuen Studiengang für angewandte Informatik eingeschrieben habe. Ich habe aber schnell gemerkt: Ich bin niemand, der allein in einem Räumchen sitzen und programmieren möchte. Daher habe ich nach meinem Bachelor einen Master für Wirtschaftsinformatik draufgesetzt und bin auch für meine Promotion dabeigeblieben. Sprich: IT zum Selbstzweck fand ich nie so spannend. Es ging mir um die Anwendung, um die Frage, wo IT im Dienstleistungsbereich einen Beitrag leisten kann. Es ging mir darum, hochfrequente Prozesse durch Digitalisierung und Automatisierung neu zu gestalten und ganz neue Services zu ermöglichen. So bin ich in der Versicherungsindustrie gelandet, weil hier genau diese hochfrequenten, komplexen Dienstleistungen das Thema sind.

Es war also nicht die Faszination für Technik per se, sondern speziell immer in Verbindung mit der praktischen ­Anwendung?
Ja, genau. Ich finde, mit Technik kann man ein bisschen zaubern.


Zaubern?
Ich kann Dinge, die erstmal anstrengend erscheinen, vereinfachen. Ich kann Aufgaben, die zunächst unmöglich anmuten, mit Technologie möglich machen. Oder mittlerweile auch ganz der KI übergeben. Vermeintlich Unmögliches möglich zu machen, das meine ich mit zaubern.

Und diese Faszination hat nicht nachgelassen?
Nein, ganz im Gegenteil.
Kathrin Braunwarth
Kathrin Braunwarth hat zum 1. September 2023 bei Axa Schweiz die Leitung des Ressorts Data, Technology und Innovation als Head of DTI übernommen. Braunwarth verfügt über grosse Erfahrung sowohl in der IT als auch im Versicherungswesen. Seit 2015 war sie in wechselnden leitenden Positionen für den öffentlich-rechtlichen deutschen Allbranchenversicherer Versicherungskammer tätig, zuletzt als Bereichsleiterin IT. Von 2010 bis 2015 arbeitete Kathrin Braunwarth zudem bei Allianz Deutschland. In neuer Rolle verantwortet sie nun bei Axa Schweiz nicht nur den Betrieb der IT-Infrastruktur, sondern auch technologische Innovationsthemen wie den zunehmenden Einsatz von KI.
War es denn eine Herausforderung, in einem damals wie heute männer­dominierten Bereich wie der IT zu studieren?
Natürlich ist mir aufgefallen, dass ich weniger weibliche als männliche Kommilitonen in der Informatik hatte. Aber ich bin allein nach meinem Interesse gegangen und finde es immer noch schade, dass sich nach wie vor tendenziell weniger Frauen als Männer für diesen Job entscheiden. Denn ich glaube nicht, dass Frauen weniger geeignet dafür sind. Ich meine, es geht darum, mit Informationen, Kommunikation und Daten zu gestalten – ich kann daran nichts Geschlechtsspezifisches erkennen. Und Mädchen haben auch super Noten in Mathe und in Physik. Ich denke, es liegt auch daran, dass das Image vom ITler immer noch sehr einsam ist. Man hat den Hacker im Hoodie im Kopf, der in seinem Keller sitzt. Aber das ist natürlich nicht so. Agiles Zusammenarbeiten, das hat viel mit Kommunikation und mit Teamwork zu tun. Ich hoffe, dass wir noch viele Frauen für den Bereich begeistern können. Gleichzeitig gibt es auch kaum mehr einen Job, der kein IT-Job ist. Wir infiltrieren sämtliche anderen Bereiche und so wird jeder Job irgendwann zu einem IT-Job.

Wie hat sich denn aus Ihrer Sicht die Arbeit in der IT in den vergangenen Jahren verändert?
Es ist ein Wandel, der nicht nur die IT betrifft. Unternehmen werden lockerer, es wird sehr viel mehr auf Augenhöhe gearbeitet, Hierarchien werden reduziert. Und das nähert sich immer mehr dem an, was ich stets auch als Kultur der IT empfunden habe. Ich schätze vor allem das Strukturierte, das Analytische und die hohe Sachorientierung in der IT, die Überzeugung und den ­Humor. Ich liebe ja den ­Techie-Humor. Das ist also eine Liebeserklärung an alle Techies.


Würden Sie sich denn selbst als Techie bezeichnen?
Ja, das würde ich sagen.
Sie sind im September 2023 zu Axa Schweiz gewechselt, also noch kein Jahr in neuer Position. Was war die grösste Herausforderung in dieser Rolle?
Ganz klar: der Information Overflow am Anfang. Ich kam ja neu in die Rolle, neu zur Axa und neu in die Schweiz. Und es waren am Anfang einfach ganz, ganz viele Eindrücke, Informationen, Menschen und und und.

Und was waren damals Ihre ersten Amtshandlungen?
Es war wichtig, im ersten Schritt alles kennenzulernen. Im eigenen Ressort, bei Axa Schweiz und natürlich auch in der Axa-Gruppe. Es ging es darum, die grossen Projekte kennenzulernen, wo die Schwerpunkte liegen, wo wir stehen, wo mein Vorgänger aufgehört hat. Und die Frage, was das für unseren neuen Strategiezyklus bedeutet. Und dann stand auch schon eine erste kleine Reorganisation im Unternehmen an. Es ging aber zu Beginn nicht um die grossen Schritte, keine grosse Revolution, sondern um inkrementelle Anpassungen.


Was haben Sie reorganisiert?
Wir hatten einen Bereich, der klassisch Operations gemacht und den Workplace verantwortet hat. Auf der anderen Seite war der Bereich Innovation und das Cloud Competence Center. Wir sind aber in die Cloud gegangen und daher hat es Sinn gemacht, den Bereich Operations und das Cloud Competence Center zusammenzunehmen. Weil die neue Infrastruktur und damit der neue Betrieb sind in der Cloud. Der andere Teil war zu sagen: Das Thema Workplace bekommt einen eigenen Sektor, weil wir den internen Kunden und wie wir bei Axa arbeiten in den Mittelpunkt stellen wollen. Also das ganze Thema Augmented Workplace gehen wir strategisch an. Wie sieht es beispielsweise mit AI-Unterstützung am Arbeitsplatz aus? Wie wirkt sich das über Smart Working Tools hinaus auf die digitale Arbeit aus? Dabei geht es aber auch um weitere Integrationen in die Gruppe. Wir sind innerhalb der Axa stark föderal organisiert. Daher geht es auch darum, dass wir weltweit einen einheitlichen Arbeitsplatz schaffen. Aber es geht auch um Sustainability. Denn neben den Rechenzentren ist der Workplace schliesslich der Haupt-CO2-Verursacher in einer Versicherung. Auch da wollen wir weiter transformieren.
Wie gross ist Ihr Bereich denn aktuell?
630 Mitarbeitende.

Das ist eine beachtliche Zahl.
Ja, wir machen ja auch Data, Technology und Innovation.

Kann man einen so grossen Bereich überhaupt noch überblicken?
Überblicken, ja. Aber nicht micromanagen. Das liegt nicht mehr in meinem Aufgabenbereich.

Apropos Aufgabenbereich: Sie haben bei Axa Schweiz kürzlich Titel im Unternehmen abgeschafft. Was bedeutet das?
Genau, wir haben die Titel abgeschafft und allein die Tatsache, dass es so erklärungsbedürftig ist, was wir genau abgeschafft haben – ich werde öfters danach gefragt –, zeigt mir, dass dieser Schritt richtig ist. Denn sie waren überflüssig. Wir hatten zuvor klassische hierarchische Titel mit dem entsprechenden Status. Diese gibt es nun nicht mehr. Das heisst aber nicht, dass wir Führung oder Teams abgeschafft haben. Es gibt nach wie vor Senioritätsstufen, aber eben nicht mehr die damit verbundenen Titel. Wir folgen damit konsequent dem agilen Gedanken, das hat mich auch von Anfang an begeistert. Axa Schweiz geht diesen Weg bereits seit einigen Jahren. Ich habe beispielsweise die Product-­Teams kennengelernt und konnte an vielen Stellen nicht erkennen, ob es sich bei einer Person nun um einen Product Owner oder aber jemanden aus der IT handelt. Das zeigt, wie stark die IT bereits in das Business integriert ist. Das finde ich grossartig und ich würde sagen, dass es sich um eine agile Kultur handelt.

Wie würden Sie vor diesem Hintergrund denn grundsätzlich Ihre eigene Führungskultur beschreiben? Was ist Ihnen wichtig?
Menschlich zugewandt und herzlich und gleichzeitig inhaltlich anspruchsvoll. Mir ist die Arbeit im Team sehr wichtig, aber auch der Wettbewerb um die besten Ideen. Dass jede und jeder das Gefühl hat, kreativ mitdenken und -arbeiten zu können. Ich habe nicht automatisch immer die besten Ideen. Das brauche ich auch nicht. Denn im Team kann man diese zusammen entwickeln.
Und was zeichnet die Arbeit als Technologieleiterin in der Versicherungsbranche im Speziellen aus? Die Themen Datenschutz? Die Sensibilität der Daten? Gehört auch ein gewisser ethischer Kompass dazu?
Wir sind als Industrie sehr stark reguliert. Diese Regulierung ist anstrengend. Aber sie hat durchaus ihre Rolle und hilft auch. Auch der Datenschutz spielt natürlich eine grosse Rolle. Zudem sind wir eine Versicherung. Es ist also ein wichtiges Thema, mit Risiken umzugehen. Das leitet uns meiner Meinung nach als Industrie sehr stark und schlägt sich auch bis in die IT durch. Verbunden mit einer entsprechenden Ethik. Als Versicherer treibt uns aber auch das Thema Sustainability stark um. Es geht darum, dass unsere Welt versicherbar bleiben muss. Und hier ist auch der Einsatz von IT entscheidend.

Was heisst das?
Ich muss immer auch überlegen, wie ich den CO2-Footprint in der IT reduzieren kann.


Und wie ist das möglich?
Auf viele Arten und Weisen. Es geht um die Frage, wie man unnötigen Aufwand reduziert, welche Geräte man einsetzt und beispielsweise auch darum, als Kundin von Cloud-Providern einzufordern, den CO2-Footprint zu reduzieren. Es geht aber auch um viele kleine alltägliche Stellen, die man auf dem Schirm haben muss.

Wird auf diese in der IT-Welt grundsätzlich noch zu wenig geachtet?
Nicht nur in der IT-Welt. Ich glaube, wir als Menschheit haben schon noch einiges zu tun.

Sind Sie in Ihrer Position eigentlich noch in technische Aufgaben involviert oder geht es zu hundert Prozent um Management?
(lacht) Ich schreibe keine Zeile Code mehr selbst.

Und könnten Sie, wenn Sie wollten – oder müssten?
Also ich konnte es zumindest mal. Aber mittlerweile müssen wir ja ohnehin nur noch prompten.

Ein gutes Stichwort: Wie arbeiten Sie bei Axa derzeit mit KI-Technologien?
Wir befinden uns aktuell in einer Explorationsphase und versuchen, das Potenzial zu erfassen. Ich halte dieses für sehr gross. Aber wir sind Versicherer und uns der Risiken natürlich sehr bewusst. Wir gehen daher auf eine sehr defensive Art und Weise vor. Es gibt ein paar Grundregeln, die wir uns für den Start gesetzt haben. Beispielsweise keine Customer-facing-Anwendungen, also keinen direkten Kundenkontakt der KI. Das heisst, dass wir derzeit Assistenzsysteme für menschliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen, um einerseits die Effizienz und andererseits die Qualität des Kundenservices zu erhöhen. Aber eben nicht im direkten Kundenkontakt. Dafür hat KI und vor allem Generative AI noch zu viele Halluzinationen.
Wo sehen Sie also das aktuell grösste Potenzial?
Wenn man sich eine Versicherung anschaut, dann arbeiten wir vor allem mit dem Input und dem Output von Sprache. Unsere Kundinnen und Kunden schreiben uns E-Mails, schreiben uns Briefe, rufen uns an. Wir haben jahrzehntelang versucht, sie dahin zu bringen, über strukturierte Daten mit uns zu kommunizieren. Beispielsweise über Formulare oder Web-Dialoge, damit wir automatisieren können. Das müssen wir jetzt nicht mehr, weil wir in natürlicher Sprache und gleichzeitig sehr personalisiert mit den Kunden umgehen können – und das, ohne dass die KI direkt mit ihnen interagiert. Und das ist erst die erste Welle. Customer facing oder auch gänzlich neue Geschäftsmodelle, das kommt erst noch. Und Axa Schweiz hat bereits eine lange Historie mit Machine Learning und ein entsprechendes Data Mesh aufgebaut. Da wurde bereits viel in die Grundlageninfrastruktur investiert. Wir haben also keinen Mangel an Daten.

Sie haben aber bereits die Risiken angesprochen. Gerade im Versicherungsbereich gibt es Befürchtungen, zu viele Entscheidungen der KI zu überlassen, beispielsweise in Hinblick auf Risikoprofile. Muss man sich Sorgen machen?
Um es nochmal zu bekräftigen: Wir bauen im Moment nur Assistenzsysteme. Die Entscheidung liegt stets beim Menschen. Ich halte das Risiko momentan also wirklich für überschaubar. Es geht um das Übersetzen von Texten oder das Zusammenfassen von Dokumenten. Ein konkretes Beispiel: Ein Gerichtsurteil oder ein Gutachten, das in komplexen Fällen mehrere Hundert Seiten umfassen kann. Wenn ein menschlicher Bearbeiter das jeweils durchlesen muss, um eine bestimmte Information herauszuziehen, ist das sehr viel aufwendiger und fehlerbehafteter, als eine Zusammenfassung für den schnellen Überblick zu erhalten oder mit dem Dokument zu chatten. Solche Sachen sind aus meiner Sicht relativ ungefährlich und immer gegroundet, sprich, es gibt immer eine Stellenangabe, woher eine Information stammt. Es ist also nichts anderes als eine sehr, sehr viel bessere Suchfunktion.


Können wir nochmals in die Zukunft blicken? Welche Potenziale sehen Sie für den KI-Einsatz im Versicherungsbereich über die kommenden Jahre hinaus?
Im ersten Schritt geht es darum, erste Cases zu skalieren, vor allem in der Kommunikation mit unseren Versicherten. Hier liegt sicher ganz, ganz grosses Potenzial ohne grosse Risiken. Das Nächste, was ich sehe, ist dann, im Underwriting zu unterstützen, also mehr Wissen zu aggregieren über die Risiken, die wir versichern wollen. Aber auch, um im Schadensfall zu schauen, welche Daten wir haben, um bei weitreichenden Ereignissen zu unterstützen. Denken Sie beispielsweise an Unwetter. Hier habe ich in kurzer Zeit schnell sehr viele Prozesse. Es kann aber auch darum gehen, AI für unterschiedliche Medien zu nutzen – Stichwort Multimodality. Für Text, Voice, Bilder oder Tabellen. Zudem bietet sich Potenzial für geospatial Use Cases, in deren Rahmen ich Satellitendaten beispielsweise für Underwriting, Claims und auch Prävention nutze. Diese Möglichkeiten sind heute schon da, aber ich habe schlicht nicht die Kapazitäten, um die Daten schnell genug zu verarbeiten. Dabei wird uns KI künftig helfen.

Profitieren davon auch Ihre Kundinnen und Kunden?
Ja, davon profitieren auch unsere Kundinnen und Kunden. So kann man viel genauer einschätzen, welche Gefahren beispielsweise für eine Liegenschaft bestehen. Wir können aber auch präventiv vorgehen, indem wir Wissen über Risiken generieren. Und letztlich ist sowohl für die Versicherung als auch die versicherte Person der Schaden am besten, der gar nicht erst eintritt.

Setzen Sie KI heutzutage auch intern in Ihrem Bereich ein? Beispielsweise für den IT-Support oder für Coding-Aufgaben?
Wir nutzen aktuell den Offline Copilot, und auch in der Softwareentwicklung setzen wir auf KI, um schneller zu werden. Wir fangen aber auch damit an, KI für typische Administrationsaufgaben wie Event-Tickets und das Monitoring einzusetzen.

Sie scheinen grundsätzlich sehr fasziniert vom Thema KI zu sein.
Das stimmt, ich bin aktuell sehr eingenommen von dem Thema. Aber es ist auch wirklich spannend. Es geht ja nicht nur um die einzelnen Use Cases, sondern auch um die Infrastruktur darunter. Es geht darum, Datentöpfe bereitzustellen, um ein sauberes API-Management, um die Anwendungen andocken zu können. Und es geht bis runter ins Datacenter. Und es geht weiter. Wie sind die Produkte geschnitten, wie können wir Applikationen anders aufbauen, um sie zu monitoren, um ein Event-Management aufzusetzen? Wo setzen wir Menschen ein, wo Maschinen? Das Thema transformiert quasi alle Stufen unserer Industrie, das macht es so spannend. Und ganz persönlich nutze ich es auch für Bedtime Stories für meine Kinder.


Die KI schreibt für Sie Gutenacht­geschichten?
Absolut. Normalerweise war die Übung immer: Mama, erzähl mir eine Geschichte, in der zum Beispiel ein Einhorn, ein Löwenzahn und ein Regenbogen vorkommen. Und dann? Das macht die KI super.

Aber Sie arbeiten sicher nicht nur an und mit KI. Was sind denn aktuell Ihre wichtigsten Projekte darüber hinaus?
Wir haben Ende letzten Jahres unseren Weg in die Cloud abgeschlossen.

Ist Axa Schweiz also Cloud-only?
Nein, das nicht. Wir haben natürlich einen Rumpf an Infrastrukturthemen, die On-premises bleiben müssen wie Netzwerkkomponenten oder ein lokales Active Directory. Aber das ist inzwischen wirklich ein sehr kleiner Footprint. Zudem gibt es noch zwei Bereiche, die auf Mainframe laufen, der aber abgelöst werden soll, was eine der Prioritäten ist. Daher sagen wir, dass wir die Cloud-Transformation weitestgehend abgeschlossen haben. Ein anderes Thema ist unser SAP, das noch On-premises läuft.
Können Sie sich durch die Auslagerung vieler Bereiche der Infrastruktur in die Cloud stärker auf andere Schwerpunkte konzentrieren?
In der Softwareentwicklung ist die Wunschliste ja ohnehin immer länger als das, was wir an Ressourcen vorhalten. Das ist auch gesund, dann hat man immer auch einen Wettbewerb um die besten Ideen, die man umsetzen kann. Gleichzeitig muss ich aber auch die zuvor besprochene Datenkompetenz aufbauen, ohne dass mein Ressort grossartig wächst. Daher sehe ich in unserem Bereich einen Trend weg von der reinen Softwareentwicklung sowie vom Betrieb der Infrastruktur.

Hat sich denn grundsätzlich die Rolle der IT gewandelt? Weg vom Dienstleister, hin zu mehr Business-Pionierarbeit?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben einerseits eine Fachlichkeit in der Versicherung, die wir umsetzen müssen. Und wir stellen mit Technologien sicher, dass wir diese Fachlichkeit ermöglichen. Soweit die grundsätzliche Anforderung. Es gibt aber auch den umgekehrten Weg, und den erleben wir immer stärker in den letzten Jahren, dass wir technologisch Dinge machen können, anbieten können und damit Innovationen auf der Business-Seite treiben. Das sehen wir jetzt beispielsweise am Datenthema, das haben wir am API-Geschäft gesehen, das sehen wir auch in der Cloud. Daraus entwickelt sich ein ganz anderer Dialog. Und daher wird eine Versicherung auch immer mehr zum Tech-Unternehmen. Und das ist das Spannende. Es geht darum, wie wir mit digitalen Mitteln Dienstleistungen transformieren, dabei immer granularer werden und unseren Versicherten immer besseren, individuelleren Service anbieten.


Ist Axa also schon ein richtiges Tech-Unternehmen?
Wir können eine Versicherung nicht ohne sehr viel Technologie betreiben, aber natürlich ist es immer noch eine Versicherung.

Ist Ihre Arbeit in den letzten Jahren durch die vielen schnellen technologischen Entwicklungen eigentlich komplexer geworden – oder am Ende doch einfacher?
Die Technologien sind sicher mehr geworden und sie erleichtern auch vieles. Aber die Auswahl der richtigen Technologien, die Frage, wofür sie eingesetzt werden können, und die Orchestrierung, das ist sicher komplexer geworden.

Gehört die Position der IT-Leitung beziehungsweise CIO vor diesem Hintergrund Ihrer Meinung nach eigentlich branchenunabhängig in die Geschäftsleitung, um technologische Innovationen zentral vorantreiben zu können?
(Lacht) Ich muss jetzt natürlich Ja sagen. Aber das auch wirklich aus eigener Überzeugung.

Zum Unternehmen

Axa betreut in der Schweiz rund zwei Millionen Business- und Privatkunden in der Personen-, Sach-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Lebensversicherung sowie in der Gesundheits- und beruflichen Vorsorge. 40 Prozent aller Schweizer Unternehmen sind bei Axa versichert. Das Unternehmen gehört zur Axa-Gruppe, beschäftigt 4500 Mitarbeitende, der Sitz befindet sich in Winterthur. Mit über 340 Geschäftsstellen verfügt Axa zudem laut eigenen Angaben über das schweizweit grösste Vertriebsnetz in der Versicherungsbranche. Aktuell gehören über 90 Produkte zum Portfolio, der jährliche Umsatz lag 2023 bei 5,8 Milliarden Franken.


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