Kolumne: Pippi-Langstrumpf-Prinzip

Kolumne: Pippi-Langstrumpf-Prinzip

1. Oktober 2022 - Fritz Sutter wundert sich über die Aluhut-Rhetorik von Bundesrat Berset und die Ergebnisse der verschiedenen Telekom-Tests.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/10
Kolumne: Pippi-Langstrumpf-Prinzip
(Quelle: zVg)
Wie der «Blick» meldete, wehrt sich Bundesrat Alain Berset als Privatperson gegen den Bau einer Mobilfunkantenne in der Nähe seines Wohnorts. In einem Brief an die Gemeinde argumentiert er, elektromagnetische Wellen, insbesondere jene, die von der Mobilfunktechnologie ausgingen, hätten schädliche Auswirkungen auf Mensch und Tier. Das ist sein gutes Recht. Damit gehört Berset für seine etwas sonderbare Analyse des Mobilfunks zu den Preisträgerkandidaten in der Kategorie «Solo». Der Gesamtbundesrat stellte nämlich vor kurzem in einem Bericht fest, dass es keine gesundheitlichen Risiken mit 5G-Antennen gibt. Nationalrat Christian Wasserfallen kann daher den Widerstand gegen diese Technologie nicht verstehen und fragt sich, warum Bundesrat Berset unkritisch diese ­«Aluhut-Rhetorik» übernimmt.

Dazu eine wahre Begebenheit aus dem toggenburgischen Hemberg. Sie kam dank Ibrahim Karim zustande, der einst an der ETH Zürich studierte und doktorierte. Karim wurde gerufen, als im toggenburgischen Hemberg grosse Not am Mann beziehungsweise an der dortigen Mobilfunkantenne herrschte. Wegen dieser Handyantenne beklagten sich damals nämlich einige Anwohner über Schlafstörungen. So auch Frau Keller, die deswegen im Keller schlief – nomen est omen! Doch dann kam die Rettung in der Person von Ibrahim Karim, der mit gedrechselten Holzfiguren und Plexiglaskörpern am Antennenmast gegen den Elektrosmog vorging. Seine Figuren und Formen sollten die Mobilfunkstrahlen neutralisieren respektive «harmonisieren». Karim beschrieb seine Methode als «Biogeometrie», was man ebenso gut als Anti-Strahlen-Placebo bezeichnen könnte. (Näheres dazu in seinem Buch «Harmonisierung des feinsinnigen Energieaustausches von Körper und Umwelt»). Wie dem auch sei: Nach der Installation konnte Frau Keller jedenfalls wieder normal schlafen, wie sie dem Autor dieser Kolumne glaubhaft versicherte. Es ist nicht bekannt, ob Berset Kontakt hat zum ägyptischen Architekten Ibrahim Karim. Falls nicht, müsste man es ihm dringend empfehlen.
Doch zum Abschluss noch zwei weitere Meldungen, die für Verwunderung sorgten:

Meldung 1: Im Festnetztest von «Connect» holt sich Swisscom einen Doppelsieg. Das unabhängige Fachmagazin verlieh der Swisscom das Prädikat «überragend».

Meldung 2: Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» veröffentlichte ihr jährliches Tele­kom-Ranking. An der Umfrage sollen über zehntausend Privatkunden teilgenommen haben. Swisscom wird erstaunlicherweise trotz ihres Marktanteils von 50 Prozent am Schweizer Privatkundenmarkt erst auf Rang 11 aufgeführt. Auf den vorderen Plätzen der als «Wahrnehmungsstudie» (sic!) bezeichneten Erhebung treffen wir fast ausschliesslich Klein- oder Kleinstanbieter an.

Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich. Denn wie sonst ist erklärbar, dass die Swisscom in der Rangliste derart weit hinten platziert wird, obwohl sie von den Schweizer Kunden die mit Abstand bevorzugteste Anbieterin ist? Das wissen nur die Götter und der Studienautor der «Bilanz». Aber unwillkürlich fällt einem dabei das Pippi-Langstrumpf-Prinzip ein: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!
 
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