Nachgefragt: Die Cloud-Strategie des Bundes unter der Lupe

Nachgefragt: Die Cloud-Strategie des Bundes unter der Lupe

4. Juni 2022 - Die Cloud-Strategie des Bundes – für die einen ein rotes Tuch, für die anderen eine Blackbox. Daniel Markwalder, der Delegierte des Bundesrates für die digitale Transformation der Bundesverwaltung, erklärt die Details der verschiedenen Bundes-Clouds.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/06
Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für Digitale Transformation und IKT-Lenkung (Quelle: Bundeskanzlei)
Wenn es um die Cloud-Strategie des Bundes geht, sind die Begrifflichkeiten und Details selbst für Fachkundige nicht immer ganz verständlich. Was ist die Swiss Cloud denn nun genau? Warum kauft der Bund Cloud-Leistungen bei Anbietern aus den USA und China? Und müssen wir uns nun Sorgen machen, dass die CIA nun Zugriff auf unsere Steuerdaten hat? «Swiss IT Magazine» hat mit Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für Digitale Transformation und IKT-Lenkung, gesprochen, um eine Landkarte der bundeseigenen Cloud-Landschaft aufzuzeichnen.

«Swiss IT Magazine»: Herr Markwalder, Sie sind seit Anfang 2021 der Delegierte des Bundesrates für Digitale Transformation und IKT-Lenkung. Können Sie Ihre Rolle beim Bund und die damit einhergehende Verantwortung für die Cloud-Projekte des Bundes umreissen?
Daniel Markwalder:
Der Bundesrat hat per 1. Januar 2021 die Organisation für die digitale Transformation neugestaltet. Er legt den Fokus heute stärker auf Digitalisierung und weniger auf IKT, sprich weniger auf rein technologische Themen. In diesem Zug hat man die Aufgaben neu verteilt und bei der Bundeskanzlei den Bereich Digitale Transformation und IKT-Lenkung, kurz DTI, gebildet. Diesen leite ich in meiner Position.

Welche Aufgaben übernimmt die DTI?
Im Wesentlichen sind das folgende Aufgaben: Erstens, Interoperabilität bei den Fachthemen. Hier geht es darum, dass man übergeordnete gemeinsame Prinzipien hat – vergleichbar mit der einheitlichen Spurbreite für die Eisenbahn im Land. Wir sorgen möglichst nahe am Fach für diese Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit. Beispiel dafür ist etwa die Schnittstellen­offenheit, die der Entwicklung aller Anwendungen zugrunde liegen muss. Die Entwicklung liegt dann aber bei den Verwaltungseinheiten. Die zweite Aufgabe betrifft fachübergreifende Leistungen – wie etwa die Entwicklung eines einheitlichen Log­ins, das als standardisierter Baustein für die Applikationsentwicklung dient und von allen genutzt werden kann.
Was auch in direktem Zusammenhang mit der ersten Aufgabe der Interoperabilität steht.
Absolut, Standarddienste wie Login, Geschäftsverwaltung oder E-Mail-Dienste sind letztlich für alle Einheiten gleich. Weiter erbringt DTI nicht-technische Dienstleistungen für den Bund, wie beispielsweise eine Cloud-Beschaffung. Im Rahmen unserer vierten Aufgabe – genannt Digitale Schweiz – öffnen wir den Blick und ordnen unter anderem internationale Entwicklungen für die Digitalisierung in der Schweiz ein. Hier sind wir im engen Austausch mit Wirtschaft, Politikern und Zivilgesellschaft und natürlich den Verwaltungseinheiten, haben also eine Drehscheibenfunktion.

Bei allen diesen Themen spielt das heutige Fokusthema, die Cloud beim Bund, eine enorm wichtige Rolle. Lassen Sie uns mit einer Auslegeordnung beginnen – welche verschiedenen Cloud-Infrastrukturen betreibt der Bund?
Sie sprechen in der Formulierung der Frage schon einen wichtigen Punkt an: Wir sprechen über einen Mix. Die Bundesverwaltung verfolgt eine Hybrid-Multi-Cloud-Strategie. Leider wird gerne vergessen, dass es nicht «die eine Cloud» beim Bund gibt.

Das ist schliesslich auch in der Wirtschaft praktisch nie der Fall. Wie gestaltet sich dieser Mix beim Bund?
Wir können die Cloud-Strategie der Bundesverwaltung konzeptionell in mehrere Ebenen unterteilen. Auf der obersten Ebene ist die Public Cloud «ab Stange» für Standardangebote ohne sensible Daten. Das decken wir mit der aktuellen WTO-Beschaffung Public Clouds Bund ab. Als zweite Ebene gibt es Public Clouds Plus mit besonderen Anforderungen – eine Bedingung kann beispielsweise die Datenhaltung in der Schweiz sein. Für beide Kategorien gibt es verschiedene Bedürfnisse von den Verwaltungseinheiten und jeweils auch mehrere Anbieter. Das ist der Public-Cloud-Teil der Strategie. Weiter betreibt der Bund auch eine eigene Private Cloud in bundeseigenen Rechenzentren.
 
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