CIO-Interview: «Die Cloud hilft uns, neue Wege in der Produkt­entwicklung zu gehen»

CIO-Interview: «Die Cloud hilft uns, neue Wege in der Produkt­entwicklung zu gehen»

4. Dezember 2021 - Guido Zumstein verantwortet als Group CIO die Informatik des Innerschweizer Antriebsspezialisten Maxon. Dabei ist es an ihm, mit einer neuen IT-Strategie den digitalen Wandel und zukunftsgerichteten Kurs des Unternehmens zu unterstützen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/12
Swiss IT Magazine: Gehe ich richtig in der Annahme, dass das ERP-System bei Maxon eine sehr zentrale Rolle spielt?
Guido Zumstein:
Unser ERP ist sicherlich ein Kernsystem innerhalb der IT-Lösungen und -Services, das ist richtig.

Ich frage deshalb, weil Sie vor Ihrer Rückkehr zu Maxon lange Jahre als Schweizer Geschäftsführer des ERP-Spezialisten IFS – dem System, das Maxon einsetzt – amteten. Wie kam es zu diesem Werdegang?
Ich war lange Jahre für Maxon tätig, bevor ich 2010 zu IFS wechselte. Den Entscheid für IFS als ERP-System fällte Maxon bereits 2002 – ich unterschrieb damals die Verträge mit, ohne mir im Traum vorzustellen, dass diese Verträge meinen Weg Jahre später wieder kreuzen werden. Ende der Nullerjahre entschied ich mich, eine neue Herausforderung zu suchen, und wurde über Umwege angefragt, ob ich Interesse hätte, die Schweizer Tochtergesellschaft von IFS aufzubauen – eine spannende und intensive Aufgabe, die ich fast zehn Jahre lang ausübte. Wir konnten das Unternehmen in der Schweiz erfolgreich positionieren und rentabel entwickeln, so dass für mich 2019 die Zeit gekommen war, weiterzuziehen. Ich hatte damals verschiedene Angebote, eines davon von Maxon, wo ein umfassendes Upgrade von IFS auf der grünen Wiese am Laufen war und man mir die neu geschaffene Position als Group CIO anbot.

Wenn Sie von einem umfassenden ERP-Upgrade auf der grünen Wiese sprechen, wurden damals auch andere ERP-Lösungen evaluiert?
Es wurde diskutiert, ob man eine Evaluation machen soll. Maxon hat damals aber entschieden, weiter auf IFS zu setzen und im Rahmen eines Greenfield-Approach das System und die zugrunde liegenden Prozesse neu aufzusetzen respektive zu definieren. Dieser Entscheid wurde noch vor meiner Rückkehr gefällt, ich bin allerdings froh darüber, denn ich vertrete nach wie vor die Meinung, dass das ERP-System von IFS eine gute Lösung für ein mittelständisches Industrieunternehmen in der Grösse von Maxon ist. Vor allem bietet das System die Flexibilität, die wir brauchen, denn Maxon befindet sich in einem permanenten Wandel und tut sich manchmal – gegeben teilweise durch das Geschäftsmodell – schwer, sich an einem Standard zu orientieren.
Können Sie das etwas ausführen?
Die Maxon-Gruppe ist sehr breit aufgestellt, wir sind sowohl im Seriengeschäft als auch im Projektgeschäft und im Modifikationsgeschäft tätig, bieten Configure to Order genauso wie Grossserien, fertigen individuell für Kunden und führen einen Katalog mit breitem Standardgeschäft von fast 600 Seiten. Maxon deckt in seinem angestammten Markt somit die ganze Bandbreite ab, während ­einige Mitbewerber in jüngerer Vergangenheit auf Fokussierung und Spezialisierung gesetzt haben. Und das ist wohl mit ein Grund, warum wir uns mit Standards manchmal schwer tun – wir brauchen Flexibilität und entsprechend ein System, das diese Flexibilität unterstützt. Wir entwickeln intern auch sehr viel rund um das ERP, IFS lässt dies aufgrund seiner Architektur zu.

Geschieht diese Entwicklung rund ums ERP inhouse?
Wir haben ein eigenes Entwicklungs-Team für das ERP-System und beschäftigen auch eigene Berater und Projektleiter, arbeiten daneben aber auch intensiv mit externen Partnern zusammen.

Welches sind nebst Ihrem ERP-System die weiteren Pfeiler Ihrer IT-Landschaft?
Wir befinden uns hier in einem stetigen Wandel. Als ich vor rund zwei Jahren als Group CIO zu Maxon zurückgekommen bin, haben wir eine neue IT-Strategie definiert, und diese Strategie sieht vor, verstärkt den Weg in die Cloud zu gehen. Dazu muss man verstehen, dass Maxon oft der Grundphilosophie folgt, vieles selbst machen zu wollen – das Unternehmen besitzt eine sehr hohe Fertigungstiefe, und diese Philosophie geht auch an der IT nicht spurlos vorbei. So unterhält Maxon redundante Rechenzentren am Hauptsitz in Sachseln und hat in Vergangenheit stark auf On-Premises gesetzt. In der neuen IT-Strategie haben wir nun aber definiert, dass standardisierte Services wenn immer möglich in die Cloud verlagert werden sollen. Dabei wurde auch festgelegt, welche Voraussetzungen bezüglich Governance und Security erfüllt sein müssen, bevor etwas in die Cloud verschoben wird. Ebenfalls haben wir entschieden, dass wir möglichst nur mit einem Cloud-Provider zusammenarbeiten wollen.
 
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