CIO-Interview: «Die Entwicklung des PC-24-Jets erfolgte komplett digital»

CIO-Interview: «Die Entwicklung des PC-24-Jets erfolgte komplett digital»

6. November 2021 - Marcel Aregger leitet die IT der Pilatus Flugzeugwerke. Das Schweizer Traditionsunternehmen setzt IT unter anderem auch bei der Entwicklung seiner Flugzeuge ein, die heute von der Nase bis zur Heckflosse digital konzipiert werden.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/11
Swiss IT Magazine»: Wie sind Sie zu Ihrem Job bei den Pilatus Flugzeugwerken gekommen? Könnten Sie Ihren Werdegang skizzieren?
Marcel Aregger:
Als Maschinenbauer im Seilbahnbau bin ich schon früh mit CAD-Lösungen in Berührung gekommen. Diese Technologie hat das Interesse für Informationstechnologie in mir geweckt, worauf ich ein Informatik-­Studium absolviert habe. Dieser Schritt hat es mir ermöglicht, in die Technische Informatik der Pilatus Flugzeugwerke zu wechseln, ein Fachbereich, der IT-Lösungen für das Engieering bereitstellt. Mein technischer Background, die solide Informatik-Ausbildung und die Informatik von Pilatus haben mir viele Möglichkeiten eröffnet, mich zu entwickeln. Ich bin seit mehr als 17 Jahren bei Pilatus und durfte eine spannende Entwicklung der Unternehmung miterleben und mitgestalten. Und diese Reise ist noch nicht vorbei!

Haben Sie eine besondere Affinität zu Flugzeugen und zur Luftfahrt im ­Allgemeinen?
Ich fühle mich nicht primär nur von Flugzeugen angesprochen. Es ist die Faszination für Unternehmen, die anspruchsvolle und innovative Produkte herstellen und sich im Markt entsprechend behaupten können. Ich erlebe immer wieder Wow-Momente, wenn ich auf dem Pilatus-Tarmac vor einem PC-24 oder PC-21 stehe. Jeder Informatiker leistet hier einen Beitrag, um solche Produkte zu bauen und zu betreiben.

Welche Rolle haben Sie bei Pilatus als Leiter der IT und wie sind Sie und Ihr Team in die Organisation des Unternehmens eingebettet?
Einfach ausgedrückt gibt es bei Pilatus drei übergeordnete Bereiche, wo IT Services oder -Produkte entstehen. Bei Airborne-Software geht es um Lösungen, die für das Gesamtsystem Flugzeug ent­wickelt wurden. Sie werden vom ­Engineering verantwortet. Software-­Lösungen und Simulatoren für das Pilot Ground & Flight Training sind eng mit dem Produkt gekoppelt und liegen in der Verantwortung eines weiteren, spezialisierten Fachbereiches. Der ganze Rest wird von der Pilatus-IT verantwortet. Der VP Supply Chain & ICT vertritt die Interessen der ICT in der Geschäftsleitung.

Und wie ist Ihr Team aufgebaut und organisiert?
Rund 60 Informatiker, strukturiert in sechs Teams, bilden die Basis der IT von Pilatus. Die Gliederung ist traditionell und teilt die Verantwortlichkeit in Bereiche wie Business-Systeme, Technische Informatik, ICT Operations und beispielsweise Service & Support. Ein Team für Software-Entwicklung und Business Intelligence ist ebenfalls in die IT-Organisation eingebunden. Wir überdenken aktuell die Struktur und das Operating Model der IT, um die Kunden- und Business-Fokussierung und das IT-Service-Portfolio weiter zu optimieren und den aktuellen Anforderungen anzupassen.
Wie sieht die IT-Infrastruktur bei ­Pilatus aus, und welche Aufgaben erfüllt sie?
Mit der Kernsystem-Landschaft von ­Pilatus, bestehend aus vier Kernapplikationen, können unsere Prozesse digital abgebildet werden. Sie bildet einen single Point of Truth und ermöglicht die geplanten digitalen Entwicklungsschritte. Die Maturität der Teilkomponenten der Landschaft ist unterschiedlich ausgeprägt. Durch die rein digitale Produktentwicklung ist der Bereich Product Data Management & CAx weit fortgeschritten. Mit der Einführung von SAP S/4HANA wird das ERP-System aktuell modernisiert. Zahlreiche Subsysteme ergänzen den Funktionsumfang und die Datenbasis aus der Kernsystem-Landschaft. Sie sie sind in die Hauptsysteme integriert oder als Insellösungen realisiert. Vier strategische Plattform-Lösungen wie Microsoft 365, SAP Successfactors oder beispielsweise das Kundenportal MyPilatus dienen dazu, Mitarbeitende und Kunden digital in die Unternehmung einzubinden.

Sind die Tochtergesellschaften in den USA und in Australien auch in die IT der Gruppe eingebunden oder arbeiten diese ganz oder teilweise autonom?
Wir arbeiten sehr eng mit den Tochtergesellschaften zusammen und bieten ­IT-
Know-­how und -Services rund um den Globus. Mit dem eigenen Anspruch, der Operational Excellence, das heisst das Bereitstellen von ICT-Services mit hoher Qualität, Compliance und Sicherheit maximieren zu wollen, müssen wir die Zusammenarbeit und Integration weiter intensivieren beziehungsweise vorantreiben. Es gilt aber immer der Grundsatz: Integration nur wo nötig und sinnvoll.

Arbeiten Sie mit ihrem Team auch mit externen Partnern zusammen? Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit diesen?
Im Umfeld zunehmender Komplexität, hoher Dynamik und beschränkter Ressourcen, beispielsweise durch den Fachkräftemangel, wird es immer anspruchsvoller, Schritt zu halten und die Erwartungen des Managements und der Endbenutzer zu erfüllen. Die Pilatus-IT soll sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und so die notwendigen Freiräume schaffen. Wir arbeiten oft und gerne mit externen Partnern zusammen und sind bestrebt, ein Netzwerk an ausgewählten Experten und Service-Providern aufzubauen und zu pflegen. Langjährige Partnerschaften sollen für Kontinuität sorgen und eine solide Grundlage bilden.

 
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