Flexible Kontrolloberfläche nicht nur für Kreative
Quelle: Loupedeck

Loupedeck CT

Flexible Kontrolloberfläche nicht nur für Kreative

Die Bearbeitungskonsole Loupedeck CT ist so konzipiert, dass sie auf dem Schreibtisch gut aussieht und verschiedenste Arbeitsabläufe beschleunigt – sobald man sich daran gewöhnt hat.
5. September 2020

     

Das Loupedeck CT (auch bekannt als das Loupedeck Creative Tool) ist eine elegante, kompakte und auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Konsole, die bei näherer Betrachtung eine wahre Flut an Features und Möglichkeiten enthüllt. Entwickelt wurde das Gerät, um die Lücke zwischen den unendlichen Werkzeugleisten und Konfigurationsmöglichkeiten von Anwendungen wie Photoshop, Lightroom oder Final Cut und der realen Welt zu schliessen – und zwar durch eine Reihe von anpassbaren Schaltflächen, Drehreglern und Touch Buttons.

Dabei handelt es sich um ein ähnliches Konzept wie bei den beiden älteren Konsolen Loupedeck und Loupedeck+ des Unternehmens, wobei das Creative Tool jedoch noch ein Stück weiter geht, indem es eine weitaus anpassungsfähigere Benutzeroberfläche bietet. Während die ­älteren Loupedecks eine Mischung aus vorbeschrifteten Reglern für Dinge wie Kontrast und Belichtung neben unbeschrifteten, vom Benutzer anpassbaren Knöpfen boten, verwendet das neue CT Mini-Screens, sodass den verschiedenen Eingabewerkzeugen Funktionen ganz individuell zugewiesen werden können. Auf dem Loupedeck CT findet sich, quasi als zentrales Element, auch ein grosses, konfigurierbares Rad, das sowohl als Touchscreen für Bedienelemente wie auch als programmierbarer Drehregler für Dinge wie das Spulen beispielsweise durch eine Audiospur oder das Anpassen eines Bildes dienen kann.


Darüber hinaus unterstützt das CT im Vergleich zu seinen Vorgängern weit mehr Programme: Neben Adobe Lightroom, Photoshop, Premiere Pro und Final Cut Pro X unterstützt das Kreativwerkzeug auch Ableton Live, Adobe Illu­strator sowie Word, Excel und Outlook. Und sogar Webbrowser werden unterstützt. Das ist aber nicht alles, denn mittels zugehöriger Software können eigene Profile für jede erdenkliche Software erstellt werden. Damit werden die Möglichkeiten des CT beinahe grenzenlos. Das alles hat aber seinen Preis, denn mit rund 600 Franken ist die Konsole nicht billig.

Qualität, Hardware und Layout

Der Anschluss erfolgt über ein USB-Kabel des Typs C. Eine kabelgebundene Verbindung sei nach wie vor bei weitem die Zuverlässigste und für die von Bearbeitungsprogrammen benötigte Geschwindigkeit erforderlich, so der Hersteller. Gerade für unterwegs – ein Einsatzgebiet, für das das kompakte Gerät prädestiniert scheint – wäre eine Verbindungsoption ohne Kabel bequemer. Schlimm ist das aber nicht, da fast jedes mobile (Arbeits-)Gerät über einen USB-Anschluss irgendeiner Art verfügt.

Loupedeck legt laut Eigendeklaration auch grossen Wert auf die Bauqualität, und sobald das Gerät aus der Verpackung genommen wird, zeigt sich wieso. Es ist leicht und kompakt, die Tasten und Drehregler wirken hochwertig, fühlen sich angenehm an und sind alle hintergrundbeleuchtet.


Im Mittelpunkt steht aber ganz klar das grosse Jog-Rad und dessen Touchpad. Das grosse Drehrad dreht sich reibungslos, und der Bildschirm in der Mitte zeigt verschiedene Funktionen an, die wiederum von der Anwendung und dem gewählten Werkzeug abhängen.

Dazu kommen auf der linken und rechten Seite jeweils drei kleinere Drehregler, inklusive Klick-Funktion. Dazwischen finden sich zwölf individuell konfigurierbare Touch-Buttons, die je nach Anwendung andere Symbole anzeigen. Gleich darunter sitzen acht durchnummerierte Tasten, denen ebenfalls je nach Profil verschiedene Funktionen zugewiesen werden können. Auf der Unterseite, rechts und links des grossen Dreh-Reglers, sitzen jeweils sechs weitere Tasten, die einige der wichtigsten und universellsten Funktionen abdecken – wobei auch hier gilt, dass sie je nach Anwendung respektive Profil verschiedene Funktionen erfüllen können. Mit dem grossen Drehknopf kann so etwa gescrollt werden, während man mit den Tasten kopieren, einfügen und verschiedenste Befehle ausführen kann, die normalerweise über Tastatur-Shortcuts ausgelöst würden. Das Loupedeck CT macht die Tastatur so für die meisten Funktionen überflüssig. Die Maus wird in den meisten Programmen aber nach wie vor als wesentliches Bedien­werkzeug benötigt.

Intuitive Software

Zusammen mit dem Loupedeck CT ist die Loupedeck Software erhältlich. Diese ermöglicht es, das CT so zu konfigurieren, wie man es für die verwendeten Anwendungen wünscht. Sobald das Loupedeck CT angeschlossen und eingerichtet ist, wechselt es automatisch zum passenden Profil für die gerade geöffnete Anwendung und zeigt die vorkonfigurierten Optionen an.

Der Hersteller stellt für die bereits erwähnten Programme vorgefertigte Presets bereit (welche sich auch anpassen lassen), über die Software können aber wie erwähnt auch ganz neue Voreinstellungen erstellt werden. Ausserdem können Nutzer auf der Loupedeck-Webseite eigene Profile hochladen, ganz zum Nutzen anderer User. Das Erstellen eigener Proifle funktioniert dabei primär via Drag and Drop, wobei man den einzelnen Tasten, Reglern und so weiter Funktionen oder Befehle zuteilen kann. Die UI der Software ist glücklicherweise übersichtlich und ansprechend gestaltet, ein nicht zu unterschätzender Vorteil, hält man sich die Komplexität derselben vor Augen. So fällt es nicht schwer, sich innerhalb der Software zurechtzufinden, und man kann schon schnell damit loslegen, einzelne Elemente anzupassen.
Ausgewählt werden kann dabei aus vier Kategorien: Workspace, General Actions, Page Links und Custom Actions. Workspaces bilden die Grundlage von jedem Profil und bestimmen, was gerade auf den zwölf Touch Buttons angezeigt wird. Dabei können pro Workspace mehrere Seiten definiert werden, zwischen denen man innerhalb des Profils hin und her wechseln kann.


General Actions sind einzelne, vordefinierte Befehle, die man einzelnen Tasten oder Reglern zuweisen kann. Einfache Beispiele hierfür wären etwa ein Zurück- oder Löschen-Befehl. Page Links sind dazu da, um zwischen den zuvor definierten Seiten innerhalb von Workspace zu wechseln. Diese Links können den Touch Buttons zugewiesen werden. Custom Actions letztlich bilden das Gros der Funktionsmöglichkeiten innerhalb des Loupedeck CT. Hiermit lassen sich beliebige Befehle erstellen und zuweisen, indem man Tastatur- und Maus-Inputs für einen bestimmten Befehl innerhalb eines Programms eingibt, und diese Inputs einer Taste, einem Regler oder einem Touch Button zuweist. Diese Befehle lassen sich der besseren Übersicht halber gruppieren. Im Fall eines Excel-Profils beispielsweise nach: Data, Frequently used Shortcuts, Insert, View und Formatting Cells.


Learning by Doing

Das Ganze klingt etwas kompliziert, weil es das auch ist. Mindestens zu Beginn, bis man sich einmal in der Software zurechtfindet. Dies geht am einfachsten, indem man versucht zu verstehen, wie ein vordefiniertes Profil aufgebaut ist. So findet man schnell heraus, was überhaupt alles möglich ist, und dass etwa zwischen drei grundlegenden Input-Elementen unterschieden wird. So gibt es unter dem Reiter Workspace Elements einerseits die Übersicht Dial, wozu die sechs seitlichen Drehregler gehören. Als zweites gibt es die Übersicht Touch, womit die zwölf Mini-Touchscreens hervorgehoben und bearbeitet werden können. Das dritte und letzte Element nennt sich Wheel, womit einzig das grosse Jog-Rad gemeint ist.

Doch da ist noch mehr! Neben dem Reiter Workspace Elements findet sich der Reiter General Elements. Damit gemeint sind diejenigen Buttons, die eher universelle Funktionen beheimaten. Hier wird unterschieden zwischen Round, das sind die acht runden, durchnummerierten Tasten, und Square, womit die quadratischen Tasten links und rechts vom grossen Drehrad gemeint sind.


Hat man alle diese Menüs und Reiter einmal entdeckt, kann man sich daran machen, ein Profil an die eigenen Bedürfnisse anzupassen oder gar ein neues Profil zu erstellen. So lernt man nach und nach, wie man Befehle zuweisen, verändern oder löschen kann, und beginnt gleichzeitig zu verstehen, welche Fülle an Optionen und komplexen Steuerungsmöglichkeiten sich mit dem Loupedeck CT umsetzen lassen.

Steile Lernkurve zahlt sich aus

Zu Beginn ist der Umgang mit Tastatur und Maus für Anfänger nicht gerade intuitiv. Es braucht Zeit, eine neue Eingabemethode zu meistern, und so braucht auch der Einstieg in die Benutzung des Loupedeck CT Zeit. Die Finger müssen ihren Platz finden und die genaue Positionierung der Tasten und Regler lernen. Das Gleiche gilt für den Umgang mit der Software. Auch hier ist eine gewisse Zeit­investition nötig, um das volle Potenzial des Geräts ausschöpfen zu können.


Wie das Design des Loupedeck CT aber beweist, ist das Layout durchaus intuitiv gestaltet, und es dauert nicht allzu lange, bis man mit den Bedienelementen vertraut ist. Die Lernkurve ist zwar steil, die Einarbeitungszeit aber kurz. Es dauert ein paar Tage, bis man den Dreh raus hat, und einige Wochen, bis man alle Funktionen beherrscht. Danach wird die Konsole aber zum wertvollen Werkzeug, besonders wenn man bereit ist, sich in die Einstellungen zu vertiefen und das Layout an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Fazit

Wer stundenlang dieselben Bearbeitungsaufgaben erledigen muss, sollte das Loupedeck CT unbedingt in Betracht ziehen. Die neueste Generation der Konsole bietet Kompatibilität für eine Reihe von Audio-, Grafik-, Foto- und Videosoftware – was sie besonders für multi- disziplinäre Kreative nützlich macht. Doch auch für Programmierer und Office-Nutzer bietet das Gerät eine Menge nützlicher Features. Hier gilt es allerdings, den potenziellen Nutzen, die anfangs steile Lernkurve und das Preis-/Leistungs-Verhältnis gegeneinander abzuwägen.

Positiv
+ kann Workflows erheblich beschleunigen
+ kompakt, portabel und robust
+ voll konfigurierbar


Negativ
- Preis
- steile Lernkurve
- Verbindung nur mit Kabel

Hersteller/Anbieter
Loupedeck, www.loupedeck.com

Preis
Fr. 599.–

Wertung
Funktionalität 6 von 6 Sterne
Bedienung 5 von 6 Sterne
Preis/Leistung 4 von 6 Sterne
Gesamt 5 von 6 Sterne (swe)



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