Zwischen Jimdo und Wordpress
Quelle: Doitclever

Doitclever

Zwischen Jimdo und Wordpress

Mit dem Online Creator legt die Schweizer Entwicklerfirma Doitclever nicht nur ein flexibles CMS der etwas anderen Art vor, sondern auch ein Partner-Ökosystem für Kunden, die ihren Webauftritt nicht komplett selbst bewältigen wollen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2020/06

     

Content-Management-Systeme gibt es praktisch wie Sand am Meer. Wordpress, ursprünglich als Blogging-Engine konzipiert, ist eine der populärsten Möglichkeiten, zu einer Website zu kommen und die Inhalte ohne ständige Zuhilfenahme einer Webagentur zu pflegen. Wer mit Wordpress allerdings mehr als ein Blog realisieren möchte, muss eine ordentliche Lernkurve in Kauf nehmen und auf dem Weg zur Wunsch-Website zahlreiche Plug-ins mit teils komplexen Einstellungen einsetzen. Das dazu notwendige Know-how überfordert die meisten Anwender. Website-Baukästen wie Jimdo oder Wix machen das Design einer eigenen Website einfacher – aber sie stossen rasch an ihre Grenzen, wenn es um mehr als eine simple Online-Visitenkarte geht.


Flexibel, aber nicht kompliziert

Mit dem Produkt Online Creator will das Schweizer Start-up Doitclever die Lücke zwischen Wordpress und Jimdo schliessen. Gründer Mario Sommerhalder hat die erste Version des CMS im Rahmen einer Bachelor-Arbeit entwickelt und zusammen mit seinem Team seither laufend ausgebaut. «Lösungen wie Jimdo sind geschlossene Systeme mit wenig Flexibilität. Wordpress auf der anderen Seite ist äusserst flexibel, aber sehr komplex. Mit anderen Worten: Jimdo bietet zu wenig für Profis, Wordpress ist für Endkunden zu kompliziert», stellt Sommerhalder fest und betont gleichzeitig: «Wir bieten nicht nur ein online nutzbares CMS an, sondern vermitteln zwischen Kunden, die eine Website betreiben wollen, und Partnern wie Webagenturen, Marketing-Agenturen, Textern oder Grafikern.»


Die Idee hinter Online Creator ist also nicht ein Jimdo-Ersatz für abenteuerlustige Endanwender, die sich eine eigene Website zusammenbasteln wollen, sondern ein Tool, mit dem eine Webagentur Kundenwebsites baut und ihren Kunden das bequeme Editieren der Inhalte ermöglicht – allenfalls nachdem der Kunde mit dem CMS bereits erste Gehversuche gemacht hat und seinen Entwurf dann mit Hilfe einer professionellen Agentur vervollständigen möchte. Wir haben die Lösung unter die Lupe genommen und geprüft, ob sie diesem Anspruch genügt.


Module und Plug-ins

Einen ersten Augenschein von Doitclevers Online Creator kann sich jeder Interessent ohne Folgekosten verschaffen: Man registriert sich unter Doitclever.ch und wählt die Free-Variante. Sie umfasst die Standard-Module und ist funktional via Plug-ins erweiterbar – allerdings sind die meisten Plug-ins in der Gratis-Variante nicht enthalten und müssen hinzugekauft werden.

Doch was sind Module, was sind Plug-ins? In der Terminologie von Doitclever decken die Module die Grundfunktionen des Erstellens und Betreibens einer Website ab. Dazu gehören etwa Definieren und Bearbeiten des Designs, Pflege der Inhalte, ein Testsystem mit Vorschau zur Prüfung der erstellten Seiten, ein File Manager zum Hochladen von Bildern, PDFs und so weiter sowie Backup, Statistik und FTP-Upload auf ein beliebiges Webhosting (Voraussetzung: PHP 7).


Das freie Hosting unterscheidet Doitclever denn auch von anderen Lösungen. Bei Wix und Jimdo etwa ist das Hosting zwingend mit dabei, und man hat keinen Zugriff auf die HTML- und CSS-Dateien und auch keinen FTP-Zugang. Es gibt aber auch bei Doitclever eine Option inklusive Hosting. Diese kostet 10 Franken mehr als die Plus-Variante, ist ansonsten aber identisch.

Plug-ins dagegen erweitern die Funktionalität der einzelnen Webseiten, lassen sich über Einstellungen konfigurieren und generieren HTML- und CSS-Code, der automatish an passender Stelle in die Webseiten eingefügt wird. Der Online-Store enthält aktuell 27 Plug-ins mit Funktionen wie Footer, Banner, Blog, Bild-Slider, Galerie, Form Builder oder Google Analytics.

Einige der Plug-ins sind gratis, die meisten jedoch mit einmaligen Kosten zwischen 20 und 200 Franken verbunden. Dies gilt allerdings nur für Abonnenten der Free- oder Basic-Variante des Online Creators. Wer die Plus- oder Pro-Variante bucht, kann alle Plug-ins ohne weitere Kosten nutzen. Und für Entwickler hält Doitclever ein Developer-Kit bereit, mit dem sich auf PHP-Basis eigene ­Plug-ins konstruieren lassen. Laut Mario Sommerhalder ist dies einzigartig: «Ich kenne kein anderes CMS, das Plug-ins in dieser Weise ermöglicht.»

So sieht es der Anwender

Nach dem Log-in stellt sich der Online Creator auf der Hauptebene wie folgt dar: Zuoberst auf der Seite erscheinen Links zu den Modulen wie Design, Plug-ins, Files und Backups. Sie verweisen auf die entsprechenden Positionen weiter unter auf der Seite – der Online Creator präsentiert sich als One-Page-Website mit aufklappbaren Sektionen für jedes Modul. Oberhalb dieser Sektionen werden das Menü mit allen Seiten der erstellten Website sowie die Struktur der aktuell gewählten Seite angezeigt: Jede Seite ist von oben nach unten in Bereiche eingeteilt, die beim Erstellen des Designs definiert wurden. Zum Beispiel Header, Hauptinhalte und Footer sowie die Meta-Daten. Jeder Bereich erscheint dabei seinerseits als aufklappbare Sektion. Enthält ein Bereich editierbare Inhalte, präsentiert der Online Creator beim Aufklappen einen Editor, mit dem sich Texte, Bilder und Links bequem einfügen und ändern lassen. Der Editor ist somit die Stelle, an der die Endanwender ihre Inhalte pflegen – praktisch selbsterklärend und mit wenig Lernaufwand von jedermann zu beherrschen.
Etwas irritierend zeigt sich hier ein Prinzip, das für den ganzen Online Creator gilt: Der Button zum Speichern der Änderungen erscheint nicht etwa, wie anderswo meist üblich, unterhalb der betroffenen Stelle, sondern darüber. Wer sich dies nicht gewohnt ist, vergisst eventuell das Speichern – und wenn man die Hauptseite ohne zu Speichern verlässt, zum Beispiel beim Editieren des Designs, werden die Änderungen nicht automatisch gesichert und gehen verloren. Über die Symbole oberhalb der angezeigten Seitenbereiche können neue Seiten erstellt, die Reihenfolge innerhalb der Navigation verändert und Seiten versteckt oder sichtbar gemacht werden. Zusätzliche Unterseiten für eine verschachtelte Navigation erzeugt man über das Plus-Symbol im Menü, das oberhalb des aktuellen Seitennamens zu sehen ist.


Für Webdesigner und Webentwickler

Im Modul «Design» werden die Inhaltsbereiche, die HTML-Struktur und das CSS Styling der Seiten definiert. Dies erledigt im Nutzungsmodell von Doitclever üblicherweise die Webagentur, die der Endkunde aus dem Partnernetzwerk gewählt hat. In einem Aufklappmenü stehen mehrere Basis-Designs zur Wahl, darunter das aktuell aktivierte Design und alle erstellten Backups. Damit lässt sich leicht ein früherer Zustand wiederherstellen, wenn beim Umstellen des Designs etwas schiefläuft – vorausgesetzt, man hat via Backup-Modul ein Backup erstellt.


Klickt man auf «Editieren», erscheint eine neue Seite mit mehreren Editorbereichen. Als Erstes werden im Punkt «Verwaltung der Webseiten-Struktur» die Seitenbereiche definiert. Für jeden Bereich lässt sich festlegen, ob er editierbar ist – dann wird auf der Startebene beim Aufklappen des Bereichs der Editor für die Inhalte angezeigt. Bereiche, die von Plug-ins bewirtschaftet werden, wie etwa ein Kontaktformular, sollten als nicht editierbar markiert werden. Zusätzlich lässt sich für jeden Bereich festlegen, ob er aktiv sein soll, also beim Aufruf der Seite mitgeladen wird. So können einzelne Bereiche testweise in Varianten ein- und ausgeblendet werden. In diesem Abschnitt legt man auch die Bezeichnungen und per Drag&Drop die Reihenfolge der Bereiche fest. Ein kleines, aber umso gefährlicheres Detail: Beim Löschen eines Bereichs über das Abfallkübel-Symbol fragt das System nicht nach – es wird sofort gelöscht. Wer dann kein Backup des vorherigen Zustands hat, kann Arbeit und Inhalte unwiederbringlich verlieren.

Editoren für HTML und CSS

Im Punkt «HTML Styling» definiert man die HTML-Struktur der verschiedenen Seitenbereiche. Wer ein neues Design von Anfang an erstellt, statt beim ersten Log-in auf eines der bereitgestellten Templates von Startbootstrap.com zurückzugreifen, hat hier die Wahl zwischen den Frontend-Frameworks Bootstrap und Foundation in diversen Versionen oder einer leeren Struktur ohne Framework.

Für jeden der oberhalb definierten Bereiche zeigt der Styling-Editor zwei Felder an. Der darin erfasste Code wird beim Generieren der Seite um den jeweiligen Inhalt herumgelegt. Im ersten Feld finden die einleitenden HTML Tags für die Struktur eines Bereichs Platz: typischerweise
,
oder
, gefolgt von einem oder mehreren
-Tags – zum Beispiel drei aufeinanderfolgende Divs für ein dreispaltiges Layout. Das zweite Feld fasst dann die zugehörigen schliessenden Tags. Auf diese Weise lässt sich die Struktur der Seite relativ einfach definieren und durch Hinzufügen von CSS-Klassen stylen, ohne dazu die gesamte HTML-Datei zu bearbeiten. Die einzelnen Felder dürften allerdings gerne grösser angelegt sein. Im Beispiel mit den drei aufeinanderfolgenden
-Tags wird im Feld nur ein Teil des Codes ohne Hin- und Herbewegen des Cursors angezeigt, was die Übersicht nicht gerade erleichtert. Unterhalb der Bereichsstrukturen wird die Struktur der Haupt- und, falls erforderlich, Nebennavigation mit den üblichen Tags wie

Zusatzfunktionalität via Plug-in

Im Modul «Plug-ins» werden die Plug-ins verwaltet und konfiguriert. In einer Liste erscheinen alle Plug-ins, die man zuvor im Plug-in Store von Doitclever ausgewählt hat. Dabei gilt es eines zu beachten: Einmal ausgewählt, wird das Plug-in automatisch freigeschaltet, und für Kunden mit Free- oder Basic-Account die entsprechende Rechnung ausgelöst. Das kann bei Plug-ins wie dem Blog- oder dem Referenz-Modul ein wenig ins Geld gehen. Doitclever will stattdessen künftig eine Warenkorblösung anbieten, aber im Moment gilt noch: anklicken heisst bezahlen. In der Plus- und Pro-Variante hingegen sind aber alle Plug-ins inklusive.


Zurück zum Online Creator. Die Plug-ins werden üblicherweise für bestimmte Seiten und bestimmte Bereiche aktiviert – zum Beispiel das Formbuilder Plug-in für den Bereich «Kontakt» auf der Seite Kontakt. Dies geschieht über die Liste im Plug-in-Modul. Auch hier darf man nicht vergessen, nach jeder Änderung auf «Speichern» zu klicken, sonst wird sie nicht scharf geschaltet. Die gleiche Liste bietet für jedes Plug-in einen Button für die Einstellungen. Hier erscheinen je nach Plug-in unterschiedliche Optionen zur Konfiguration. Der Formbuilder etwa präsentiert zunächst eine Liste der erfassten Formulare, beim Editieren oder Anlegen eines neuen Formulars erscheint darauf der Formular-Editor. Jedes Formular kann generell oder für eine einzelne Seite freigegeben werden – zur Wahl stehen diejenigen Seiten, für die der Formbuilder in der Plug-in-Verwaltung aktiviert wurde. Dies bedingt manchmal ein Hin- und Herschalten zwischen den verschiedenen Bereichen der Online-Creator-Oberfläche und könnte vermutlich auch bequemer gelöst werden. Das Erstellen eines Formulars geht dagegen flott vor sich. Formularelemente wie Texteingabefelder, Radio Buttons, und Buttons zum Hochladen einer Datei als Anhang zieht man per Drag&Drop auf die Formularfläche. Die Optionen für jedes Element erreicht man mit einem Klick auf das Bleistiftsymbol. Zum Schluss müssen die Änderungen wie immer gespeichert werden – in diesem Fall, zumindest zum Zeitpunkt unseres Tests, nicht über einen roten Button oberhalb des Editors, sondern über eine blaue Schaltfläche rechts unten. Solche Inkonsistenzen in der Oberfläche tauchen gelegentlich auf, sind jedoch nicht wirklich störend.

Doitclever

Fazit
Der Online Creator von Doitclever ist eine valable Alternative zu anderen Online CMS aus Schweizer Küche. Wie die Entwickler es beabsichtigen, eignet sich das Tool allerdings nur sehr bedingt für Web-Laien. Wer nicht einfach ein vordefiniertes Template mit anderen Inhalten füllen will, benötigt Kenntnisse in HTML, CSS und idealerweise Bootstrap oder Foundation und muss sich mit der Arbeitsweise des Online Creators auseinandersetzen. Ob sich eine grosse Zahl von Webagenturen mit langjährigem Know-how in Wordpress, Typo3 etc. zum Umstieg bewegen lässt, sei dahingestellt. Doitclever verzeichnet auf jeden Fall bereits mehr als ein Dutzend Parter, die Online-Creator-Kunden bei Webprojekten unterstützen. Einige Ungereimtheiten der laut den Entwicklern noch jungen Lösung sollten noch ausgeräumt werden, insgesamt läuft das Online CMS jedoch stabil und erzeugt anständigen Code.

Positiv
+ einfacher Editor für Inhalte
+ flexible Möglichkeiten für Webdesigner und Entwickler
+ zahlreiche Plug-ins
+ freie Wahl beim Hosting


Negativ
- Oberfläche logisch, teils etwas kompliziert
- gelegentliche Bugs
- erfordert Einarbeit in die Funktionsweise

Hersteller/Anbieter
Doitclever

Preis
Gratis oder in drei Varianten von Fr. 19.90 bis 39.90 pro Monat

Wertung
5 von 6 Sternen
(ubi)



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