Respekt empfinden und zeigen

Respekt empfinden und zeigen

(Quelle: Pixabay)
7. Dezember 2019 - Von Georg Kraus

In vielen Unternehmen ist der Umgangston rauer und teilweise sogar emotional verletzender geworden. Das wirkt sich negativ auf die Identifikation und Motivation der Mitarbeiter sowie deren Leistung aus – zumindest mittel- und langfristig.
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/12
In Führungsseminaren wird regelmässig betont: Führungskräfte sollten einen wertschätzenden, von wechselseitigem Respekt geprägten Umgang mit ihren Mitarbeitern pflegen. Doch im Arbeitsalltag spüren die Betroffenen hiervon oft wenig. In ihm herrscht nicht selten ein eher rauer Umgangston und selbst die einfachsten Benimm-Regeln für das menschliche Miteinander werden vergessen.

Da geht zum Beispiel ein altgedienter Mitarbeiter in den Ruhestand, ohne dass zuvor ein Vorgesetzter mal vorbeischaut, ihm die Hand schüttelt und ein Wort des Dankes sagt. Da wird zum Beispiel eine hochqualifizierte und -engagierte Fachkraft, die in einem Meeting sachliche Bedenken gegen Vorhaben äussert, vom Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft angeraunzt: "Wollen oder können Sie nicht? In beiden Fällen sind Sie hier fehl am Platz." Da erhält zum Beispiel eine Controllerin vom Chef, der zwei Zimmer weiter sitzt, zehn Minuten vor Feierabend per Mail die Anweisung, sie müsse bis nächsten Morgen eine ­Präsentation vorbereiten, obwohl dieser weiss: Sie muss ihr Kind pünktlich vom Hort abholen.

Der Ton wird in vielen Unternehmen rauer

Die Reihe der Beispiele liesse sich beliebig fortsetzen. Die Anekdoten aus dem Betriebsalltag, die man als Trainer in Seminaren hört, ergeben hierfür einen gros­sen Fundus. Und regelmässig hört man von den Teilnehmern: "Das Klima in unserem Betrieb hat sich verschlechtert. Der Umgangston wird immer rauer." Das fängt bei den sogenannten mittleren Führungskräften an. Sie sind um ihre "Sandwich-Position" als Mittler zwischen den "Chefs ganz oben" und den "Werkern" auf der operativen Ebene nicht zu beneiden. Denn sie bekommen die Nervosität und Hektik, die in den Chefetagen vieler Unternehmen herrscht, meist unmittelbar zu spüren. Und weil sie selbst unter einem enormen Druck stehen, geben sie diesen nicht selten ungefiltert an ihre Untergebenen weiter.

Dabei gilt die Faustregel: Der Umgangston wird umso rauer, je weiter man in der Unternehmenshierarchie nach unten kommt und je einfacher die Mitarbeiter aufgrund ihrer (geringen) Qualifikation ersetzbar wären. Denn auch in vielen Unternehmen gilt: Den Letzten beissen stets die Hunde.
 
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