Wo Lotus Notes aktuell steht - und wo die Reise hingeht

Wo Lotus Notes aktuell steht - und wo die Reise hingeht

(Quelle: Cross-Works)
7. Dezember 2019 - Von Helmut Sproll

Lotus Notes war einst die Paradesoftware der Groupware-­Ära. Auch wenn die Lösung stetig weiterentwickelt wurde, ist es in den letzten Jahren stiller um Notes geworden. Jetzt hat HCL Technologies die Software von IBM übernommen, investiert kräftig und will Notes zu neuem Glanz führen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/12
Lange bevor das Internet erfunden wurde, haben kreative Köpfe um Ray Ozzie mit Lotus Notes eine Software geschaffen, die nicht nur den damaligen Kommunikationsbedürfnissen entsprach, sondern in einer ganzen Reihe von Aspekten bis heute den Standard setzt. Eine lokale Volltextsuche, eine für den Benutzer absolut transparente, integrierte Public Key Infrastruktur, überaus mächtige Administrationswerkzeuge und die sprichwörtlichen Rapid Application Development (RAD)-Möglichkeiten sind nur einige der Aspekte, bei denen die Angebote der Mitbewerber auch heute noch, 30 Jahre nach der Markteinführung von Lotus ­Notes, kaum vergleichbares bieten können.

Während die Plattform in den ersten Jahren rasch und in grossen Schritten weiterentwickelt und um immer neue Funk­tio­nalitäten ergänzt wurde, ist es in den letzten Jahren deutlich ruhiger um Notes geworden. Eine fehlende oder zumindest unklare Strategie seitens IBM, aber auch das rasch aufkommende Internet haben die Prioritäten verschoben. Und auch wenn die Mitbewerber an verschiedenen Stellen noch immer Schwächen zeigen, geschlafen wurde nicht. In Summe hat dies nicht wenige Unternehmen dazu bewogen, der Plattform den Rücken zu ­kehren.
Bereits nach dem Start sieht man den neuen, frischen Look der Notes-Oberfläche.
Die wohl von den meisten Benutzern verwendete Kacheloberfläche wurde überarbeitet. So kann zum Beispiel der Hintergrund durch ein eigenes Bild aufgepeppt werden.
Der Kalender wirkt aufgeräumt und erlaubt nun – ein langjähriger Mangel – endlich auch Eingaben, die über 24 Stunden hinausgehen.
Die Maske zur Erfassung von Kalendereinträgen wurde modernisiert und fasst die verschiedenen Informations­bereiche nun thematisch zusammen.
Auch die E-Mail-Maske wurde rundum erneuert und wirkt aufgeräumt. Alles, was nicht unmittelbar mit der ­Erstellung einer E-Mail zu tun hat, wird ausgeblendet.


Schwierige Ablösung von Lotus Notes

Ist Lotus Notes also ein langsam aber sicher aussterbendes Relikt einer anderen Zeit? Auf den ersten Blick würde man dem wohl zustimmen. Ein genauerer Blick zeigt aber, dass der Wechsel von Notes auf die vermeintlich gleichwertigen Lösungen der Mitbewerber bei vielen Unternehmen nicht wirklich funktioniert hat. Geht die Migration des E-Mail Services zwar mit Schmerzen, aber noch vergleichsweise einfach von statten, stellt sich spätestens bei der Ablösung der Domino-Applikationen heraus, dass Verkaufspräsentationen nur wenig mit der realen Welt zu tun haben. So manches wechselwillige Unternehmen hat unter grossem Einsatz versucht, bestehende Domino-Applikatio­nen auf anderen Plattformen nachzu­bauen. Die Realität zeigt, dass das Gros dieser Bestrebungen früher oder später mit hohem Lehrgeld eingestellt wurden respektive werden. Die wenigsten Unternehmen wollen Notes um wirklich jeden Preis loswerden. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Unternehmen, die Notes angeblich schon vor zehn Jahren abgelöst haben, bis heute und auf unabsehbare Zeit noch unternehmenskritische Domino-­Applikationen nutzen.

Im Gegenzug ist aber ohne Zweifel auch nicht von der Hand zu weisen, dass das Produkt über Jahre hinweg nur noch schleppend weiterentwickelt wurde. Die Benutzeroberfläche des Rich Clients entsprach nicht modernen Standards und ist daher bei vielen Benutzern alles andere als beliebt. Entwickler hatten im Prinzip Zugang zu einem Funktionsumfang, der seinesgleichen sucht, aber viele der unterstützten Standards waren veraltet und auch die Werkzeuge zur Entwicklung von Applikationen hielten dem Vergleich mit denjenigen der Mitbewerber kaum mehr Stand. Einzig im Bereich der Administration definierte die Plattform weiterhin den Standard. Dort ist es nicht unüblich, dass auch sehr grosse Infrastrukturen mit zum Teil zehntausenden von Benutzern durch kaum eine Handvoll Personen betrieben wird.
 
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