CIO-Interview: 'Der gegen­seitige Austausch ist wichtig'
Quelle: CRH Swiss Distribution

CIO-Interview: "Der gegen­seitige Austausch ist wichtig"

Marc Moser wurde vor fünf Jahren als Head of IT bei CRH Swiss Distribution angestellt und bekam den Auftrag, die IT zu konsolidieren. In den letzten vier Jahren hat er die Firmen-­IT umgebaut, ohne einen fixen Projektplan zu haben.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2017/09

     

"Swiss IT Magazine": In der Schweiz ist CRH Swiss Distribution mit fünf Marken an 120 Standorten vertreten und vertreibt vor allem Gesamtlösungen für Rohbau und Innenausbau. Wie muss man sich die Informatik in einem solchen Unternehmen vorstellen?
Marc Moser: Kurz zusammengefasst schliessen die Hauptaufgaben der Informatikabteilung bei CRH Swiss Distribution den Betrieb der Grundinfrastrukturen, ERPs und der Sicherheit ein. Zudem haben wir ein bis zwei Audits pro Jahr, in denen die IT ebenfalls stark involviert ist.


Wie ist der Status der IT innerhalb von CRH Swiss Distribution?
Wir stellen Informatik für insgesamt 2000 Nutzer an 120 Standorten in der ganzen Schweiz bereit. Für 95 Prozent der Mitarbeiter bedeutet dies, dass der Computer laufen muss, sie Zugang zu Mail und ERP-System haben und lokal drucken können. Dann sind sie grundsätzlich zufrieden mit der IT. Für die restlichen fünf Prozent der Nutzer haben wir zunehmende Anforderungen, die sicher in Richtung Mobilität gehen. Grundsätzlich ist die Erwartung an die IT, dass man für Probleme schnell eine Lösung bieten kann. CRH ist keine Web-2.0-Firma, das heisst, bei uns muss die Informatik in erster Linie laufen. Andere Unternehmen sind sicher innovationsgetriebener als CRH.

Wie viele Personen umfasst das Informatik-Team von CRH?
Insgesamt arbeiten 34 Personen in der IT. Davon sind 14 Personen ausschliesslich für den Betrieb eines ERP-Systems zuständig. Das System basiert auf Movex, ist 20 Jahre alt und wurde in dieser Zeit nie aktualisiert. Die 14 Personen sind für den Support, die Programmierung und den technischen Betrieb des Systems zuständig. Die restlichen 20 Personen kümmern sich um den internen Support und Betrieb der übrigen IT-Systeme sowie eines zweiten ERP-Systems.


Wieso hat CRH zwei ERP-Systeme?
Die beiden Systeme korrelieren nicht miteinander. Zudem hat dies auch ein wenig mit der Geschichte des Unternehmens zu tun. CRH ist durch Käufe und Verkäufe von Firmen gewachsen. So waren bei meinem Start bei CRH vor fünf Jahren auch noch vier ERP-Systeme im Einsatz, einfach aus dem Grund, weil man die ERPs der einzelnen zugehörigen Firmen nie vereinheitlicht hat. Zudem hatte früher fast jede Firma ihr eigenes Rechenzentrum. Heute haben wir noch zwei Rechenzentren, eines für den Hauptbetrieb und eines für Disaster Recovery. Und auch die Grundinfrastruktur, egal ob Active Directory, Telefonie oder Printing, ist überall gleich.

Werden die zwei verbliebenen ERP-­Systeme auch noch vereinheitlicht?
In den letzten zehn Jahren wurden nicht weniger als zwei Vereinheitlichungsversuche unternommen und beide mussten gestoppt werden. Bald sollte ein dritter Anlauf starten. Das ist natürlich eine grosse Schwierigkeit, wenn man in Konzernen von dieser Grösse arbeitet. Früher gab es keine einheitliche Informatik, was natürlich auch damit zusammenhing, dass man zwar Firmen übernommen hatte, aber kaum oder besser gesagt keine Integrierungen vorgenommen hatte. Das hat sich erst mit der grossen Asset-Übernahme von Lafargeholcim geändert. Inzwischen will man nicht mehr länderspezifisch konsolidieren, sondern eher auf der Ebene Europa.


Sind solche Bemühungen ein Vor- oder Nachteil für CRH Swiss Distribution?
Es ist eine Herausforderung, denn im Headquarter in Dublin sitzen sehr viele Personen, die eine gewisse IT-Affinität haben und dementsprechend Initiativen forcieren wollen. Jedoch kennen diese Leute die Bedürfnisse der Schweiz und der weiteren lokalen Ableger in Europa nicht. Die Ebene, auf der konsolidiert werden kann, muss da erst noch gefunden werden. Denn unter dem Dach von CRH Swiss Distribution finden sich so viele Firmen, die verschiedene Baumaterialien kaufen und verkaufen, und davon funktioniert keine gleich wie die andere. Auf Ebene Europa sieht es nicht viel anders aus. Zwar gibt es viele Personen, die gute Lösungsideen haben, jedoch ist immer die Frage, wie man dort hinkommt. Da spielen immer auch Faktoren wie beispielsweise Lizenzen oder Geld eine gewisse Rolle. Dazu kommt, dass auch die strategische und operative Welt teilweise sehr verschieden ist.

Was muss dann passieren, damit diese Lösungsansätze schlussendlich auch europäisch sowie in der Schweiz umgesetzt werden können?
Das ist eine schwierige Frage. Ich wurde vor fünf Jahren bei CRH Swiss Distribution angestellt, um die ganze IT zu konsolidieren. Dabei haben wir uns überlegt, wo die IT-Systeme von CRH in fünf Jahren sein sollen. Auf Ebene Europa ist dies, so habe ich das Gefühl, viel weniger koordiniert und es ist nicht ganz klar, wo die Informatik in fünf Jahren sein soll. Daher ist es auch schwierig zu sagen, wer einen Schritt auf wen zu machen soll. Das wissen wir erst, wenn die europäische und die Schweizer Ebene die gleiche Idee haben. Und gewisse Dinge müssen bei CRH Swiss einfach früher behoben oder angepasst werden, als dies auf europäischer Ebene der Fall ist.


Würde die Cloud die Konsolidierung unterstützen?
Ich habe ein etwas spezielles Verhältnis zur Cloud und weiss immer noch nicht genau, was die Cloud eigentlich ist. Ich arbeite schon seit 30 Jahren in der IT und Cloud ist in meinen Augen einfach ein neuer Begriff für etwas, das es schon relativ lange gibt. Es ist definitiv eine spannende Lösung, wenn man gewisse Daten dezentral ablegen kann. Natürlich überlegt man sich auch bei CRH, ob man gewisse Bereiche wie etwa Storage in die Cloud verschieben möchte. Für uns sind in diesem Falle sicherlich Hybridlösungen attraktiv. Dabei gilt es aber, den richtigen Partner zu finden, der eine Cloud-Lösung anbieten kann, die dem Unternehmen zu hundert Prozent hilft.

Ist es für Sie schwierig, richtige oder gute Partner zu finden?
In meiner IT-Karriere habe ich schon so viele Verkäufer erlebt, die sich als potentielle Partner ausgaben und Probleme lösen wollten, die gar nicht vorhanden waren. Wenn jemand kommt und eine Lösung für ein nicht vorhandenes Problem anbietet, dann diskreditiert er sich.

Wie wählen Sie ihre Partner aus?
Ein wichtiger Treiber ist definitiv der Kostenfaktor. Dazu kommt, dass ein potentieller Partner nicht einfach kommt und etwas verkaufen will, sondern dass er sich zuerst mit unseren Bedürfnissen auseinandersetzt. Zudem schauen wir uns aktiv auf dem Markt um, wenn ein Partnerschaftsvertrag zu Ende geht, kommunizieren dies aber auch offen gegenüber den bestehenden Partnern. Wenn diese ein bisschen clever sind, können sie den bestehenden Vertrag zu ihrem Gunsten nutzen.


Wie wichtig ist die Kommunikation zu und mit den Partnern?
In meinen Augen ist es sehr wichtig, dass man mit Partnern und nicht mit Lieferanten zusammenarbeitet und für mich ist es nicht wünschenswert, dass sich der Kontakt zu den Partnern nur auf eine Vertragsdiskussion pro Jahr beschränkt. Demgegenüber sind die gemeinsame Arbeit und der gegenseitige Austausch sehr wichtig und dass die Partner jederzeit wissen, welche Anforderungen an sie ­gestellt werden.

Welche Anforderungen stellen Sie an Ihre Partner?
Grundsätzlich gilt, dass nicht ich die Anforderungen an unsere Partner stelle, sondern das Business. Das hängt auch damit zusammen, dass das Business einen ganz anderen Druck ausübt, als es die Informatikabteilung tut. Jedoch ist es wichtig, dass man gemeinsam mit den Partnern unternehmensfreundliche Lösungen erarbeitet, auf die sie eventuell von selbst gar nicht gekommen wären.


Sie haben den Kostenfaktor angesprochen, wie sieht das Thema Kostendruck bei der IT von CRH aus?
Wir gehören zu einem weltweiten Konzern, der in London und New York an der Börse ist. Dadurch sind wir sehr getrieben vom Shareholder Value. Nach oben interessieren dementsprechend in erster Linie die nackten Zahlen und das Headquarter in Dublin interessiert sich am Ende des Jahres vor allem dafür, wie viel Geld abgeliefert wird. Und die IT ist natürlich ein Kostenfaktor. Ich möchte aber nicht von Kostendruck sprechen, das klingt immer ein bisschen wie eine konstante, lineare Kürzung, sondern eher von Kostenfaktor. Bei CRH ist es so, dass wir jeweils die Ideen bringen, in welchen IT-Bereichen Optimierungspotential vorhanden ist. Es geht in erster Linie darum, die Hohlräume in den Dienstleistungen und Services zu finden, damit am Schluss noch Geld für weitere, eventuell wichtigere Bemühungen vorhanden ist.

Müssen Sie die Projekte und die Ideen der Informatikabteilung beim Business rechtfertigen?
Es gibt zwei Fälle. Der eine Fall ist, dass wir von Seite Headquarter je länger je mehr Vorgaben bezüglich Security bekommen, die global absolut Pflicht sind. Und der andere Fall ist, dass wir beim Business beziehungsweise der Geschäftsleitung das Geld für Projekte beantragen müssen. Wir sind absolut finanzgetrieben und ich muss einfach darstellen können, dass durch eine Investition schlussendlich Geld gespart oder generiert werden kann. Grundsätzlich habe ich persönlich als Head of IT sehr grosse Freiheiten und kann dadurch, dass ich direkt dem CEO angegliedert bin, viele Angelegenheiten direkt persönlich mit ihm regeln. Bei grösseren Projekten ist die Geschäftsleitung involviert.


Welche Projekte haben Sie in der Vergangenheit besonders gefordert?
Sicher sehr herausfordernd war und ist noch immer die Einführung des neuen Active Directory. Beim Active Directory zeigt sich auch, wie die Firma gewachsen ist, und erst wenn wir eine komplett einheitliche Active-Directory-Lösung haben, haben wir auf IT-Ebene die Firma zusammengebracht, ohne die User dabei komplett zu überfordern.

Auf was sind Sie besonders stolz bei Ihrer IT?
Besonders stolz bin ich auf die Flexibilität. Wir haben während vier Jahren die IT des Unternehmens komplett umgebaut, ohne einen fixen Projektplan zu haben. Dabei hatten wir zwar ein Ziel vor Augen, waren in der Ausführung aber jeweils sehr flexibel. Dazu habe ich auch ein Team, welches sich nicht stur auf eine Lösung konzentriert, sondern auch pragmatisch ein Problem lösen kann.

Wo sehen Sie besonders grosse Herausforderungen für die Zukunft?
Eine grosse Herausforderung wird sicherlich sein, das Business weiterhin zu steuern und in den Griff zu bekommen. Dazu gehört etwa auch die Diskrepanz zwischen der Anforderung an die Security und die Business-Anforderungen, welche, zumindest aus Sicht der Nutzer, möglichst schnell umgesetzt werden sollten. Die Aufgabe der Informatik ist es, hier in erster Linie einen gesunden und umsetzbaren Mittelweg zu finden. Zudem ist es immer wieder eine grosse Herausforderung, die richtigen Leute in der richtigen Qualität zu finden. Obwohl CRH Swiss Distribution eine grosse Firma ist, ist sie in der Schweiz eher unbekannt. In der Informatik zeigt sich dies vor allem dadurch, dass bei ausgeschriebenen Stellen jeweils eher wenige Bewerbungen kommen.

Zum Unternehmen

Der nationale Multispezialist CRH Swiss Distribution entwickelt und vertreibt Gesamtlösungen für Rohbau und Innenausbau. CRH Swiss Distribution gehört zur irischen Baustoffgruppe CRH mit Sitz in Dublin und umfasst die Schweizer Marken Baubedarf, Richner, Gétaz, Miauton und Regusci Reco. (asp)



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