Lean, Agile, Scrum Konferenz: Einen Tag lang auf Agilität fixiert
Quelle: Swiss ICT Magazin

Lean, Agile, Scrum Konferenz: Einen Tag lang auf Agilität fixiert

Von Marcel Gamma

150 Teilnehmende trafen sich, um zum fünften Mal Agile Themen zu diskutieren und sich inspirieren zu lassen. Dabei zeigte sich, dass Agilität längst mehr ist als eine Projektmanagement-Philosophie, sondern auch die Management-Ebene verändern kann und hilft, sich in komplexen Verhältnissen zurecht zu finden.
6. Oktober 2013

     

Die beiden viel beachteten internationalen Keynote-Speaker und die praxisnahen Referate und Präsentationen stiessen auf positives Feedback. Ein Rückblick.
«Agilität brauchen wir nicht nur in der Software-Entwicklung, sondern auch in den Köpfen,» sagte Claude Honegger, Co-CIO der Credit Suisse und Vorstand von swissICT in seiner Begrüssung. Dieser Philosophie folgten zwei Keynotes, 13 Talks und Workshops der 5. Lean, Agile, Scrum-Konferenz.
In der ersten Keynote sprach Erik Dörnenburg (Head of Technology, Softwareentwickler) über Architektur im agilen Kontext. Er hält den Term «Architekt» für falsch, da sich Hausarchitekten von ICT-Architekten unterscheiden und er sei «eine gefährliche Metapher», die an ein Gottesmodell erinnere. Ein ICT-Architekt müsse «Reisebegleiter sein, nicht vorausplanender Puppenspieler im Hintergrund.» Architektur und Entwicklung dürfen nicht getrennt werden, glaubt er und benannte als zentrale Artefakte Design-Diagramme und –modelle, Patterns, Frameworks, Code, Tests, Richtlinien/Prinzipien und automatisch generierte Visualisierungen.


In den folgenden fünf Streams mit je 90minütigen Talks zeigte sich den 150 Teilnehmenden im Forum St. Peter die ganze Bandbreite agiler Themen. So erläuterte bspw. Klaus Leopold die Kernpunkte von Kanban und den damit verbundenen Change-Prozessen in Unternehmen. Anhand von vier Prinzipien und sechs Praktiken zeigte er auf, dass Kanban kein Software-Entwicklungsprozess ist, sondern darüber stehe.
Die sechs Praktiken laut Leopold: Mach die Arbeit sichtbar, limitiere den «Work in Progress», setze den Fokus auf den Arbeitsfluss (nicht die Arbeiter), mach Prozessregeln explizit, implementiere Feedback-Mechanismen und führe gemeinschaftliche Verbesserungen durch. Dabei müsse man auch «unwichtige» Tasks sichtbar machen und die Anzahl Tickets limitieren, denn «Menschen sind nicht fähig zum Multi-Tasking, sondern nur zum Task-Switching».
Im Workshop «Disruptive Innovation & Fast Feedback Cycles» von Nils Bernert und Josef Scherer stand schnelle Innovation im Fokus. Die Teilnehmenden entwickelten in Teams Businessideen, indem sie zwei Ausgangsprodukte wie «Last.fm» und «Angry Birds» zu zielgruppengerechten Produkte kombinierten und diskutierten.
Dabei wurden einige Aspekte dieser Kreativ- und Entscheidungstechniken deutlicher: Was löst Zeitdruck aus? Wie beeinflussen starke Persönlichkeiten Innovationen?


Im Rahmen seines Cynefin-Frameworks (Modell um Probleme, Situationen und Systeme zu beschreiben) erläuterte Dave Snowden erst die drei Pfeiler seiner Theorie: «Exaptation» (etwas Bekanntes für einen neuen Zweck umfunktionieren), Kohärenz (starke Indizien für gesichertes Wissen und Unklarheiten) und Co-Evolution (wechselseitige Anpassung stark interagierender «Arten»). Snowden postulierte: «Die Interaktion zwischen Menschen zählt. Man muss nicht Menschen verändern, sondern Systeme, in denen sie arbeiten.»
Innerhalb der möglichen Systeme «Ordnung», «Chaos» und «Komplex» ging er vertieft auf das komplexe System ein, welches eine radikal neue Denkweise verlange. In komplexen Systemen müsse man innerhalb beweglich gezogener Grenzen lernen, alles zu bewältigen, was je geschehen könne.
Direkt aus der Praxis im Umgang mit Menschen schöpfte der Bericht von Renate Willimann und Martin Talamona. Sie erläuterten, wie sich die 150köpfige Software-Entwicklungsabteilung von Bison Schweiz vom V-Modell zur agilen Organisation entwickelte und neue Motivation und Innovationskraft entdeckte.


Ein Kulturwechsel brauche Zeit und Mut, sagten die beiden, welche über Monate hinweg wöchentliche Events unter der Metapher eines Regenbogens («vom Regen in den Sonnenschein») anboten, bis sich unter Einbezug der Mitarbeitenden die Scrum-Teams und ein neues Organigramm bildeten. Dabei spielten u.a. Essen, Gespräche und Ausbildungen zentrale Rollen, speziell aber Authenzitität von Aussagen.
Der Wandel führte einerseits zu mehr Releases, doch war es schwieriger als gedacht, bis auch das Kader zum Scrum-Team heranwuchs. Heute sei Bison aber daran, auch auf GL-Stufe ein vergleichbares Projekt durchzuführen.
In den Gesichtern der Teilnehmenden erwies sich am abschliessenden Apero das Konferenzmotto als richtig: «Mit Agilität zuversichtlich in die Zukunft».

Marcel Gamma ist Kommunikationsverantwortlicher beim Konferenz-Veranstalter swissICT.


Alle Präsentationen als Download:
http://www.lean-agile-scrum.ch/downloads/talks2013/



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