CIO-Interview: «Mir kommt oft die Rolle des Salomo zu»

CIO-Interview: «Mir kommt oft die Rolle des Salomo zu»

30. September 2012 - David van Dyk ist Head of IT Management bei Nord Stream, dem Erbauer einer Gas-Pipeline durch die Ostsee. Für die IT setzt er voll und ganz auf Outsourcing.
Artikel erschienen in IT Magazine 2012/10
David van Dyk, Head of IT Management bei Nord Stream (Quelle: zVg)
Swiss IT Magazine: Können Sie die IT-Strategie umschreiben, die Sie als Head of IT Management bei Nord Stream verfolgen?
David van Dyk:
Wir setzen bei Nord Stream in der IT vollumfänglich auf Outsourcing und sind entsprechend nur ein sehr kleines Team. Wir streben zudem an, ein sehr hohes Qualitätsniveau zu erreichen. Im November sollten wir so auch das ISO-27001-Zertifikat erhalten – hoffe ich zumindest (lacht…). Wir unterhalten IT-Standorte in Russland, Deutschland sowie zwei in der Schweiz – in Zürich und in Zug, wo wir auch ein Datencenter betreiben. Erwähnenswert ist zudem auch, dass wir einen 24/7-Betrieb sicherstellen müssen, da bei uns hochkritische Applikationen im Einsatz sind. Wir pflegen Systeme für 250 Benutzer, die in der Lage sein müssen, überall und jederzeit zu arbeiten. Und wir versuchen, Lösungen und Technologie möglichst kreativ einzusetzen und zu nutzen.

Wie viele Leute beschäftigen Sie in der IT?
Inhouse sind in der IT lediglich vier Mitarbeiter tätig, die ausschliesslich Management-Aufgaben übernehmen – wir sprechen hier von Projekt-Management, Vertrags-Management, Störungs-Management und Krisen-Management. Wenn man die Fachkräfte unserer Outsourcing-Partner hinzurechnet, arbeiten täglich 30 bis 40 Leute in der Nord-Stream-IT.

Warum dieses extreme Outsourcing-Modell bei Nord Stream?
Das Modell ist unter anderem eine Frage der Fairness. Das Erdgas-Pipeline-Bauprojekt von Nord Stream, das von Beginn weg als Projekt ausgelegt war, ist jetzt fertig und geht nun in die Operations-Phase über. Infolgedessen braucht das Unternehmen nun deutlich weniger Leute. Hätte man mit Festangestellten gearbeitet, müsste man nun Leute entlassen. Dank dem Outsourcing stellt sich dieses Problem nicht.
Mit wie vielen IT-Partnern arbeiten Sie aktuell zusammen?
Wir sind laufend daran, im Partner-Bereich zu rationalisieren und die Zahl der Partner zu verringern. Aktuell sind es noch etwas mehr als ein Dutzend Outsourcing-Partner, mit denen wir zusammenarbeiten.

Was relativ viel ist, oder?
Das stimmt, hängt aber stark mit dem Projekt von Nord Stream zusammen. Über so viele Grenzen hinweg wurde eine solche Pipeline niemals zuvor gebaut. Die IT musste die Grundlagen für einen umfassenden Genehmigungsprozess in neun Ländern schaffen. Ganz am Anfang legte die IT die Basis für das Projekt. Als ich vor gut fünf Jahren bei Nord Stream angefangen habe, habe ich hier in Zug nichts weiter als einen Server vorgefunden. Das Wachstum der IT-Landschaft war dann rasant, wir haben innert kürzester Zeit komplexe Lösungen für Dokumentenarchivierung, ERP- und CRM-Pipe-Tracking-Systeme und Lösungen für Big-Data-Systeme und so weiter implementiert. Zusätzlich haben wir Partner geholt, welche sich nur ums Controlling gekümmert haben – ein wichtiger Aspekt für uns. Hinzu kamen viele Spezialaufgaben, die mit dem Projekt zusammenhängen und die nach spezialisierten Partnern verlangen. Sie können mir glauben, in den ersten drei Jahren ging hier die Post ab, und vielleicht hat das dazu geführt, dass man mit etwas zu vielen Partnern gearbeitet hat. Deshalb läuft nun der angesprochene Rationalisierungs-Prozess. Doch wir konnten nicht organisch wachsen, wie dies in anderen Firmen üblich ist.

Wenn Sie das Rad nochmals an den Anfang des Projekts zurückdrehen könnten, würden Sie eine andere Strategie wählen und mit einem Full-Service-Provider zusammenarbeiten?
Nein. Ich würde wieder mit mehreren, kleinen Partnern arbeiten. Der Grund dafür ist einfach: Die grossen Full-Service-Provider können zwar alles aus einer Hand bieten, bewegen sich aber wie ein mächtiges Schiff – langsam und behäbig. Für unser Projekt brauchten wir Firmen und Leute, die jung, frisch, dynamisch und flexibel agieren und die vielleicht auch einmal ausserhalb des vereinbarten Vertragsvolumens arbeiten. Mit einem grossen Provider ist das erfahrungsgemäss kaum möglich. Der grösste Partner, den wir haben, ist Connectis mit seinen rund 200 Mitarbeitern. Die meisten Partner sind aber deutlich kleiner – allerdings keine One-Man-Shows, aus Gründen des Risk Management.
 
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